Meldungen | Anlegerschutz, Banken
23.11.2012

Handelsgericht Wien verurteilt Meinl Bank wegen Kursmanipulation

Einem MEL-Anleger wurden 30.000 Euro Schadensersatz zugesprochen, die Bank wirft dem Gericht mangelnde Auseinandersetzung mit dem Sachverhalt vor uns will berufen.

Bisher ging es bei den Verfahren gegen die Meinl Bank in Sachen MEL in der Regel um Beratungsfehler beim Verkauf der Zertifikate. Beim aktuell ergangenen Urteil des Wiener Handelsgerichts war aber die behauptete Kursmanipulation das Thema. Der Richter verurteilte die Bank nicht rechtskräftig zur Zahlung von 30.000 Euro, diese will in Berufung gehen. Das sei das erste Urteil, bei dem einem MEL-Anleger Schadenersatz wegen Kursmanipulation durch die Zertifikatsrückkäufe zugesprochen worden ist, sagt Anwalt Ulrich Salburg vom Prozessfinanzierer AdvoFin. Rund 6000 MEL-Kläger mit einer geschätzten Klagssumme von 220,5 Millionen Euro werden derzeit von AdvoFin vertreten.

 

Die Meinl Bank wirft dem Gericht vor, sich nicht „auf Sachverhalts- oder rechtlicher Ebene auch nur ansatzweise mit der angeblichen Kursmanipulation auseinanderzusetzen“. Sachverständige hätten festgestellt, dass es keine Grundlage für den Manipulationsvorwurf gebe. Ansonsten bleibt die Bank bei ihrer bisherigen Verteidigungslinie: „Hier liegt Aktienkauf auf Probe in Reinkultur vor“, so Vorstand Peter Weinzierl in einer Aussendung, „Also die Mitnahme von Gewinnen bei steigenden Kursen und der Weg zu Gericht, wenn die Spekulation nicht gelingt. Vor diesem Hintergrund ist das vorliegende Urteil ein Schlag ins Gesicht des heimischen Kapitalmarkts.“ Außerdem verweist er auf zwei positive Urteile des Oberlandesgerichts Wien, die die erstinstanzlichen Entscheidungen jeweils aufgehoben haben. Die Erstgerichte seien unzureichend auf den Einzelfall eingegangen, sondern hätten „Pro-Anleger-Entscheidungen einfach kopiert“.