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09.08.2018

Mehr als jeder zweite Österreicher ist von Sparprodukten enttäuscht

Nur rund jeder Dritte ist mit seinen Sparerträgen zufrieden, so die Ergebnisse des Income-Barometers von J.P. Morgan Asset Management. Dabei gibt es ausgeprägte regionale Unterschiede.

Christoph Bergweiler, J.P. Morgan AM

Christoph Bergweiler, J.P. Morgan AM

Foto: J.P. Morgan

Die Mehrheit der Österreicher ist nicht zufrieden damit, was ihre Ersparnisse erwirtschaften: 58 Prozent der Befragten des aktuellen Income-Barometers gaben an, sich über die Entwicklung ihrer Spar- und Versicherungsprodukte zu ärgern. Mit 30 Prozent zeigt sich kaum jeder Dritte mit der Wertentwicklung zufrieden. Zudem haben bei der Befragung 12 Prozent mit „weiß nicht“ geantwortet – ein solch hoher Wert bei einer recht eindeutigen Frage weise auf eine Verunsicherung hin, meinen die Autoren. „Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0 Prozent – mit der Folge, dass österreichische Sparer kaum noch Erträge erwirtschaften. Das sorgt natürlich für Verunsicherung und Enttäuschung. Da aber weiterhin rund zwei Drittel des österreichischen Geldvermögens in niedrig verzinsten Geldanlagen liegen, scheint die Unzufriedenheit noch nicht so hoch zu sein, dass man sein Spar- und Anlageverhalten ändert“, unterstreicht Christoph Bergweiler, Leiter Deutschland, Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie Griechenland bei J.P. Morgan Asset Management.

Für das Income-Barometer von J.P. Morgan Asset Management hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im März und April 2018 repräsentativ 1.000 Frauen und Männer aus ganz Österreich zu ihrem Spar- und Anlageverhalten, ihrer Zufriedenheit mit verschiedenen Anlageformen, ihrem Anlagehorizont, ihrer Risikobereitschaft sowie ihren Einstellungen zu und Wissen über Zinsen, Fondslösungen und regelmäßige Erträge („Income“) befragt.

Unzufriedenheit im Osten am größten

Bei weiterer Betrachtung zeigt sich, dass es ausgeprägte regionale Unterschiede bei der Zufriedenheit mit den Sparerträgen gibt: In Vorarlberg sind mit 44 Prozent die wenigsten Sparer unzufrieden. In Niederösterreich (55 Prozent), Tirol (56 Prozent) und Kärnten (57 Prozent) liegt der Anteil der Unzufriedenen immerhin noch leicht unter dem Landesdurchschnitt von 58 Prozent. Mit 59 Prozent Unzufriedenheit liegen die Sparer in Oberösterreich und Salzburg sowie der Steiermark (60 Prozent) leicht darüber. Besonders unzufrieden zeigen sich die Sparer in Wien (62 Prozent) und im Burgenland (66 Prozent). Analog sind hier die wenigsten zufriedenen Sparer zu finden: Schlusslicht sind die Sparer im Burgenland mit nur 25 Prozent Sparzufriedenheit, gefolgt von Oberösterreich (27 Prozent zufriedene Sparer), Wien (28 Prozent) und der Steiermark (29 Prozent). Die zufriedensten Sparer findet man mit 34 Prozent in Vorarlberg und mit 36 Prozent in Kärnten.

 

Ein Viertel nutzt Fonds

"Sicherlich zeigt unser Income-Barometer nur eine Momentaufnahme der Anlegerstimmung, aber es lässt sich doch nachvollziehen, dass viele Österreicher nach Jahren des Niedrigzinsumfelds erkennen, dass Sparen allein sich nicht rechnet", sagt Bergweiler. Wer der enttäuschenden Entwicklung der Spar­produkte nicht mehr tatenlos zusehen möchte, für den würden sich breit gestreute, flexibel anlegende Investmentfonds als bequeme Alternative anbieten: „Die Mischfonds bauen eine Brücke zu den höheren Ertragschancen des Kapitalmarkts, denn sie nehmen die ‚Arbeit‘ der Geldanlage ab und ermöglichen bereits mit kleinen Beiträgen ein breit gestreutes, transparentes Investment.“ Derzeit geben 26 Prozent der Befragten an, bereits Investmentfonds zu nutzen. In Aktien direkt investieren 21 Prozent, in festverzinsliche Papiere 15 Prozent. Das häufigste Argument der Österreicher gegen Wertpapiere ist mit 49 Prozent, dass sie Angst vor Schwankungen und Verlusten haben. Weitere 35 Prozent glauben, dass sie nicht genug Geld haben, um am Kapitalmarkt zu investieren. Und 31 Prozent geben an, das Thema nicht zu verstehen und deshalb lieber die Finger von Kapitalmarktinvestments zu lassen (Mehrfachantworten waren möglich). Bei einer aktuellen Umfrage der Erste Bank gaben allerdings mehr als ein Viertel der Befragten an, dass sie sich für die Zinspoltik gar nicht interessieren.