Meldungen | Nachhaltige Investments
07.06.2018

Nachhaltiger Anlagemarkt in Österreich erreicht neues Rekordvolumen

Laut dem Marktbericht 2018 des Forums Nachhaltige Geldanlagen legten die einschlägigen Investmentfonds um 18 Prozent zu. Fonds und Mandate zusammen haben damit in Österreich einen Marktanteil von 8,3 Prozent.

Wolfgang Pinner, FNG Österreich

Wolfgang Pinner, FNG Österreich

Foto: RCM

Mit einem Anlagevolumen von rund 15,2 Milliarden Euro hat die Summe Nachhaltiger Geldanlagen in Österreich einen neuen Rekordwert erreicht. Gegenüber dem Vorjahr wuchs das unter Berücksichtigung von strengen sozialen, ökologischen und auf eine gute Unternehmensführung bezogene Kriterien angelegte Vermögen um 16 Prozent. Insgesamt wurden Ende 2017 in Österreich rund 39 Milliarden Euro unter Nutzung von Nachhaltigkeitsstrategien und -kriterien verwaltet. Dies sind die Kernergebnisse des Marktberichts 2018 für Österreich, den das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in Wien vorgestellt. Die Daten für Deutschland wurden zeitglich in Berlin präsentiert.

Im Zuge einer Harmonisierung der Erhebungsmethodik mit europäischen Standards unterscheidet der aktuelle Marktbericht erstmals zwischen Nachhaltigen Geldanlagen und verantwortlichem Investieren. Während bei Nachhaltigen Geldanlagen entsprechende Anlagestrategien und -kriterien auf Produktebene definiert und festgelegt werden, also beispielsweise für Nachhaltigkeitsfonds, werden beim verantwortlichen Investieren nachhaltige Anlagestrategien auf alle Anlagen angewendet und auf Ebene des jeweiligen Instituts, etwa eines Vermögensverwalters, verankert. Ziel sei es die unterschiedlichen Ansätze besser zu erfassen und dem neuen Aktionsplan der EU-Kommission Rechnung zu tragen, heißt es im Bericht.

Zuflüsse in den nachhaltigen Anlagemarkt

Entsprechend dieser neuen Systematik lag das Gesamtvolumen verantwortlichen Investierens per Ende 2017 bei 39 Milliarden Euro. Gut 15,2 Milliarden Euro werden aufgrund ihres umfassenden Nachhaltigkeitsansatzes den Nachhaltigen Geldanlagen zugeordnet. Unter den Nachhaltigen Geldanlagen konnten 2017 insbesondere die nachhaltigen Investmentfonds kräftig zulegen. Ihr Volumen stieg um 18 Prozent auf nunmehr rund 8,3 Milliarden Euro. Auch die nachhaltigen Mandate erreichten mit einem Gesamtvolumen von 6,3 Milliarden Euro (+14%) einen neuen Höchststand. Die Nettozuflüsse beliefen sich im Jahr 2017 auf knapp 1,7 Milliarden Euro und sind damit für den weit überwiegenden Teil des Wachstums verantwortlich. Die nachhaltigen Investmentfonds und Mandate haben damit in Österreich einen Marktanteil von 8,3 Prozent. „Der österreichische Markt ist weiter auf dem Wachstumspfad und führt mit seinem Marktanteil Nachhaltiger Geldanlagen die deutschsprachigen Länder an“, konstatiert Wolfgang Pinner, Leiter des FNG in Österreich und Leiter der Abteilung Sustainable & Responsible Investments bei Raiffeisen Capital Management. „Die Offenheit der österreichischen Marktakteure für Transparenz, Standards und Zertifizierungen zeigen so Wirkung.“ Beispielhaft stehen dafür die Vorsorgekassen die mit 68 Prozent, die mit großem Abstand wichtigsten institutionellen Investoren sind.

Ausschlüsse wieder wichtigste nachhaltige Anlagestrategie

Mit einem Anlagevolumen von rund 14,4 Milliarden Euro sind Ausschlüsse bei nachhaltigen Investmentfonds und Mandaten die am weitesten verbreitete nachhaltige Anlagestrategie, knapp gefolgt vom Best-in-Class-Ansatz (14,0 Milliarden Euro). Auf den weiteren Rängen folgen das normbasierte Screening (9,9 Milliarden Euro) und der direkte Dialog mit den Unternehmen, das Engagement (8,7 Milliarden Euro). Unter den Ausschlusskriterien für Unternehmen kommen der Kernenergie sowie Waffen und Rüstungsgütern eine besondere Bedeutung zu, wichtigste Ausschlusskriterien bei Staaten sind die Anwendung der Todesstrafe und die Einschränkung von Bürger- und Menschenrechten in Diktaturen. Das Thema Steuervermeidung kommt in diesem Ranking nicht explizit als Ausschlusskriterium vor, aber fließe in die Detailanalysen der ESG-Research-Anbieter ein, so Pinner.

Wachstumsimpulse durch EU-Aktionsplan erwartet

Für das laufende Jahr erwartet die Mehrheit der befragten Experten ein Wachstum des nachhaltigen Anlagemarktes von bis zu 30 Prozent. Wichtige Wachstumsimpulse gehen dabei nach ihrer Einschätzung von der Nachfrage institutioneller Investoren und der Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen aus. Hier kommen nach Einschätzung des FNG dem EU-Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ eine besondere Bedeutung zu. „Neu ist die Verbindung des Aktionsplans mit dem bereits früher veröffentlichten Capital Markets Union Action Plan“, kommentierte Wolfgang Pinner bereits zur Veröffentlichung des Aktionsplans im Mai. Eine neue Klassifizierung werde wohl erst frühestens 2022 finalisiert sein. „Außerdem wird in diesem Zusammenhang eigentlich nur „environmentally-sustainable“ betont, also der Umwelt-Teil der Nachhaltigkeit, sozusagen das „E“ von ESG. Bei den Impact-Benchmarks werden neu zwei Typen ins Treffen geführt, eine 'low-carbon benchmark' und eine noch weitergehende 'positive-carbon impact benchmark', erklärt Pinner. Bei ersterer geht es um Investments mit möglichst gutem Fussabdruck – auch gegenübeer einer gängigen Benchmark, bei der zweiten um Investements mit einem wirklich positiven Fussabdruck. Das scheine aktuell noch nicht abbildbar zu sein, wäre aber mit dem 1,5 oder 2 Grad Ziel des Pariser Klimaabkommens kompatibel, so der Experte.