Meldungen | Marktausblick
11.01.2018

Noch keine Sorgen für 2018

In ihrem Quartalsausblick sieht die Allianz Invest weiterhin die positiven Wirtschafts-Faktoren am Werk wie schon 2017. Unterbewertet könnten die Aktien der Emerging Markets und von Japan sein.

Doris Kals, Leiterin Multi Asset Management der Allianz Invest

Doris Kals, Leiterin Multi Asset Management der Allianz Invest

Foto: Allianz Gruppe Österreich

Nach einem Jahr der Rekordjagden mit zum Teil neuen Höchstständen an den internationalen Börsen und einer starken wirtschaftlichen Entwicklung befindet sich die Welt in einer ähnlichen Ausgangslage wie zu Beginn 2017. „An den Aktienmärkten in den USA und in Deutschland erleben wir aktuell den längsten Bullenmarkt seit fünfzig Jahren“, so Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest Kapitalanlagegesellschaft beim Ausblick der Allianz für das 1. Quartal. „Ob es zu einer Ruhepause kommt oder es weitere Gipfelstürme gibt – Fakt ist jedenfalls: Die Luft für neue Rekorde wird dünner.“ Zu den Risiken würden neben der Politik der Notenbanken auch weiterhin bestehende politische Entwicklungen sowie die – relativ gesehen – hohen Bewertungen aller Märkte zählen.

Weiterhin positiver Wachstums- und Inflationsausblick

Wie ein Blick auf die volkswirtschaftlichen Prognosen zeigt, sollte die Weltwirtschaft im heurigen Jahr unverändert stark wie 2017 wachsen: Unterstützt werde dieses Wachstum zum einen durch eine von allen Regionen getragene Konjunkturdynamik sowie durch Investitionen. Der Konjunkturzyklus in den USA ist weit fortgeschritten, bleibe aber solide. Sowohl die starke Entwicklung am Arbeitsmarkt als auch die geplante Steuersenkung der Trump-Regierung werden hier weiter unterstützend wirken. Das Wachstum in der Eurozone hat sich 2017 verfestigt und dürfte auch 2018 bei über 2 Prozent liegen. „Geldpolitisch befinden wir uns auf dem Pfad der langsamen, aber stetigen Normalisierung“, kommentiert Ramberger. So erwarten die Allianz-Analysten, dass die Notenbank-Bilanzen in Summe weiter ansteigen und die monatlichen Anleihenkäufe der EZB zu Jahresende auslaufen werden. Im Hinblick auf die Leitzinsen dürfte es in den USA zu weiteren Anhebungen kommen, während sowohl die Bank of Japan als auch die EZB ihre Leitzinsen unverändert lassen werden.

Chancen für Anleger: Aktien vor Anleihen

Die Aktienmärkte legen weltweit zu – vor allem in den USA und in Deutschland: So befinden sich der S&P 500 und der DAX aktuell im jeweils längsten Bullenmarkt der letzten fünfzig Jahre. Während allerdings in den USA das Ausmaß der Kurssteigerung (ohne Dividenden) auf einem absoluten Höchststand ist, erzielten die letzten drei Bullenmärkte im DAX (inkl. Dividenden) eine höhere Performance als der heutige. „Auch wenn risikoreiche Asset-Klassen teilweise bereits hoch bewertet sind – im derzeitigen dynamischen konjunkturellen Umfeld raten wir den Anlegern, Aktien gegenüber Anleihen überzugewichten“, erklärte Doris Kals, Leiterin Multi Asset Management der Allianz Invest KAG, die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal.

Auf der Aktienseite empfiehlt die Allianz, Emerging Markets und Japan überzugewichten, USA und Europa (bei Übergewichtung der Eurozone) neutral zu halten. Die japanische Wirtschaft verzeichnet seit acht Quartalen ein positives Wachstum, und auch die Inflationszahlen können sich seit über einem Jahr mit positiven Vorzeichen behaupten. Die expansive Geldpolitik schwächt den Yen, was die Unternehmensgewinne und den Aktienmarkt unterstützt. Die ebenfalls solide konjunkturelle Entwicklung in den Emerging Markets sollte auch 2018 die Unternehmensgewinne ansteigen lassen; Ängste vor einer erheblichen Wirtschaftsabschwächung Chinas haben sich verflüchtigt. „Die Bewertungen der EM-Aktien im Vergleich zu den Industrieländern sind historisch weiterhin attraktiv“, so Kals. Investitionen belegen eine deutliche Zunahme der Dynamik. Der historisch teuer bewertete amerikanische Aktienmarkt hat hoch profitable Unternehmen mit einem erwarteten Gewinnwachstum von über 11 Prozent im Jahr 2018. Die Gewinne waren zuletzt gestützt durch die Abschwächung des US-Dollar. Europäische Unternehmen profitieren von der globalen Wachstumsbelebung und haben im Vergleich zu US-Unternehmen noch wesentliches Aufholpotenzial im Hinblick auf Profitabilität. Die Bewertungen sind im Vergleich zu US-Aktien deutlich günstiger. Nachteilig für europäische Unternehmen war die starke Entwicklung im Euro, die „Brexit“-Entscheidung habe mittlerweile beachtliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Anleihen aus den Emerging Markets überzugewichten, Unternehmensanleihen und Euroland-Anleihen neutral zu halten sowie jene aus den USA unterzugewichten. Für Emerging Markets spreche der weiterhin attraktive laufende Ertrag von in „Hartwährungen“ notierenden EM-Anleihen. Außerdem lässt das gute konjunkturelle Bild vieler Emerging Markets die Unternehmensgewinne weiter steigen. Während der höhere Renditepuffer und die guten Fundamentaldaten weiterhin eine Veranlagung in Unternehmensanleihen rechtfertigen, gilt es, die Entwicklung bei High Yield-Anleihen genau zu beobachten. Ein kurzfristiger deutlicher Anstieg der Euroland-Renditen, die sich in den letzten Monaten kaum bewegt haben, scheint unwahrscheinlich, dafür ist der laufende Ertrag von Core-Staatsanleihen äußerst gering. Etwas mehr Potenzial bieten Peripherieanleihen, wobei hier das politische Risiko beachtet werden muss. Die 10-jährigen US-Zinsen verharren seit einiger Zeit in einem relativ engen Band und liegen aktuell bei 2,5 Prozent. Die Anhebung der Zinsen durch die US-Notenbank auf 1,5 Prozent sowie die für 2018 geplanten drei weiteren Zinserhöhungen haben allerdings zu einer deutlichen Verflachung der Kurve geführt.