Meldungen | Gold & Edelmetalle, Marktausblick
11.10.2018

Gold: Korrektur nach oben absehbar

Nach dem Preisrückgang im Sommer sei eine Erholung bis Mitte 2019, u.a. durch spekulative Shortpositionen unterstützt, wahrscheinlich, analysiert Nitesh Shah, Director Research von WisdomTree, in seinem Gold-Ausblick.

Nitesh Shah, Director Research WisdomTree

Nitesh Shah, Director Research WisdomTree

Foto: WisdomTree

Gold hat sich im vergangenen Quartal schlecht entwickelt. Wir hatten in einem Umfeld steigender Zinsen und eines starken US-Dollars erwartet, dass das gelbe Edelmetall stagnieren würde (siehe Goldausblick: Der Goldpreis dürfte beim Ausbleiben von Markterschütterungen bis Juni 2019 stagnieren), ein Wertverlust von 4% seit 30. Juni 2018 scheint jedoch übertrieben. Eine Korrektur nach oben könnte überfällig sein. Unseren Erwartungen zufolge dürfte Gold das Jahr auf einem Stand von knapp 1270 US-Dollar/Unze beenden und bis zum dritten Quartal 2019 ein Niveau von 1320 USD/Unze erreichen – ein Zuwachs gegenüber dem Stand von 1200 US-Dollar/Unze Mitte September.

Worauf sind die aktuellen Kursrückgänge zurückzuführen?

Anhand des Rahmenwerks, das wir in unserem Papier Goldausblick: Der Goldpreis dürfte beim Ausbleiben von Markterschütterungen bis Juni 2019 stagnieren umrissen haben, können wir beobachten, dass der Anstieg bei den Anleiherenditen (11 Basispunkte) und die Aufwertung des US-Dollars (0,4%) seit dem letzten Quartal nicht ausreichen, um die sinkenden Goldkurse zu rechtfertigen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die schlechte Stimmung bei Gold (gemessen an der spekulativen Positionierung am Futuresmarkt) für die Kursrückgänge verantwortlich ist. Die spekulative Positionierung in Goldfutures ist auf den niedrigsten Stand seit 2001 gesunken.

Steht eine durch Short-Eindeckungen ausgelöste Rally an?

Häufig wird am Markt argumentiert, dass die Investoren nach dem Ausbleiben einer positiven Kurs-Performance, als vor Kurzem Schwellenmarktwerte auf breiter Front abgestoßen wurden, den Glauben an Gold als sichere Anlage verloren hätten. Angesichts dessen, dass Aktien aus finanzstarken Märkten auch während dieses Zeitraums eine starke Performance vorweisen konnten, sollte es nicht überraschen, dass es bei den Goldkursen zu keinem Anstieg gekommen ist. Gold scheint reif für eine durch Short-Eindeckungen ausgelöste Rally, da der aktuelle Pessimismus übertrieben scheint.

US-Notenbank (Fed) bleibt bei einer Verschärfung Ihres Kurses

Wir erwarten, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen 2018 noch ein weiteres Mal und dann noch zweimal im Jahr 2019 erhöhen wird. Noch ist in der US-Wirtschaft der Inflationsdruck spürbar und die Arbeitsmärkte sind weiterhin angespannt. Die US-Notenbank wird weiterhin Aktiva veräußern, wobei Mortgage-Backed Securities im Wert von monatlich höchstens 20 Milliarden USD und Schatzanweisungen im Wert von monatlich höchstens 30 Milliarden USD veräußert werden dürfen. Die meisten Maßnahmen der US-Notenbank wurden jedoch in den US-Dollar und in US-Anleihen eingepreist.

Inverse Zinsstrukturkurve für US-Schatzanweisungen zu erwarten

Obwohl wir bis zum dritten Quartal 2019 Erhöhungen der Leitzinsen von insgesamt 75 Basispunkten erwarten, werden die Renditen für 10-jährige Anleihen unseres Erachtens in diesem Zeithorizont um nur 40 Basispunkte auf 3,3 % zulegen. Es ist wahrscheinlich, dass die Renditen für 2-jährige Anleihen stärker von den Leitzinserhöhungen betroffen sein werden, weiter rechts auf der Kurve werden wir wahrscheinlich jedoch weniger Ertragszuwächse verzeichnen können. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der hohe Anleihenbestand der Fed wahrscheinlich verhindern wird, dass die Renditen allzu aggressiv steigen. Ebenso ist es wahrscheinlich, dass die aktuellen Steuersenkungen innerhalb eines sehr kurzfristigen Zeitrahmens ihre stärkste Wirkung zeigen werden. Da die Auswirkungen auf das Wachstum langfristig gesehen im Sande verlaufen, wird der Renditeanstieg am längeren Ende der Kurve geringer ausfallen als am kurzen Ende. Unseres Erachtens lässt eine Inversion der Zinsstrukturkurve jedoch nicht auf eine anstehende wirtschaftliche Rezession schließen. Obwohl die Inversion der Zinsstrukturkurve von vielen als finanzielles Signal für einen bevorstehenden Wirtschaftsabschwung betrachtet wird, kann sie unseres Erachtens auf die oben beschriebenen weniger günstigen Gründe zurückgeführt werden. Wenn überhaupt, glauben wir, dass sich die US-Notenbank eher friedfertig zeigen wird, da sie sich mit ihrer Geldpolitik nicht zu weit von anderen Zentralbanken entfernen möchte. Dies könnte über das kommende Jahr hinweg positive Folgen für die Wirtschaft haben.

 

 

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