Meldungen | Marktkommentar
07.08.2012

„Negative reale Anleiherenditen sprechen für Aktien-Anlagen“

Markus Kaiser und Christian Schuster von Veritas Investment analysieren die Entwicklung an den Rentenmärkten und skizzieren zwei mögliche Szenarien.

Markus Kaiser, Geschäftsführer und CIO von Veritas Investments

Markus Kaiser, Geschäftsführer und CIO von Veritas Investments

Veritas

Hohe Volatilität auf der einen, negative inflationsbereinigte Erträge auf der anderen Seite – die Euro-Schuldenkrise und die globale Wachstumsschwäche erschweren die Renditesuche in allen Anlageklassen. Um in einem anhaltend volatilen Marktumfeld die richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu erwischen, sollten Anleger auf flexible, vorausschauende Investmentlösungen setzen.

 

Aktuell stehen insbesondere konservative Anleger vor einem Problem: Einstmals sichere Anleihen – vor allem Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer – sind nicht mehr sicher, die sichersten Anleihen wie beispielsweise deutsche Staatsanleihen und Geldmarktinstrumente aber nicht mehr ausreichend verzinst, um ihre inflationsbedingten Kaufkraftverluste zu kompensieren. Die sichersten Kernländeranleihen rentieren schon jetzt nahe der Nulllinie. Falls die Zinsen dauerhaft zu steigen beginnen sollten, drohen zudem Kursverluste. An die Stelle risikoloser Renditen treten nun Risiken ohne wirkliche Renditechancen. Das Szenario der „finanziellen Repression“ – des „Auspressens“ der Anleihesparer, die bei Staatsanleihen bester Bonität nach Abzug der Inflation Verluste erleiden und den Staaten damit ungewollt bei der Entschuldung helfen – gewinnt an Bedeutung.

 

Vor diesem Hintergrund sehen wir zwei mögliche Szenarien für die Rentenmärkte: Wenn sich die Lage in der Eurozone stabilisiert und die Flucht in vermeintlich sichere Anleihen abebbt, könne sich die seit nunmehr vielen Monaten anhaltende Rallye der Anlageklasse umkehren. Genauso könne es aber sein, dass sich die Marktstruktur in den vergangenen Jahren tatsächlich grundlegend verändert hat. Für das zweite Szenario sprechen mindestens zwei Gründe: Zum einen werden Bilanzierungsvorgaben und Eigenkapitalvorschriften wie Basel III neue Anreize für den Kauf von Anleihen, insbesondere Staatsanleihen, gegenüber anderen Anlageklassen schaffen. Damit finden Staaten verlässliche Abnehmer für ihre Finanzierungspapiere. Außerdem könnten institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Versicherungen nach der hohen Volatilität der Aktienmärkte in den letzten zehn Jahren mit zwei großen Verlustphasen nicht mehr so viel Kapital in Aktien investieren wie in früheren Jahren. Auch davon dürften die Rentenmärkte profitieren.

 

Durch den Ansturm auf vermeintlich sichere Anlageklassen hat sich der Abstand zwischen Dividendenrenditen und Anleiherenditen vergrößert. Damit spricht viel für Aktienanlagen. Aber auch an den Aktienmärkten bleibt die Renditesuche schwierig. Die Volatilität dauert an, und aller Erfahrung nach können sich Ungleichgewichte am Markt lange halten. Damit laufen Anleger auch hier Gefahr, nicht den richtigen Einstiegszeitpunkt zu erwischen. Gefragt sind in diesem Umfeld vor allem flexible Anlagelösungen mit einer aktiven Steuerung des Investitionsgrads, die auf die Vermeidung heftiger Rückschläge durch längere Verlustphasen zielen.