Meldungen | Marktanalyse
20.12.2017

Millenials als Motor für die Schwellenländern

Die zwischen 1980 und 2000 geborenen Menschen werden ein zunehmend wichtiger Faktor in den Emerging Markets, analysieren Laurent Saltiel und Sergey Davalchenko, Portfoliomanager bei AllianceBernstein, in ihrem Blog. Wenn man die Konsumprioritäten der sogenannten Millennials begreift, eröffnen sich Anlagechancen in vielen Sektoren.

Laurent Saltiel, Portfoliomanager AB

Laurent Saltiel, Portfoliomanager AB

Foto: AB

In den Wachstumsländern Asiens läuft der „Jahrtausender“-Motor auf Hochtouren. Diese Generation macht dort einen größeren Bevölkerungsanteil aus , und sie sind auch relativ wohlhabender als ihre Altersgenossen in den Industrieländern. Da sie oft auch besser ausgebildet sind als ihre Eltern, verfügen sie auch über bessere Jobaussichten. Und die asiatischen „Jahrtausender“ haben ganz andere Gewohnheiten und Geschmäcker als vorherige Generationen. Diejenigen Unternehmen, die sich auf diese Generation einstellen, haben unserer Ansicht nach dauerhaftere Wachstumsaussichten.

China ist wegweisend

China verdient besondere Aufmerksamkeit. Mit 415 Millionen „Jahrtausendern“ und einem relativ hohen Pro-Kopf-Einkommen ist die Kaufkraft der jungen Generation in China viel höher als in anderen Schwellenländern. In China rechnet man laut einem Bericht von Goldman Sachs für 35% der in den 1990er-Jahren Geborenen mit einem Hochschulabschluss, verglichen mit nur 4 % für ihre Eltern. Da 70 % der chinesischen „Jahrtausender“ bereits Hauseigentümer sind, verfügen sie über ein höheres frei verfügbares Einkommen als junge Amerikaner, welche meist mit hohen Schulden aus Studentendarlehen belastet sind. Es dürfte daher kaum überraschen, dass die Zukunftsaussichten von den EM-„Jahrtausendern“ optimistischer eingeschätzt werden als von ihren westlichen Altersgenossen.

Private Bildung boomt

Bildung genießt höchste Priorität. Aufgrund von kulturellen Gepflogenheiten in Asien geben Eltern dort einen außerordentlich hohen Einkommensanteil für Bildung aus. China sticht aus mehreren Gründen heraus. Erstens sind Familien infolge der Ein-Kind-Politik oft bereit, alles finanziell Mögliche für den Erfolg ihres Kindes zu tun. Zweitens ist die Anzahl hochwertiger Universitäten begrenzt. Drittens sind die älteren „Jahrtausender“, die bereits die Vorteile einer besseren Bildung genießen, ebenfalls motiviert, massiv in die Zukunft ihres Kindes zu investieren. Private Unternehmen füllen zunehmend die Lücken, die das öffentliche Schulsystem Chinas offenlässt. Nur ein Beispiel: Die New Oriental Education & Technology Group, eine bestens bekannte Nachhilfeorganisation für Schüler in China. Viele „Jahrtausender“ schicken ihre kleinen Kinder in New Orientals Früherziehungsklassen. Später dann nehmen diese Kinder die Nachhilfeprogramme des Unternehmens in Anspruch, um die sehr selektiven Zulassungstests zu bestehen, die Voraussetzung für den Besuch von Chinas besten Universitäten sind.

Reisefieber steigt

Neben Bildung begeistern sich chinesische „Jahrtausender“ auch für Reisen. Im Jahr 2016 machten 18–34-jährige Chinesen insgesamt 82 Millionen Auslandsreisen, das entspricht einem Anteil von 60% Ausgaben von 150 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Amerikaner aller Altersgruppen machten im vergangenen Jahr nur 75 Millionen Auslandsreisen. Da immer mehr junge Chinesen ins Berufsleben starten, rechnen wir für die kommenden fünf Jahre mit einem doppelt so hohen Wachstum des Auslandstourismus aus China im Vergleich mit dem Rest der Welt.

Die Reisevorlieben junger Chinesen ähneln zudem eher jenen der westlichen Jugend. So planen etwa mehr als 70% der chinesischen „Jahrtausender“ ihre Reisen online. Immer mehr bevorzugen sie dabei ausgefallene Events wie das Beobachten des Polarlichts in Finnland anstatt von Standardzielen wie Paris oder Tokio. Während ältere Chinesen einen guten Teil ihres Reisebudgets für Luxusgüter wie Louis-Vuitton-Handtaschen ausgeben, kitzeln die chinesischen „Jahrtausender“ den Neid ihrer Freunde heraus, indem sie ihre Reiseerfahrungen auf Social-Media-Plattformen wie WeChat oder Weibo teilen. Chinas führendes Online-Reiseportal Ctrip.com beispielsweise bietet alles für die Reise aus einer Hand, von Flug- und Hotelbuchung bis zu Pauschalreisen, Ausflügen und Geschäftsreisen. Das Unternehmen investiert zusätzlich in Reiseführer und alternative Unterkünfte (wie TripAdvisor und Airbnb).

Die „Jahrtausender“-Trends variieren von Land zu Land. In Indien etwa gewinnen Banken wie HDFC Marktanteile, indem sie Online-Banking-Apps kreieren, die zum Lebensstil der „Jahrtausender“-Kunden passen. In Vietnam bedienen Einkaufszentrumsbetreiber wie Vincom Retail die Nachfrage der „Jahrtausender“ nach modernen Ladengeschäften anstelle von Flussmärkten und Tante-Emma-Läden sowie ihren Durst nach internationalen Marken und Veranstaltungszentren.

Für Anleger ist der „Jahrtausender“-Boom eine attraktive Chance. Um sie zu nutzen, ist jedoch eine langfristige Perspektive für kulturelle Nuancen und Verbrauchervorlieben der einzelnen Märkte nötig. Indem man den Fokus auf die dynamischen Bedürfnisse junger Menschen legt, glauben wir, dass Anleger Unternehmen entdecken können, die von wirklich langfristigen demografischen Trends profitieren.