Meldungen | Marktausblick
20.04.2017

Im Zinsental zeigt der Weg nach oben

Das globale Wirtschaftswachstum gebe Impulse für Zinserhöhungen, die Geldpolitik unterstütze den Aufwärtstrend, so die Experten der Allianz Gruppe Österreich. Aktien werden vom Konzern weiterhin übergewichtet.

Doris Kals, Allianz Invest KAG

Doris Kals, Allianz Invest KAG

Foto: Allianz Gruppe Österreich

Nach rund dreißig Jahren sinkender und zum Teil negativer Zinssätze scheint das Mantra fallender Zinsen vorbei zu sein, davon gehen die Experten der Allianz aus. „Das Tal der Zinstränen dürfte hinter uns liegen. Der Pfad ist zwar flach, aber noch oben gerichtet“, erklärte Martin Bruckner, Vorstandssprecher der Allianz Investmentbank AG und Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich, am Mittwoch vor Journalisten. „Die anhaltenden globalen politischen Unsicherheiten und relativ hohen Bewertungen in vielen Assetklassen können allerdings auch weiterhin für Unruhe an den Wertpapiermärkten sorgen“, so Bruckner.

In den letzten Jahren sind die Anleiherenditen in allen wesentlichen Industrienationen, vor allem im Euroraum und den USA, deutlich gesunken. Die Finanzkrise 2008 verstärkte diese Entwicklung zusätzlich. Zurückzuführen sei der Trend auf das niedrige Wirtschaftswachstum. Während nämlich das BIP-Wachstum vor der Finanzkrise 2008 in der Eurozone bei 2,4 Prozent und in den USA bei 3 Prozent lag, befindet sich dieses mittlerweile bei 1,1 Prozent beziehungsweise 2 Prozent. Treiber für diese Schwäche seien die alternde Bevölkerung, nachlassende Produktivitätssteigerung oder auch die geringen Investitionen durch Unternehmen, die deutlich risikoaverser sind, so die Allianz Experten.

Kaufkraftverlust

Diese Aspekte in Kombination mit einer über Jahre hinweg niedrigen Inflation führten schließlich zu einer extrem expansiven Geldpolitik der Zentralbanken. „Niedrige Zinsen sollten eigentlich Investitionen ankurbeln. Doch kam es zu wesentlichen Nebeneffekten dieser negativen Renditen, die vor allem in einem Verlust der Kaufkraft mündeten“, erklärt Doris Kals, Leiterin Asset Management Dachfonds in der Allianz Invest KAG. Die positive Wirtschaftsentwicklung, getrieben durch steigende Konsumausgaben sowie fiskalpolitische Impulse, ermögliche nun ein langsames Verlassen der Niedrigzinslandschaft, wie durch die Zinserhöhungen der US-Notenbank FED um 0,25 Prozent und die Diskussion über die Reduktion des EZB-Kaufprogramms deutlich wurde. Eine rasche Abkehr von einer expansiven Geldpolitik der Notenbanken sei jedoch trotz des positiven Ausblicks nicht zu erwarten.

Wirtschaft trotzt Turbulenzen

Wirft man einen Blick auf die volkswirtschaftlichen Prognosen für das zweite Quartal, zeigt sich ein einheitlicher globaler Trend: Erstmals seit vielen Jahren wird das Wirtschaftswachstum 2017 wieder etwas zulegen – und zwar global gesehen. In den USA sorgen der robuste Arbeitsmarkt und die leicht gestiegene Lohnentwicklung für eine starke Konsumnachfrage. Auch die Vorlaufindikatoren für die Industrieentwicklung zeigen deutliche Anstiege. „Die Märkte scheinen eine fiskalpolitische Expansion seitens der Trump-Regierung stark eingepreist zu haben. Das Rückschlagpotenzial ist jedoch hoch, sollten Maßnahmen nicht entsprechend den Erwartungen umgesetzt werden können“, prognostiziert Kals. Die globale Geldpolitik bleibe weiterhin unterstützend. Der positive Wachstums- und Inflationsausblick bedeutet jedoch, dass die in der Vergangenheit gesetzten Maßnahmen der Zentralbanken langsam reduziert werden.

Aktien vor Anleihen, besonders Japan und EM

„Im aktuellen Umfeld raten wir Anlegern, Aktien über- und Anleihen unterzugewichten“, erklärte Bruckner die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal. Auf der Aktienseite empfiehlt die Allianz, Japan und die Emerging Markets über- sowie die USA unterzugewichten und Europa neutral zu halten. Für japanische Aktien sprechen die positive Entwicklung der japanischen Wirtschaft sowie der Gewinntrend der Unternehmen, der sich weiter fortsetzt. Günstige Bewertungen sowie eine für 2017 erwartete Wachstumsbeschleunigung lassen auch Emerging Markets attraktiv wirken. Aufgrund der langjährigen Wachstumsschwäche und Underperformance sind die Bewertung und das Gewinnpotenzial in Europa als attraktiv einzustufen. „Brexit“-Gespräche und anstehende Wahlen hinterlassen allerdings ein hohes Maß an Unsicherheit. US-Aktien haben neue Höchststände erreicht und sind bewertungsseitig mittlerweile teuer geworden.

Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Unternehmensanleihen überzugewichten, Staatsanleihen aus Europa und Emerging Markets neutral zu halten sowie jene aus den USA unterzugewichten. Spreads bei Unternehmensanleihen im Investment Grade-Bereich sind mittlerweile stark zurückgegangen, eine weitere Reduktion ist kaum mehr zu erwarten. Einen Schwerpunkt lege man auf High Yield-Anleihen aus den USA sowie dem Euroland, wo neben der höheren laufenden Rendite auch noch etwas Kurspotenzial gegeben ist. Der laufende Ertrag von in Hartwährungen notierten Emerging Markets-Bonds ist weiterhin attraktiv.