Meldungen | Marktkommentar
27.10.2017

Mario Draghi legt weiteren Grundstein für Jahresendrally

Wer in Aktien unterinvestiert ist, steht nun bei steigenden Aktienkursen unter Druck, doch noch vor Jahresende Aktienpositionen zu kaufen, meint Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner&Reuschel

Carsten Mumm, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner&Reuschel

Foto: Donner&Reuschel

Dass die Oktober-Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi ein besonderes Ereignis werden würde, war allen Markbeobachtern klar. Schließlich sollten konkrete Erläuterungen zum weiteren geldpolitischen Kurs erfolgen. Besonders gespannt war man auf die Ausführungen zum Umgang mit dem laufenden Wertpapierkaufprogramm ab 2018. Wie zuletzt allgemein erwartet, wird die Europäische Zentralbank ab Januar das monatliche Kaufvolumen von derzeit 60 Mrd. Euro auf „nur noch“ 30 Mrd. Euro reduzieren. Frühestens ab Oktober 2018 könnte eine weitere Absenkung folgen – allerdings nur, wenn bis dahin die Erreichung des Inflationsziels von nahe aber unter 2% in Aussicht steht. Draghi betonte, dass der Abbau der mittlerweile auf über 4 Billionen Euro aufgeblähten Bilanz hingegen noch sehr lange nicht in Aussicht steht – selbst wenn Ende 2018 oder Anfang 2019 eine erste zaghafte Zinserhöhung anstehen würde.

Damit können sich die Börsen auf eine noch sehr lange Unterstützung durch die EZB verlassen. Während die US-Notenbank Fed seit kurzem sogar fällige Wertpapiere teilweise nicht neu reinvestiert, tritt die EZB also noch mindestens 15 Monate lang als Käufer am den Kapitalmärkten auf. Die Reaktion folgte prompt: der Euro fiel im Verhältnis zum US-Dollar innerhalb weniger Stunden von über 1,18 EUR/USD auf 1,165 EUR/USD. Der DAX legte im Tagesverlauf um 180 Punkte bzw. 1,4% zu und konnte sich deutlich über der Marke von 13.000 Punkten festigen. Offensichtlich wurden die Marktteilnehmer dann doch deutlich positiv überrascht. So eine Bewegung kann in den kommenden Tagen und Wochen noch weitere Anschlusskäufe nach sich ziehen. Wahrscheinlich ist, dass einige Anleger nach der fulminanten Rally ausgehend von unter 12.000 Punkten seit Ende August und vor der EZB-Sitzung erst einmal Gewinne realisiert haben. Andere dürften aufgrund der am Jahresanfang allgemein großen Verunsicherung schon lange keine ausreichende Aktienquote eingestellt haben. Je näher nun der Jahreswechsel rückt und je weiter die Aktienkurse steigen, umso größer wird bei diesen Anlegern der Druck, doch noch Aktienpositionen zu kaufen.

Viele haben auf eine zwischenzeitliche Korrektur gehofft, um günstiger einsteigen zu können. Als Indiz mag dabei die in den letzten Wochen teilweise historisch niedrige Schwankungsbreite (Volatilität) und daraus abgeleitet die Erwartung fallender Kurse bzw. einer steigenden Volatilität gedient haben. So notierte der Volatilitätsindex des DAX 30, der VDAX-New, zuletzt bei unter 12. Grundsätzlich erhöht sich damit das Potential für mögliche Kursrückschläge.

Allerdings können Phasen extrem niedriger Volatilität sehr lange andauern oder nur von kurzen Zeiträumen leicht erhöhter Schwankungen unterbrochen werden. Beispiele sind die Jahre 1995 und 1996, zwischen Anfang 2005 und Anfang 2007 sowie von September 2012 bis September 2014, in denen der DAX unter niedrigen Schwankungen immer weiter angestiegen ist. Wer aufgrund niedriger Volatilitäten am Anfang dieser Phasen vorschnell verkauft hat, musste den steigenden Kursen lange vom Seitenrand aus zuschauen. Umgekehrt deuten stark erhöhte Schwankungen hingegen zumeist auf Tiefststände an den Börsen hin. Beispiele sind März 2003, März 2009 oder auch August 2011. In allen Zeitpunkten hätte sich ein Einstieg an den Aktienmärkten gelohnt. Davon sind wir aber gerade weit entfernt – ein Problem für nicht ausreichend investierte Anleger.

Summa summarum erhöht sich damit die Chance auf einen erfreulichen Ausklang des Börsenjahres 2017. Untermauert wird dieses Bild durch weiterhin steigende Unternehmensgewinne angesichts eines hervorragenden globalen Konjunktur-Umfelds. Erst vor wenigen Tagen erhöhte der Internationale Währungsfonds IWF seine Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum auf 3,6% in 2017 und 3,7% in 2018.