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16.11.2011

Österreichische Anleger scheuen Risiken und entfernte Investmentziele

Laut einer Anlegerumfrage von Schroders sind die Österreicher zwar an ausländischen Märkten interessiert, aber im konkreten Handeln spiegelt sich das noch nicht wider. 72% sind im Inland investiert, immerhin 45% in Europa.

Eine aktuelle Studie des britischen Vermögensverwalters Schroders zeigt, dass österreichische Investoren die internationale Diversifikation zwar weiterhin vernachlässigen, aber gleichzeitig Österreich als alleiniger Anlagehafen etwas an Wichtigkeit verliert. Wie das gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erstellte zweite Schroders Investmentbarometer ergab, steht das eigene Land bei den Österreichern nach wie vor ganz oben auf der Liste der Anlageziele. Allerdings mit stark abnehmender Tendenz: Nur noch knapp 72% der im September 2011 befragten 500 Haushalte in Österreich sind im Heimatland investiert. Das ist ein Rückgang von über 13% gegenüber dem Vorjahr. Dass sich daran für die Zukunft nichts ändert, zeigt, dass nach wie vor 76% der Befragten über die kommenden 24 Monate beabsichtigen ganz sicher in Österreich zu investieren.

 

Dennoch zeigt die Studie, dass das Vertrauen in Länder außerhalb Österreichs wächst. China kristallisiert sich immer stärker als ökonomische Supermacht von Morgen heraus. Mittlerweile glauben knapp 74% an das Reich der Mitte. Damit liegt das österreichische Umfrageergebnis sogar um 20% höher als das unter deutschen Privatanlegern. Auch die Aufgeschlossenheit an diese ökonomische Vormachtsstellung zu glauben und dort zu investieren, ist unter den österreichischen Anlegern weiter verbreitet als unter deutschen Privatinvestoren: 48% derjenigen, die an China glauben, halten es auch für sinnvoll dort innerhalb der nächsten 24 Monate zu investieren (gegenüber 40% der deutschen Privatanleger). Trotz Eurokrise glaubt etwa jeder fünfte österreichische Studienteilnehmer (19%), dass sich Deutschland zur ökonomischen Supermacht von Morgen entwickeln könnte. In Deutschland sprechen dies nur etwa fünf Prozent dem eigenen Land zu.

 

Trotz der jüngsten Probleme in der Eurozone ist im Moment knapp die Hälfte der österreichischen Anleger überwiegend in Europa investiert (45%). Obwohl 67% der Befragten das größte Risiko in Griechenland und der Eurozonen-Problematik begründet sehen, beabsichtigen nach wie vor 39% in den nächsten 24 Monaten in Europa außerhalb Österreichs anzulegen. Und das obwohl sogar fast ein Drittel (27%) derzeit Europa das höchste Regionenrisiko für Investitionen überhaupt zuschreibt. Damit steht Europa in der Einschätzung der Befragten fast auf einer Risiko-Stufe mit Lateinamerika.

 

„Die aktuelle Studie bestätigt, was schon im letzten Jahr in Österreich, aber auch bei unseren Studienergebnissen in Deutschland zutage kam: Privatanleger sind sich der Gefahren an den Kapitalmärkten zwar bewusst, lassen sich aber eher verunsichern, als die korrekten Konsequenzen zu ziehen,“ erläutert Joachim Nareike, Leiter Publikumsfonds bei Schroder Investment Management, „da 63% der österreichischen Privatanleger davon ausgehen, dass es risikoreicher ist international anzulegen als nur im eigenen Land, bleibt die eigentlich notwendige breite Diversifikation zur Risikostreuung natürlich aus.“

 

Vielen Anlegern fehlt oft der Mut für Auslandsinvestitionen. Als Hauptgrund nennen knapp zwei Drittel der Befragten, dass sie das zu hoch empfundene Risiko scheuen. Knapp 56% der Umfrageteilnehmer hält ihre Unwissenheit über entfernte Anlageziele von einer Investition im Ausland ab. Mit einem Anstieg von 24% auf mittlerweile 47% ist die Angst vor einer Rezession im jeweiligen Land unter den Anlegern extrem gewachsen. Gestiegen ist auch die Anzahl derjenigen, denen noch nie eine internationale Kapitalanlage von einem Berater angeboten wurde (2011: 19% versus 2010: 15%).

 

Die Kombination aus Angst, Unwissenheit und daraus entstehender Unsicherheit verleitet über die Hälfte der Anleger in Passivität zu verfallen. 52% der Befragten kaufen oder verkaufen ihre Kapitalanlagen selten oder nie. Außerdem gaben 40% der Studienteilnehmer an, dass sie weniger als noch vor einem Jahr investieren. Auch in dieser Hinsicht hat sich ein negativer Trend herausgebildet. Das mangelnde Bewusstsein für Diversifikation zeigt sich auch in der Anzahl der Anlageklassen, die Einzug in ein Portfolio erhalten: Nur knapp 24% der Befragten investieren neben Wohneigentum in mehr als zwei Anlageklassen.

 

Die USA wird, wie auch die Umfrage in Deutschland gezeigt hat, mittlerweile von 45% der Studienteilnehmer als höchstes Investitionsrisiko wahrgenommen – ein enormer Anstieg von 19% im Vergleich zu vergangenem Jahr. Der Grund hierfür dürfte hauptsächlich in der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch Standard & Poor’s liegen.

 

„Gerade in turbulenten Zeiten mit volatilen Märkten sollten sich Investoren durch regelmäßige Anlage gleichbleibender Beträge des „Cost-Average-Effekts“ bedienen. Außerdem sollten sie die Vorteile und Risikominimierung durch Diversifikation nutzen und die Expertise erfahrener Fondsmanager in Anspruch nehmen“, so Joachim Nareike.