Meldungen | Nachhaltigkeit
09.05.2022

Lebensmittelkrise: Ist Technologie der Ausweg?

Rahul Bhushan, Mitgründer von Rize ETF, zeigt auf, wie technologische Verbesserungen zu mehr Effizienz in der Landwirtschaft führen können.

Rahul Bushan, Rize ETF

Rahul Bushan, Rize ETF

Rize ETF

Seit geraumer Zeit stecken die Lebensmittelsysteme der Welt stecken in der Krise. Auch wenn der Ukraine-Krieg die Versorgungsprobleme jetzt noch einmal deutlich verschärft hat – die Branche ist mit hochinnovativen Technologien und Lösungen dabei, einen positiven Wandel herbeizuführen. Rahul Bhushan, Mitgründer von Rize ETF, Emittent des Rize Sustainable Future of Food ETF, gibt einen Einblick in die Umwälzungen der Landwirtschaft und verweist auf zwei fortschrittliche Unternehmen, mit denen Anleger in diesen existentiellen Sektor investieren können.

Die Weltmarktpreise für Lebensmittel befinden sich auf Rekordhoch. Gleich drei einflussreiche Organisationen – IWF, Weltbank und Vereinte Nationen – haben ihre Besorgnis über die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine für die Welternährung zum Ausdruck gebracht. Denn Russland und die Ukraine gehören zu den fünf sogenannten „Brotkörben der Welt“, die gemeinsam etwa ein Viertel der weltweiten Weizenexporte verantworten. Seit Kriegsbeginn sind die Lieferungen von Weizen und anderer Lebensmittel beeinträchtigt, teilweise gänzlich ausgeblieben. Hinzu kommt der Mangel an Düngemitteln, das Russland und die Ukraine ebenfalls in großen Mengen exportieren.

„Sieht man einmal von den aktuellen Versorgungsproblemen ab, hat die Welt jedoch bereits massiv in Technologien und Lösungen investiert, die einen langfristigen, positiven Wandel bewirken könnten. Diese Investitionen flossen nicht nur in die Entwicklung von pflanzlichen Proteinen und Inhaltsstoffen oder in Lieferketten- und Verpackungstechnologien, sondern auch in die Landwirtschaft selbst – mit dem Ziel, diese ressourceneffizienter zu machen, Land und Böden weniger zu schädigen und die Erträge zu steigern, ohne dabei den Lebensunterhalt der Landwirte zu gefährden. All diese Schritte steigern nicht nur die Nachhaltigkeit, sondern die Versorgungssicherheit der Lebensmittelsysteme.“ So beurteilt Bhushan die aktuelle Situation.

Kernsektor Landwirtschaft

Landwirte seien unverzichtbare Verwalter der natürlichen Umwelt, weil sie die regionalen Ökosysteme ihrer Gemeinden besser als jeder andere kennen, was sie zu wichtigen Akteuren auf dem Weg zur globalen Nachhaltigkeit der Ernährung mache.

„Neue und innovative Agrartechnologien müssen zwar den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen senken und die Gesundheit unserer Böden durch eine Verringerung des Wasser- und Chemikalieneinsatzes verbessern, aber sie müssen auch sicherstellen, dass Landwirte ihre Produktivität und ihre Erträge steigern können, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen oder ihre wirtschaftliche Grundlage zu gefährden“, so Bhushan. „Letztendlich muss Landwirtschaft wirtschaftlich überlebensfähig bleiben, wenn wir wollen, dass das Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit für den Lebensmittel- und Landwirtschaftssektor auf lange Sicht realisiert werden soll. Glücklicherweise bringen uns die Fortschritte in der Agrartechnologie diesem Ziel näher.“

Zwei Unternehmen weisen den Weg

Bhushan verweist auf zwei Agrartechnologie-Titel, die ihm zufolge im Bereich nachhaltiger Lebensmittel- und Landwirtschaftssysteme ausgezeichnet positioniert sind:

Die AGCO Corporation ("AGCO") ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung, der Herstellung und dem Vertrieb von fortschrittlichen Landmaschinen und landwirtschaftlicher Präzisionstechnologie. Ziel des Unternehmens ist es, die Ernte zu steigern, ohne dass diese begrenzten Vorräte von Landwirten erschöpft oder weitere Käufe (sprich: Düngemittel) getätigt werden müssen, die Gewinne schmälern könnten.

„Das hohe Verkaufsvolumen des Unternehmens, die anhaltende, robuste Nachfrage auf dem Endmarkt und die positive Preisgestaltung würden im laufenden Jahr wahrscheinlich beeindruckende Ergebnisse liefern. Daneben dürften sich die steigende Nachfrage nach Ersatz für alternde landwirtschaftliche Flotten ebenfalls positiv auswirken. AGCO investiere weiterhin in hochwertige Technologien und intelligente Landwirtschaftslösungen, um sein Produktangebot zu stärken. Kostenkontrollmaßnahmen als Reaktion auf die Materialkosteninflation werden die Margen voraussichtlich steigern“, sagt Bhushan.

Deere & Co (John Deere), weltweit größter Hersteller von landwirtschaftlichen Geräten und Technologien, plant, sein gesamtes Geschäft in eine vollwertige Agrartechnologieplattform umzuwandeln. Intelligent vernetzte Maschinen und Anwendungen sollen die Produktionssysteme in der Landwirtschaft und im Bauwesen grundlegend verändern. Bis 2026 will das Unternehmen 100 Prozent seiner neuen, kleinen Landmaschinen digital vernetzen, einen vollständig autonomen, batteriebetriebenen Elektrotraktor für die Landwirtschaft herstellen und damit 500 Millionen Hektar bewirtschaften.

„John Deere ist ideal positioniert, um von der steigenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Geräten zu profitieren, die durch die höheren Preise für Agrarrohstoffe angetrieben wird. Auch ansteigende Nachfragen aus der Bau- und Forstwirtschaft sowie Investitionen in die Präzisionslandwirtschaft werden das Wachstum fördern. Die Bemühungen zur Senkung der Betriebskosten in der Landwirtschaftsbranche dürften die Margen des US-Unternehmens ebenso verbessern“. Für 2022 erwarten Analysten ein Umsatz- und Gewinnwachstum von rund 20 Prozent, das Gewinnwachstum soll 2023 um weitere 15 Prozent steigen. Die Arbeit von Landwirten ist gefragter denn je, und mit der steigenden Nachfrage steigt auch der Bedarf an Werkzeugen und Maschinen“, weiß Bhushan.