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15.03.2011

"Gerade nach Krisen steigt die Übernahme-Euphorie"

Experten erwarten positive Effekte auf die Aktienmärkte in den USA und in Europa 

Stefan Scheurer,  Senior Analyst Allianz GI

Stefan Scheurer, Senior Analyst Allianz GI

Seit dem zweiten Halbjahr 2010 stehen Fusionen und Übernahmen bei den Unternehmenslenkern wieder oben auf der Agenda. Allianz Global Investors hat dazu eine Analyse unter dem Titel "Übernahmen - zusätzliche Triebfedern für den Aktienmarkt?" veröffentlicht. Stefan Scheurer, Senior Analyst Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors, sieht in dieser Entwicklung das Wiederaufleben eines Trends, der bereits in vergangenen Zyklen beobachtbar war: "Gerade nach Krisen steigt die Übernahme-Euphorie bei den Unternehmen auf der Suche nach weiterem Wachstum", so Scheurer.
Die Ursache hierfür liegt in der verbesserten konjunkturellen Entwicklung. Im Zuge der Finanzmarktkrise hatten die Unternehmen - vor allem in den USA - ihre Investitionen und damit ihre Kosten drastisch heruntergefahren. So lag die Gesamtkostenbasis der US-Unternehmen außerhalb des Finanzsektors im zweiten Quartal 2010 um 5% unter ihrem Vorjahresniveau. Dies war das stärkste Kostensenkungsprogramm seit Aufzeichnungsbeginn 1959. Die im Zuge der konjunkturellen Erholung wieder steigenden Umsätze führten dann zu einer deutlichen Ausweitung der Margen und einem Anstieg der Cash-Bestände. "Die US-Unternehmen sitzen auf fast 1,5 Bio. US-Dollar an liquiden Mitteln. Vor diesem Hintergrund ist es fast logisch, dass nicht nur die Investitionen wieder anspringen, sondern dass sich die Konzernlenker auch wieder verstärkt Gedanken über Übernahmen machen", sagt Scheurer. 
 
Fortsetzung der Übernahmetätigkeit dank attraktiver Bewertungen 
 
Das globale Transaktionsvolumen bei Fusionen und Übernahmen erreichte 2010 mit rund 2,2 Bio. US-Dollar zwar bei weitem noch nicht das Rekordniveau aus dem Jahr 2007 mit über 4 Bio. US-Dollar. Vor dem Hintergrund der attraktiven Bewertungen vieler Unternehmen und den hohen Cash-Beständen der Unternehmen ist für 2011 jedoch eine Fortsetzung des jüngst ansteigenden Trends zu erwarten. Denn organisches Wachstum ist bei den Unternehmen in den Industrieländern ein knappes Gut geworden. So halten sie zunehmend nach externen Expansionsmöglichkeiten bzw. attraktiven Nischen Ausschau. Für Jörg de Vries-Hippen, CIO European Equities bei Allianz Global Investors/RCM, gilt dies nicht nur für die USA: "Auch für Europa ist 2011 ein Anstieg der Fusions- und Übernahmetätigkeit zu erwarten. Die aktuellen Gespräche zwischen der Deutschen Börse und Nyse Euronext dürften nur der Auftakt sein."
In der Vergangenheit profitierten von einer verstärkten Übernahmetätigkeit die Aktienmärkte insgesamt, hierbei aber vor allem das Marktsegment der kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die Small- und Mid-Caps. So wurden in den USA in den Jahren 2001 bis 2010 in der Summe ca. 650 börsennotierte Small- und Mid-Caps von anderen Unternehmen akquiriert, aber nur knapp 50 große Unternehmen (Large Caps). Scheurer fügt hinzu: "Auch die im Zuge derartiger Übernahmen gezahlte Prämie auf den Aktienkurs der übernommenen Firmen war im Falle kleiner und mittelgroßer Unternehmen deutlich höher als bei Großunternehmen. In den USA wurde in der letzten Dekade für Small und Mid-Caps eine Prämie von 24% bzw. 27% gezahlt, für Large Caps dagegen nur knapp 8%." Das Fazit der Allianz-Experten: Für das knappe Gut "Wachstum" wird von Seiten der Käufer gerne auch eine Prämie bezahlt.