Meldungen | Venture Capital
09.08.2018

Österreichischer Crowdinvesting-Markt wächst weiter schnell

Laut einer Analyse des Vergleichsportals CrowdCircus.com konnten die Crowdinvesting-Plattformen im 1. Halbjahr 2018 fast 17 Millionen Euro finanzieren. Das sind knapp zwei Drittel des Vorjahresvolumens.

Rendering von "No10"

Rendering von "No10"

Foto: JP Immobilien

Während Crowdfunding in den meisten Ländern vor allem zur Finanzierung gemeinnütziger Projekte (sogenanntes „Crowddonating“) oder zur Realisierung von mehr oder weniger innovativen Prototypen eingesetzt werden, finden Schwarmfinanzierungslösungen in Österreich beinahe ausschließlich in Form des Rendite-fokussierten Crowdinvestings praktische Berücksichtigung. In der Hoffnung auf Kapitalrückzahlung und vergleichsweise hohe Zinszahlungen beteiligen sich Investoren hierbei üblicherweise im Rahmen von Nachrangdarlehen an Projekten verschiedenster Art. Allein im ersten Halbjahr 2018 konnten Projekte dieser Art laut der neuesten CrowdCircus.com-Markstatistik österreichweit mehr als 16,75 Millionen Euro einsammeln. Dabei standen Interessenten insgesamt 74 Crowdinvesting-Projekte zur Verfügung, die von einer burgenländischen Wasabi-Indoor-Farm bis zum Luxus-Apartmenthaus im ersten Wiener Gemeindebezirk reichen. Im Durchschnitt konnte eine Crowdinvesting-Kampagne in Österreich 2018 ein Volumen von rund 230.000 Euro über den Schwarm finanzieren und stellte dafür Zinszahlungen von durchschnittlich 5,9% p.a. in Aussicht. Die Investorenzuflüsse nach Branchen zeigen eine unverändert hohe Nachfrage nach Crowdinvesting-Projekten aus dem Immobilien-Bereich. 40 Projekte sowie 72,30% des Gesamtmarktvolumens gehörten im laufenden Jahr bislang zu diesem Segment.

Immo-Projekt auf Platz 1

Das mit Abstand größte Crowdinvesting-Vorhaben konnte mit einem Projektvolumen von 1,5 Millionen Euro bislang von der auf Immobilien spezialisierten Plattform „Rendity“ abgewickelt werden. Beim Projekt "No10" in der Renngasse 10 handelte es sich um die Finanzierung eines von J.P. Immobilien realisierten Luxusneubaus in der Wiener Innenstadt. Auf dem zweiten Platz folgt die von der Plattform „Conda“ durchgeführte Kampagne Greenstorm – das E-Bike-Verleih-Projekt konnte zwar gesamt ebenfalls mehr 1,21 Millionen Euro über den Schwarm einsammeln – davon aber nur 700.000 Euro im Jahr 2018. Den dritten Platz belegt mit Swimsol ein Crowdinvesting-Projekt der Greenrocket-Plattform.

Insgesamt neun unterschiedliche österreichische Crowdinvesting-Plattformen waren laut CrowdCircus.com in der ersten Hälfte von 2018 mit Projekten aktiv am Markt präsent. Der aktuelle Marktführer dagobertinvest fällt zwar nicht durch Projekte mit Rekordvolumen auf, konnte dafür aber die höchste Anzahl an erfolgreich abgewickelten Kampagnen im mittleren Volumenbereich vorweisen. 16 Projekte konnte die auf Immobilien-Crowdinvesting spezialisierte Plattform 2018 bislang abwickeln – die Gesamtsumme von 5,09 Millionen Euro entspricht einem Marktanteil von etwas mehr als 30%. Weniger erfolgreich ist das erste Halbjahr bei den österreichischen Vorreitern von Conda verlaufen: Bereits seit bald einem Jahr beschäftigt sich die Unternehmensleitung schwerpunktmäßig mit der Entwicklung eines CRWD-Tokens („Initial Coin Offering“), der Crowdinvestments über die Blockchain revolutionieren soll. Der veränderte Fokus ist bei der Entwicklung des konventionellen Geschäfts klar zu erkennen: Mit 1,57 Millionen Euro war Conda im ersten Halbjahr für nur 9,4% des Marktvolumens verantwortlich – darüber hinaus musste mit der Insolvenz des Low-Carb-Bierproduzenten "Nixe Bier" ein prominenter Ausfall im Conda-Portfolio verzeichnet werden.