Meldungen | Pensionskassen, Studien & Umfragen
23.08.2018

Pensionskassen verlieren im 1. Halbjahr unterschiedlich stark

Selbst die defensiven Veranlagungsklassen der heimischen Anbieter konnten sich den Marktentwicklungen nicht entziehen, so eine Mercer-Studie. Der Wegfall der Veranlagungsgrenzen ab 2019 verspricht mehr Flexibilität.

Michaela Plank, Beraterin Mercer Österreich

Michaela Plank, Beraterin Mercer Österreich

Foto: Mercer

Die negative Performance bei den heimischen Pensionskassen hält auch Ende des ersten Halbjahres weiter an. Geprägt von den globalen Unruhen und deren Folgen an den Märkten erzielten die Pensionskassen eine durchschnittliche Performance von minus 1,14 Prozent, wie die Berater von Mercer berechnet haben. Dabei ist der Unterschied zwischen dem Ergebnis der überbetrieblichen und betrieblichen Pensionskassen beträchtlich: Während die Betrieblichen mit minus 0,01 Prozent noch recht gut dastehen, haben die Überbetrieblichen im Schnitt 1,24 Prozent verloren. Dieser Unterschied ergibt sich durch die taktische Aufstellung der überbetrieblichen Pensionskassen bei Aktien und Emerging Marktes. "Ja, das negative Halbjahresergebnis ist auf die Gesamtmarktsituation zurückzuführen. Jedoch erkennt man bei genauerer Betrachtung auch, dass vor allem eine der großen Pensionskassen mit ihren Ergebnissen in den offenen Veranlagungs- und Risikogemeinschaften zwischen minus 3,19 Prozent in der ausgewogenen und minus 1,83 Prozent in der konservativen Veranlagungsausrichtung anteilsmäßig am stärksten zu dem negativen Gesamtergebnis beigetragen hat", so Josef Papousek, Geschäftsführer von Mercer in Österreich. Es bleibe abzuwarten, wie sich das Ergebnis durch taktische Maßnahmen in den verbleibenden Monaten noch ins Positive korrigieren lässt.

Überbetriebliche mit unterschiedlichen Ausrichtungen

Ein näherer Blick auf die fünf Veranlagungsklassen, die überbetriebliche Pensionskassen anbieten, zeigt, dass das Ergebnis unabhängig von der Ausrichtung in allen Klassen negativ ist. Die Performance-Bandbreite reicht von minus 0,11 Prozent in der defensiven Veranlagungsklasse bis zu minus 3,19 Prozent in der ausgewogenen Veranlagungsklasse. Dies belege, dass die überbetrieblichen Pensionskassen sehr unterschiedlich aufgestellt sind, um auf schwierige Kapitalmarktgegebenheiten zu reagieren. "Speziell die Aufstellung in der Anlagekategorie Aktien wird ausschlaggebend für den Ertrag in den letzten Monaten des Jahres sein", gibt Michaela Plank, Expertin für Betriebliche Altersvorsorge bei Mercer, zu bedenken.

Freie Hand für Pensionskassen ab 2019

Mit der Umsetzung der überarbeiteten Pensionsfondsrichtlinie der EU werden aus heutiger Sicht ab 2019 für österreichische Pensionskassen alle Veranlagungsgrenzen wegfallen. Bislang galten für bestimmte Anlagekategorien und Fremdwährungsanteile quantitative Obergrenzen, die im Pensionskassengesetz festgelegt waren. Mit überarbeiteten Richtlinie will die EU sicherstellen, dass die Pensionseinrichtungen "über ein angemessenes Maß an Investitionsfreiheit verfügen", so der Richtlinientext. Dafür sollen in allen Mitgliedsstaaten strenge quantitative Obergrenzen für Anlageklassen abgeschafft werden. "Besonders die 30-Prozent-Grenze für Fremdwährungen hat die heimischen Pensionskassen in den vergangenen Jahren sehr eingeschränkt und sie auch Renditechancen gekostet", erklärt Plank. "In einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld in den etablierten Industrieländern ist es für institutionelle Anleger umso wichtiger, in andere Märkte mit höheren Renditechancen zu diversifizieren."

Risikomanagement in Eigenregie

In Österreich ist vorgesehen, dass sich per Jänner 2019 jede Pensionskasse selbst schriftliche interne Leitlinien für die frei zu wählenden Grenzwerte gibt. Es soll das in Europa weit verbreitete 'Prudent Person Principle' zur Anwendung kommen. Ähnlich dem altbekannten Prinzip des "ordentlichen Kaufmanns" wird dabei den Gremien die Freiheit gelassen, so zu wirtschaften, dass sie für die Begünstigten das beste Ergebnis erzielen. Die regelmäßige Berichterstattung sowie die Stressüberprüfung durch die Finanzmarktaufsicht bleiben weiterhin bestehen bzw. werden leicht ausgebaut. "Die heimischen Pensionskassen verfügen schon jetzt über ein adäquates Risikomanagement, sodass sie diese Anlagerisiken in Eigenregie steuern können", ist Plank überzeugt. "Ob und wie die einzelnen Pensionskassen die neuen Freiheiten für sich nutzen werden, bleibt abzuwarten." Da eine Anpassung der Anlagestrategie meist schrittweise vorgenommen wird, werden auch nicht gleich mit Inkrafttreten der neuen Bestimmungen im Jänner massive Änderungen erwartet.