Meldungen | Interview, Investmentfonds
06.04.2018

"In unserem Geschäft wird es immer Beratung geben"

Wir haben Karsten-Dirk Steffens, der den Vertrieb für die DACH-Region bei Aviva Investors leitet, und Markus Bertl, verantwortlich für Deutschland & Österreich, in Wien getroffen und u.a. gefragt, was sie am heimischen Markt vorhaben.

von Thomas Müller

Karsten-Dirk Steffens, Head of Wholesale für die DACH-Region bei Aviva Investors

Karsten-Dirk Steffens, Head of Wholesale für die DACH-Region bei Aviva Investors

Foto: Aviva Investors

FONDS exklusiv: Haben Sie als Asset Manager bereits auf die sich abzeichnende Zinswende reagiert?

Karsten-Dirk Steffens: Bei Aviva Investors startet alles von der Investmentseite mit unserem "House View", der von einem 25-köpfigen Team erstellt wird, das den Markt beobachtet. Dieser ist richtungsweisend aber keine direkte Vorgabe an das Fondsmanagement. In unserer aktuellen Prognose rechnen wir mit zwei bis drei Zinserhöhungen dieses Jahr durch die Fed und durch die EZB. Die eine oder andere Anpassung wird es wohl geben, aber grundsätzlich bleiben wir bei unserer eher konservativen Ausrichtung, die gerade für einen Versicherungs-Asset-Manager ja nicht ungewöhnlich ist. Wir versuchen uns vor den Bärenmärkten zu schützen, auch wen wir dann am Bullenmarkt nicht voll partizipieren. Das zieht sich durch alle Assetklassen. Auf der Vertriebsseite ist das manchmal eine Herausforderung.

Markus Bertl: Für den Emerging Markets Equity Small Cap Fonds ist die Zinsentwicklung übrigens von untergeordneter Bedeutung. Dieser investiert in Märkte wie Sri Lanka, Mexiko, Kolumbien oder Nigeria. Das ist eine Strategie, die wir in Zukunft nach vorne bringen wollen.

Steffens: Wir vom Vertrieb gehen dabei schon auf die Strategien der Kunden ein, z.B. mit globalen Hochzinsanleihen. Hier hat unser Hauptfonds eine durchschnittliche Laufzeit von vier Jahren. Ein zweiter Publikumsfonds der vom selben Team in Chicago gemanagt wird, hat nur die Hälfte der Laufzeit, aber interessanterweise gibt man nur ein paar Basispunkte an Rendite ab. Das ist eine Möglichkeit strategisch zu reagieren.

Bertl: Diese Strategien haben auch Track Records von acht bis zehn Jahren, den EM Equity Small Cap gibt es seit 2007. Es gibt zwar sehr viele ähnliche Fonds mit guten Performances, aber eine lange Historie können nur wenig aufweisen und danach suchen die Dachfondsmanager.

Steffens: Hinzu kommt, dass die strengere Regulierung und die Transparenz-Pflichten für kleinere Häuser schwer zu stemmen sind. Das wird zu einer Kostenfrage und verschärft den Verdrängungswettbewerb.

 

FONDS exklusiv: Spüren Sie bereits die Nachfrage nach Alternativen zum Sparbuch?

Steffens: Das ist zum Teil eine Generationenfrage. Die ältere Generation ist da noch sehr verhalten und will trotz nicht vorhandener Zinsen lieber gar nichts anlegen. Da wurde von der Finanzbranche in der Vergangenheit viel Vertrauen verspielt. Das kam aber nicht von der Asset-Management-Seite sondern von den Investmentbanken. Das wird gerne alles in eine Schublade gesteckt, also alle die Anzug und Krawatte tragen. Bei der jüngeren Gerneration wird die Altersvorsorge zum Thema, da gibt es Interesse etwas zu tun und es gibt Leute bei denen es Klick gemacht hat.

Bertl: Die Bereitschaft zu investieren ist nicht da, wenn man etwas nicht versteht. Die Finanzbranche ist hier gefordert. Mit MiFID II geht man hier in die richtige Richtung, wenn es darum geht , den Kunden mehr Wissen mitzugeben. Worauf muss ich achten wenn ich einen Fonds auswähle?

FONDS exklusiv: Hat sich bei den Vertriebskosten auf dem Weg von der Fondsgesellschaft zum Privatkunden etwas getan?

Bertl: Also der Kostendruck ist auf jeden Fall da. Nicht zuletzt weil es die Konkurrenz durch die ETFs gibt.

Steffens: Die Transparenz bei den Vertriebsprovisionen ist in jedem Land etwas anders reguliert. Auch hier stimmt die Richtung, wie man in den Niederlanden oder Großbritannien gesehen hat, wo es keine Provisionen mehr gibt. Für solche Märkte haben wir provisionsfreie Anteilsklassen.

FONDS exklusiv: Wie sieht Ihr Plan für den österreichischen Markt aus?

Bertl: Wir wollen zunächst im klassischen Wholesale-Bereich präsenter werden. Es sind bereits viele Aviva-Investors-Fonds in Österreich zugelassen, aber es gibt vier, fünf Produkte, die sich unserer Meinung nach von der Konkurrenz besonders abheben und die wollen wir platzieren. Das wäre der Global High Yield, der Short Duration High Yield, der Schwellenländer-Anleihen-Fonds, der erwähnte EM Equity Small Cap und die Wandelanleihenstrategien. Also ausgesprochene Nischenprodukte.

FONDS exklusiv: Und wie komme ich als Kunde an diese Fonds?

Bertl: Wir richten uns derzeit vor allem an Dachfondsmanager, Privatbanken, Banken und Multi-Family-Offices. Beim Schritt zu den Retailkunden sind wir noch nicht. Über die Raiffeisen-Banken können aber auch interessierte Privatkunden Anteile einiger zugelassener Fonds kaufen.

FONDS exklusiv: Was sehen Sie die Zukunft des Asset Managements? Stichwort Robo-Advisors...

 

Steffen: Da habe ich eine ganz klare Meinung. Robo-Advisor, Blockchain und dergleichen werden vor allem im Retailsegment eine gewisse Bedeutung haben. Dass sich in unserem klassischen Geschäft, also mit Privatbanken und Dachfonds, jemand darauf verlassen wird, das glaube ich nicht. Vertrauen und Service-Qualität werden auch in Zukunft noch wichtig sein. Ich kann mich noch erinnern, als damals die ETFs kamen. Für sehr große Aktienmärkte zum Beispiel haben diese eine Berechtigung. In spezialisierten Märkten ist ein aktives Management eindeutig besser geeignet.