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20.04.2017

Gemischte Fonds überholen Rentenfonds

Anlässlich des Weltfondstages am 19. April präsentierten die österreichischen Fondsverbände aktuelle Statistiken und eine Umfrage.

Heinz Bednar, Präsident VÖIG

Heinz Bednar, Präsident VÖIG

Foto: VÖIG

Das Dauerzinsentief der letzten Jahre lässt die in österreichischen Investmentfonds veranlagten Gelder weiter wachsen. In den ersten zwei Monaten 2017 stieg das Volumen von 167,1 Milliarden Euro (Ende 2016) auf ein neues Allzeit-Hoch von 169,3 Milliarden Euro (28. Februar 2017), besagen die Zahlen der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG). Das in den letzten Jahren stark gesunkene Renditeniveau - Stichwort Negativzinsen – wird in der Aufteilung der Fondsvolumina auf die Anteilscheinklassen sichtbar: Waren vor fünf Jahren Rentenfonds in den Portfolios der Österreicher dominierend, so sind es nun gemischte Fonds, die in den Beständen an erster Stelle liegen.

Mischfonds legen zu

Die Bemühungen der Fondsindustrie in den vergangenen Jahren, die besonders konservativen österreichischen Anleger über gemischte Fonds mit einer gewissen, je nach Risikotyp gestaffelten Ausrichtung an eine teilweise Aktienveranlagung heranzuführen, tragen Früchte. Per Ende Februar 2017 lag der Anteil der gemischten Fonds bei 42,8%, jener der reinen Rentenfonds bei 41,4%. Vor fünf Jahren lag der Anteil der Rentenfonds noch bei 47,6%. Auf einem kontinuierlichen Wachstumspfad befinden sich auch Aktienfonds, deren Anteil aktuell mit 15,7% ausgewiesen wird. „Unsere Kunden vertrauen in ihrer Anlage verstärkt auf Mischfonds, die von gut ausgebildeten und erfahrenen Fondsmanagern bei den Kapitalanlagegesellschaften aktiv gemanagt werden. Dabei werden auch zunehmend die Ertragschancen von Aktien genutzt“, betont Heinz Bednar, Präsident der VÖIG, der darin eine „gesunde Entwicklung“ sieht. „Immerhin konnten unsere Kunden mit einer ausgewogenen oder dynamischen Strategie in den letzten drei Jahren durchschnittliche jährliche Erträge von 4,5% und mehr einfahren“, weiß Bednar.

Auffällig ist in Österreich der starke Anstieg bei den offenen Immobilienfonds auf ein Gesamtvolumen von 6,9 Milliarden Euro. Damit haben sich die Volumina in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt. Immobilienfonds erfreuen sich vor allem aufgrund ihres konservativen Charakters und stabilen Ertragsaussichten großer Beliebtheit.

International dominieren Aktienfonds

Auch international sind die Fondsinvestoren in Kauflaune: Per Jahresende 2016 hat sich das weltweit in Fonds veranlagte Fondsvolumen auf 41,3 Billionen Euro erhöht und damit ebenfalls ein neues Allzeit-Hoch erreicht, wie der Generalsekretär der VAIÖ (Vereinigung Ausländischer Investmentgesellschaften), Berndt May, anlässlich der Präsentation des Weltfondstags am 19. April bekanntgab. Auch in Europa ist das Fondsvolumen im letzten Jahr von 13,3 auf 14,2 Billionen Euro gestiegen. Im Unterschied zu Europa ist der Anteil von Aktienfonds an den Fondsvolumina weltweit mit rund 39,4% klar dominierend. Die anhaltend niedrigen Zinsen beeinflussen das Investorenverhalten deutlich.

Interesse an Fonds vorhanden, Wissen ausbaufähig

Die beiden Fondsverbände haben außerdem anlässlich des Weltfondstags in einer repräsentativen Umfrage (Integral, Stichprobe: 500, 2.-9. März 2017) die Beliebtheit und Nutzung verschiedener Anlageformen abgefragt. An der Spitze der genutzten Anlageformen stehen bei den Österreichern „sichere“ Varianten, nur jeder vierte Österreicher gibt an, Fonds zu besitzen, ebenso viele halten Fonds grundsätzlich für eine attraktive Anlageform, 28% haben eine positive Einstellung dazu. Ein großer Teil (45%) weiß zu wenig bzw. sehr wenig über Fonds Bescheid. Mehr als jeder Zweite (56%) informiert sich in der Bankfiliale bzw. beim Berater über Fonds, ein Drittel im Internet (Suchmaschinen, Foren etc.) bzw. 28% auf Bankenhomepages. Von Fonds erwartet man sich vor allem „höhere Erträge als am Sparbuch oder beim Bausparen“ (84% Zustimmung) bzw. ist es den Befragten wichtig, „nicht gebunden“ zu sein (77%). Die Hauptgründe dafür, warum nicht in Fonds angelegt wird, sehen die Befragten vor allem im zu geringen Wissen (65%) bzw. zu wenig Kapital (46%). Die Daten zeigen einen erheblichen Aufholbedarf, was das Wissen um Wertpapiere und Fonds betrifft. „Hier sind die Fondsgesellschaften und die Bankinstitute gefordert, bei der Wissensvermittlung aktiv beizutragen“, sagt Bednar. Es gebe hier bereits einige sehr positive Initiativen, nicht zuletzt der Weltfondstag selbst.

Forderung nach "Vorsorgedepot"

Auch bei dieser Gelegenheit erneuerte der VÖIG-Präsident die Forderung von VÖIG und VAIÖ nach einem gesperrten Vorsorgedepot für die Pensionsvorsorge (und Pflegevorsorge), wie in anderen Ländern üblich. Die Kunden sollten die Möglichkeit haben, unter Produkten wie Investmentfonds, Direktveranlagungen, Versicherungen, etc. frei zu wählen. Die ausgewählten Produkte sollten in der Ansparphase steuerbefreit werden. Bei einer nicht widmungsgemäßen Verwendung würde eine Nachversteuerung erfolgen. Das Vorsorgedepot würde auch keine staatliche Prämie benötigen, so Bednar.