„Optimistische Aussichten für Emerging Markets trotz schwachen Weltwirtschaftswachstums“
Die These von der Entkopplung von den Industrieländern hält CEO Vincent Strauss dennoch für einen Mythos.

Vincent Strauss, CEO Comgest
Die Fondsboutique Comgest erwartet, dass die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren nur schwach wachsen wird. „Für die Emerging Markets prognostizieren wir jedoch überdurchschnittliche Wachstumsraten. Die Ursachen dafür sind strukturell bedingt, etwa durch Bevölkerungswachstum und verbesserte Produktivität“, erklärte Vincent Strauss, Chief Executive Officer von Comgest bei einer Pressekonferenz in Paris.
Allerdings könnten die Emerging Markets kurzfristig unter dem Einfluss der schwachen Entwicklung in den Industrieländern an Dynamik verlieren. „Die vielfach zitierte Entkopplung ist ein Mythos. Zu viele Emerging Markets hängen stark von Exporten in die Industrieländer und den Kapitalzuflüssen aus diesen Ländern ab“, gibt Strauss zu bedenken. Zudem kommen die Anleger in Emerging Markets vorrangig aus den Industrienationen und nicht aus den Emerging Markets selbst. Waren westliche Investoren Anfang 2011 noch optimistisch bezüglich der Aussichten für Anlagen in Emerging Markets, ist seit Sommer 2011 eine sinkende Risikobereitschaft zu verzeichnen. Dies belegen laut EPFR Global unter anderem erhebliche Abflüsse aus Emerging Markets-Fonds im zweiten Halbjahr 2011 (48,2 Mrd. US-Dollar nach Zuflüssen in Höhe von 95,8 Mrd. US-Dollar in Offshore-Fonds im Vorjahr). Ein weiterer abschwächender Faktor ist die europäische Bankenkrise. Sie hat die Anleger dazu getrieben, ihr Geld auf Kosten von Aktien und Anleihen der Emerging Markets in Yen und US-Dollar anzulegen.
Währungsgewinne
Gewinnerwartungen und Bewertungen der Emerging Markets haben jedoch wieder ein attraktives Niveau erreicht. Comgest erwartet bei Unternehmen aus Emerging Markets für 2012/2013 im Schnitt ein jährliches Wachstum des Gewinns pro Aktie in Höhe von 12%. Nachdem darüber hinaus die Wechselkurse für Währungen aus Emerging Markets im August 2011 deutlich gefallen sind, sieht Comgest nun in der Aufwertung gegenüber den meisten Industrienationen-Währungen eine besonders attraktive Chance; eine Ausnahme bildet lediglich Osteuropa.
Céline Piquemal, Lead-Managerin der Global Equity-Strategie bei Cogest, wies darauf hin, dass sich globale Unternehmen mit kontinuierlichem Wachstum in einem Umfeld, in dem Wachstum eher rar ist, in ihren jeweiligen Märkten deutlich besser als der Wettbewerb entwickeln werden: „Die Unternehmen in unseren globalen Portfolios sollten aufgrund ihrer soliden Geschäfte und vor dem Hintergrund ihrer Tätigkeit in Wachstumsmärkten in der Lage sein, dieses Wachstum zu generieren.” Der Investmentansatz des Global-Portfolios bevorzugt Large Caps, derzeit vorrangig aus den Bereichen Informationstechnologie (34%), Gesundheit (14%), Basiskonsumgüter (10%) und Telekommunikation (7%).
