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29.08.2019

Regulatorisches Risiko ist die größe Sorge der Versicherer

Bei einer globalen PwC-Studie nennen die heimischen Versicherer die Regulierung und die Anpassungsfähigkeit in der Branche als aktuell schwierigste Themen. Weltweit war die Stimmung seit 2007 noch nie so negativ wie 2019.

Thomas Windhager, Leiter Insurance bei PwC Österreich

Thomas Windhager, Leiter Insurance bei PwC Österreich

Foto: PwC

Was sind die größten Sorgen der Versicherungsbranche und welche Herausforderungen werden als wahre Stolperfallen angesehen? Dieser Frage geht die aktuelle PwC-Studie "Insurance Banana Skins" nach, die gemeinsam mit dem Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI) umgesetzt wurde. Die Analyse der Berater, die seit 2007 im Zweijahresrhythmus durchgeführt wird, basiert auf 927 Befragungen in 53 Ländern, darunter 30 befragte Unternehmen aus Österreich. „Im Jahr 2017 belegte die Regulierung nur den dritten Platz und zu niedrige Zinssätze stellten die größte Herausforderung der heimischen Versicherungsbranche dar. Zwei Jahre später hat sich das Blatt gewendet und das regulatorische Risiko steht klar an erster Stelle der Sorgenagenda“, sagt Thomas Windhager, Leiter Insurance bei PwC Österreich. Das sei auf neue Regulierungsbereiche zurückzuführen, die seit 2017 eingeführt wurden, einschließlich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und verschiedener neuer Verhaltensstandards auf der ganzen Welt. „Der Druck durch neue Rechnungslegungsstandards, insbesondere IFRS 17, hat die Problematik verschärft. Die Aufgabe, diese neuen regulatorischen Standards im vorgegebenen Zeitrahmen anzugehen und umzusetzen, erweist sich für Versicherer als echte Herausforderung“, weiß Windhager.

Globales Risiko Cyberkriminalität

Seit Beginn der Untersuchungsreihe 2007 war die Grundstimmung der globalen Versicherungsbranche noch nie so negativ wie in diesem Jahr. Ausschlaggebend dafür sind die Herausforderungen durch den technologischen und strukturellen Wandel und die Sorge, diese nicht erfolgreich zu bewältigen. Insgesamt gehen die Ergebnisse der Studie mit einer weltweit wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit sowie stärkerer Regulierung einher. Trotzdem fühlen sich Versicherer besser auf diese Risiken vorbereitet als zuvor und sind zuversichtlicher, potenzielle Stolpersteine zu meistern. „Während dringender Bedarf an besserer und effizienter Technologie besteht, steigt gleichzeitig die Bedrohung durch Cyberkriminalität. Damit verbunden ist das Thema Veränderungsmanagement sowie die Frage, ob die Versicherer den technologischen Wandel als Chance ansehen“, erklärt Windhager. „Wie immer hängt ein erfolgreiches Veränderungsmanagement davon ab, wie es wahrgenommen wird. Bieten die Sorgen den Versicherern die Möglichkeit, veraltete Systeme zugunsten kundenorientierter Innovationen zu überarbeiten, oder stellen sie eine Beeinträchtigung dar, auf die man lediglich reagiert, um nicht ins Hintertreffen zu gelangen?“

Nur wenig Unterschiede zwischen den Regionen

Die Herausforderungen hinsichtlich Technologie, Cyberkriminalität und Veränderungsmanagement zählen weltweit zu den größten Sorgen. Auch der Anstieg des regulatorischen Risikos ist eine gemeinsame Sorge in allen Regionen. In Europa ist die Besorgnis über die wirtschaftlichen Bedingungen, wie den Ausblick für die Weltkonjunktur und die Zinssätze, am höchsten. In den USA wird hingegen das politische Risiko am sorgenvollsten eingestuft, hauptsächlich ausgelöst durch die zunehmend populistische Politik. Auch der Klimawandel liegt mit Ausnahme des asiatisch-pazifischen Raums in allen Regionen weit vorne.