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10.11.2016

Kreditvergabe durch Nichtbanken gewinnt an Bedeutung

Die Deloitte-Studie „Financing the Economy 2016“ hat das Direct Lending, die Unternehmens-Finanzierungen ohne Bankkredit oder Anleihen, unter die Lupe genommen.

Ben Trask, Partner bei Deloitte Österreich

Ben Trask, Partner bei Deloitte Österreich

Foto: Deloitte

Die Basis der Studie bilden die Ergebnisse einer quantitativen Online-Befragung von Klienten und alternative Kreditgebern. Zudem wurden qualitative Interviews mit Managern von privaten Kreditfonds geführt. Mit neuen Finanzierungsformen über Direct Lending Fonds investieren private Kreditgeber weltweit hauptsächlich in mittelständische Unternehmen (70% des Gesamtvolumens), die diese Mittel in der Regel für Expansionsmaßnahmen benötigen. 2015 haben diese spezialisierten Fonds in Europa bereits neues Kapital in Höhe von 30 Mrd. US-Dollar aufgestellt. In den USA waren es 46 Mrd. US-Dollar. In den Jahren 2012 bis 2015 ist das für neue Investitionen frei verfügbare Kapital der Direct Lending Fonds weltweit von 150 Mrd. auf über 200 Mrd. US-Dollar angewachsen. Das gesamte verwaltete Vermögen erhöhte sich von 400 Mrd. auf 500 Mrd. US-Dollar. Finanziert werden die Fonds hauptsächlich durch institutionelle Investoren, wie Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen und Staatsfonds.

Die aktuelle wirtschaftliche Situation und die starke Regulierung von Banken fördere diese Entwicklung, so die Studienautoren von Deloitte. Der bevorstehende Brexit werde das Wachstum der Branche in Europa voraussichtlich weiter beschleunigen. „Durch den Brexit und die damit verbundenen Unsicherheiten auf den Finanzmärkten sinkt die Risikobereitschaft der Banken. Für Unternehmen wird es schwieriger, an Kredite zu gelangen. Da kommen alternative Kreditgeber ins Spiel“, erklärt Ben Trask, Brexit-Experte und Partner bei Deloitte Österreich. Auch hierzulande würden alternative Finanzierungsformen an Bedeutung gewinnen.

Europa bietet derzeit die interessantesten Möglichkeiten für Direct Lending, da der US-Markt mittlerweile gesättigt ist. Neun der zehn interessantesten Märkte liegen in Europa: Großbritannien, Frankreich und Deutschland sowie Spanien führen die Liste an. Im ersten Quartal 2016 wurden in Europa über 67 Unternehmensfinanzierungen durch Direct Lending Fonds erfolgreich abgeschlossen. Direct Lending Fonds in den USA verfügen über Vermögenswerte von 372 Mrd. US-Dollar, gleich dahinter liegt Europa mit 141 Mrd. Auf den Rest der Welt verteilen sich lediglich 48 Mrd. US-Dollar.

Wachstumspotenzial in Österreich

Der österreichische Markt für Direct Lending ist noch klein, wächst aber stetig. „Größter Hemmschuh sind die Rahmenbedingungen in Österreich“, erklärt Albert Hannak, Partner bei Deloitte Österreich. „Es müssen Regulierungen geschaffen werden, die Fonds unterstützen und nicht nur restriktiv sind. Ein gutes Klima für Fonds stärkt auch unseren Wirtschaftsstandort – da können wir von Großbritannien lernen.“ Alternative Kreditgeber hätten gegenüber Banken eine Vielzahl an Vorteilen. Das seien vielseitigere Darlehensbedingungen und Flexibilität in der strukturellen Abwicklung (z.B. Rückzahlungsmodalitäten). „Außerdem können sie schnell und unbürokratisch reagieren. Bei allen Vorteilen gibt es aber auch Risiken. Alternative Kredite sind oft teurer. Daher gilt es von Fall zu Fall gut abzuwägen, welche Finanzierungsform zielführender ist und welcher Finanzierungspartner der richtige ist“, räumt der Experte ein. Eine direkte Konkurrenz zum traditionellen Bankkredit sieht Hannak nicht: „Vielmehr ergeben sich neue Möglichkeiten für Unternehmen und Banken. Für österreichische Unternehmen sind die alternativen Kreditfonds eine Bereicherung.“