Meldungen | Marktausblick
13.07.2017

"Keine Anlageklasse ist derzeit günstig"

Die Allianz Invest setzt weiterhin auf Aktien, die nicht mehr günstig bewertet seien aber besser als Anleihen. Bei den Emerging Markets sieht man einen Aufwärtstrend.

Doris Kals, Dachfonds-Management der Allianz Invest KAG

Doris Kals, Dachfonds-Management der Allianz Invest KAG

Foto: Allianz Gruppe Österreich

Ein seltener Fall ist für die Weltwirtschaft derzeit eingetreten: Die Beschleunigung des weltweiten Wirtschaftswachstums wird derzeit von allen Regionen unterstützt, wenngleich die Dynamik etwas nachlässt. „Wie auf der Autobahn sind im Augenblick alle mit ähnlichem Tempo im Fließverkehr unterwegs, die Unfallgefahr ist dementsprechend sehr gering. Den Sicherheitsgurt sollte man aber trotzdem anlegen“, erklärte Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG, beim Quartalsausblick der Allianz Gruppe Österreich. Positiven Einfluss hatten diese makroökonomischen Entwicklungen – und auch die Politik der Zentralbanken – in den vergangenen Monaten auf die Kapitalmärkte, die eine ungewöhnlich geringe Volatilität aufwiesen. Diese sei daher auch kein Vorzeichen für eine Blase, wie zuletzt vor zehn Jahren. Vielmehr sei das ein Hinweis darauf, dass die Marktteilnehmer zufrieden mit dem synchronen Wachstum seien. „Der Aktienbullenmarkt setzt seine Fahrt auf der Überholspur fort. Ein Ende der Reise ist vorerst nicht in Sicht“, prognostizierte Ramberger. In den USA sei aber wahrscheinlich das „letzte Viertel“ bereits erreicht. Risiken sieht man bei der Allianz Invest allenfalls bei Staatsanleihen.

Überall solides Wachstum

Wirft man einen Blick auf die volkswirtschaftlichen Prognosen für das dritte Quartal, so zeigen sich global erstmals seit Jahren einheitliche Entwicklungen. Das globale Wirtschaftswachstum wird 2017 wie erwartet zulegen. In den USA sorgt der Arbeitsmarkt für eine robuste Dienstleistungs- und Konsumnachfrage. Die Erholung des Ölpreises schlägt sich auch in der Industrieproduktion nieder, Investitionen ziehen an. Die Wachstumsprognosen wurden allerdings leicht reduziert, nachdem die Trump-Regierung die hohen Erwartungen an ihre Konjunkturmaßnahmen nicht erfüllt hat. In Europa wird das Wachstum – getrieben durch den Arbeitsmarkt und Exporte – sowohl von den Industrieländern als auch der Peripherie getragen.

Die globale Geldpolitik bleibe laut Allianz Experten weiterhin expansiv, jedoch rückten die Art und der Zeitpunkt der Normalisierung der Notenbankbilanzen und damit die Rücknahme der Liquiditätsspritzen bereits in den Fokus der Anleger. „Das wird ein Hauptthema für 2018 werden“, ist Ramberger überzeugt. Zu Jahresbeginn wurde aufgrund der Zinserhöhungen allgemein ein fester US-Dollar erwartet. Die Konsensus-Positionierung, die Makroentwicklungen sowie die Reduktion der politischen Risiken in der Eurozone haben jedoch die Trendwende des Euro bewirkt.

Aktien übergewichten

„Die globale Konjunkturdynamik spricht deutlich für eine Investition in risikobehaftete Anlageklassen. Im derzeitigen Umfeld raten wir daher Anlegern, Aktien über- und Anleihen unterzugewichten“, erklärt Doris Kals, Leiterin Asset Management Dachfonds in der Allianz Invest KAG, die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal. Das liege in erster Linie an den geringen Erträgen und relativ hohen Bewertungen bei den Anleihen: „Es gibt gerade keine Anlageklasse, die wirklich günstig ist.“

Auf der Aktienseite empfiehlt die Allianz, Europa und Emerging Markets überzugewichten, Japan neutral zu halten und USA unterzugewichten. Für Aktien aus den Emerging Markets sprechen die positiven Wirtschaftsprognosen, die Bewertungen sind, relativ gesehen, eher günstig. Risikofaktoren bestehen aber weiterhin in wieder fallenden Rohstoffpreisen und den Zinserhöhungen der US-Zentralbank, die potenziell die Währungen belasten könnten. In Europa zieht das dynamische Wirtschaftswachstum die Unternehmensgewinne nach oben. Die Situation auf der Bewertungsseite ist aufgrund der langjährigen Underperformance des europäischen Aktienmarktes etwas entspannter. Politische Unsicherheiten wurden vorerst wieder ausgepreist, die anstehenden „Brexit“-Verhandlungen und Währungsentwicklungen bleiben als Unsicherheitsfaktoren bestehen. Die Vorlaufindikatoren der japanischen Wirtschaft zeigen ein erfreuliches Bild, die Inflation verharrt weiterhin um die Nulllinie. Der Gewinntrend japanischer Unternehmen hat sich fortgesetzt, wobei die starke Abhängigkeit vom Yen zu beachten ist. US-amerikanische Aktien sind nach der Trump-Rallye aus Bewertungssicht teuer, wenngleich weiterhin sehr profitabel. Die hohen Erwartungen an die US-Regierung wurden großteils wieder ausgepreist, wobei eine Steuersenkung 2018 noch im Raum steht.

Anleihen: Emerging Markets leifern noch Rendite

Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Emerging Markets überzugewichten, Unternehmens- und Euroland-Anleihen neutral zu halten sowie die USA unterzugewichten. Im Vergleich zu anderen Anleihemärkten ist der laufende Ertrag von in „Hartwährungen“ notierenden Emerging Markets-Anleihen von rund 5,4 Prozent attraktiv. Nach den Kosten für die Währungsabsicherung von etwa 3,5 Prozent bleibe dabei immer noch eine Rendite übrig. Die Spreads bei Unternehmensanleihen im Investment Grad-Bereich sind mittlerweile stark zurückgegangen, eine weitere Reduktion sei kaum mehr zu erwarten. Auch im High Yield-Bereich sind die Spreadniveaus seit Jahresbeginn weiter gefallen, weshalb es sinnvoll erscheine, Positionen langsam abzubauen und Gewinne zu realisieren. Im Euroraum ist die Inflationsrate rohstoffbedingt auf 1,4 Prozent gefallen, die Kerninflationsrate liegt weiter stabil bei 0,9 Prozent. Mit der Verlängerung des Kaufprogramms bleibt die EZB auch bis Ende 2017 als Käufer attraktiv. „Den Anstieg langfristiger Zinsen sehen wir als begrenzt“, so Kals. Mangelnder Lohnauftrieb und leicht gesunkene Inflationserwartungen ließen die 10-jährigen US-Zinsen auf 2,1 Prozent absinken. Das weiterhin bestehende erhebliche Zinsänderungsrisiko lässt US-Anleihen unattraktiv wirken. „Hinzu kommt auch hier die Währungsabsicherung, die ebenfalls rund 2 Prozent kostet. Das macht US-Treasuries derzeit für uns zum Nullsummenspiel“, sagt Kals.