Meldungen | Alternative Investments, Immobilien
26.11.2019

Immobilien und Algorithmen für das institutionelle Portfolio

Die Vorteile von Immobilien-Investments in REITs und RAIFs und der Einsatz lernender Maschinen standen im Mittelpunkt der jüngsten AIFM Federation Fachtagung in Wien.

Stefan Krausch, Portfoliomanagement MEAG

Stefan Krausch, Portfoliomanagement MEAG

Foto: Jana Madzigon

Die 13. AIFM Federation Fachtagung für institutionelle Investoren ging am 13. November im Hotel Ritz Carlton über die Bühne. Mit REITs und RAIFs wurden zwei international bewährte Investmentvehikel präsentiert, deren Einführung auch der österreichische Gesetzgeber überlegen sollte, wie der Fachverband anregt. Denn die AIFM Federation Austria erwartet, dass die Bedeutung von Immobilieninvestments im institutionellen Portfolio auch im kommenden Jahr zunehmen wird. „Steigende Immobilienquoten einhergehend mit einem stetigen Wachstum dieser Anlageklasse in unseren Nachbarländern und das hohe Transaktionsvolumen am heimischen Immo-Investmentmarkt belegen diese Tendenz“, meint ihr Generalsekretär Martin Greil. Dieser Entwicklung folgend stehen Anlagemöglichkeiten in Immobilien im Fokus der Informationsveranstaltungen der AIFM Federation Austria im vierten Quartal 2019. Der erste Teil der Fachtagung konzentrierte sich speziell auf Real Estate Investment Trusts (REITs). Stefan Krausch, Leiter Portfoliomanagement der MEAG, beschrieb seinen Zugang zum Thema: „Wir verstehen REITs als das, was sie im Kern sind - Immobilien. Und so investieren wir auch mit langfristiger Perspektive: Attraktive Objekte, aussichtsreiche Märkte, konservative Finanzierung.“ Er erklärte, wie Best-in-Class-REITs in einem strukturierten Investmentprozess selektiert werden. Bei der Auswahl spielen die Eingrenzung geeigneter Investment-Targets, die Analyse wesentlicher Werttreiber der Unternehmen unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien und die Ermittlung der Fair Values und attraktiver Einstiegsniveaus eine entscheidende Rolle. „Der große Vorteil für Investoren ist, dass sie nach denselben Strategien investieren können wie Munich Re als global führender Rückversicherer“, so Krausch.

Von der regulatorischen Seite betrachtete dann Christian Temmel, Partner bei DLA Piper Weiss-Tessbach Rechtsanwälte Wien, die REITs. Er ging auf die Geschichte der REITs deren Anfang in den USA liegt. 1960 wurde die gesetzliche Möglichkeit geschaffen, in dieser Form in große, breit diversifizierte Immobilienportfolios zu investieren. Der erste REIT „American Realty Trust“, gegründet 1961 von Thomas Broyhill, war ausschließlich im Bereich der hypothekargesicherten Immobilienfinanzierung tätig. In Europa startete diese Anlageform 1969 in den Niederlanden. In Deutschland existieren REITs erst seit 2007. In Österreich gibt es bis heute kein entsprechendes Gesetz und nur Immobilien-AGs und Immobilien-Investmentfonds als Alternative. Temmel skizzierte daher auch eine mögliche „österreichische Antwort“ auf REITs.

RAIF in Luxemburg

Stephan Grimm, Director Business Development bei LIS, beantwortet in seiner Präsentation die Frage: „Ist die Zeit ’RAIF’ für alternative Investments?“ Gemeint war der Reservierte Alternative Investments Fond (RAIF), der laut Grimm mit einer sehr raschen, zeitnahen Gründung und Auflage punktet und durch einen zugelassenen Alternativen Investmentfondsmanager (AIFM) verwaltet wird. Außerdem biete er die Möglichkeit mehrere Teilfonds bzw. Klassen aufzulegen und der Nutzung der Vermarktungsvorteile des Europäischen AIFM-Passes. „So ist der RAIF ein aktuelles Beispiel, dass der Zugriff auf die gesamte Luxemburger Investmenttoolbox mit ihrer Flexibilität und Liberalität, die große Auswahl an spezialisierten Serviceprovidern und die stabile Gesetzgebung im Einklang mit Investment- und Steuerrecht den Schritt über die Grenze lohnen“, fasste Stefan Grimm zusammen.

Im letzten Vortrag widmete sich dann Graham Robertson, Client Portfolio Manager bei Man AHL, mit „Machine Learning“ einer Zukunftstechnologie in der Finanzbranche. Kurz dachte man angesichts seiner Titel in Geophysik und Seismologie an die Aufzeichnungen eines Seismographen, als bei mehreren Folien seiner Präsentation Kurven und Balken auf dem Bildschirm oszillierten. Tatsächlich erklärte Graham Robertson damit jedoch die Arbeit seiner Algorithmen und ging der Frage nach, ob Machine Learning quantitative Techniken ersetzten oder neue Möglichkeiten eröffnen wird. „Die schnell wachsende Menge an Daten macht lernende Maschinen zunehmend unverzichtbar. Wir testen mit unseren Maschinen Hypothesen über die Märkte und überlassen dem Computer dann das Investieren“, erklärte Graham Robertson die neue Aufgabe eines Portfoliomanagers.