Meldungen | Emerging Markets
15.08.2014

Russland bleibt weiter riskant für Anleger

Die Analystenstimmen zu den erweiterten Sanktionen der EU gegen Russland sehen für die nächste Zeit in Russland einen unberechenbaren Markt, der aber langfristig interessant sein könnte.

Ghadir Abu Leil Cooper, Head of EMEA Equity Team bei Barings

Ghadir Abu Leil Cooper, Head of EMEA Equity Team bei Barings

Foto: Barings

Die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland werden nicht nur in der politischen Öffentlichkeit diskutiert; auch die Analysten der europäischen Asset Manager haben in den letzten Tagen ihr Einschätzungen zu den Auswirkungen formuliert. Große Änderungen der bisherigen Trends sehen die Expertenstimmen einstweilen eher nicht. „Die unerwartet schwach ausgefallenen Sanktionen ließen den russischen Markt zunächst positiv reagieren“, sagt Asoka Wöhrmann, CIO Deutsche Asset & Wealth Management. Der Energiesektor sei von den Sanktionen ausgenommen und auch der Bankensektor gebe noch keinen Anlass zur Sorge. Bei den Anleihen könnte aber Russlands Rating hinterfragt werden: „Der Ausblick aller Rating-Agenturen steht bereits auf negativ und eine weitere Verschlechterung der Situation könnte den Ausschlag für eine Herabstufung auf das ‚Sub-Investment‘ Level geben“, schätzt Wöhrmann. Die Unternehmensanleihen seien von Schlagzeilen getrieben: „Sanktionierte Unternehmen zeigen definitiv einen anderes Reaktionsniveau, doch bisher spiegeln die Preisreaktionen noch nicht die Fundamentaldaten der Unternehmen wider.“ In diesem grundsätzlich negativen Umfeld könnte unter anderem der Plan der russischen Regierung die Unternehmen durch Kapitalisierung des Bankensystems zu unterstützen für etwas Entspannung sorgen. Für die Eurozone selbst sind laut Wöhrmann direkte Effekte vor allem durch Auswirkungen auf den Handel zu erwarten: „Insgesamt könnten sich die direkten Effekte für die Wirtschaft der Eurozone zwischen 0,1 und 0,4 Prozentpunkten für 2014/2015 bewegen, wobei noch kompensierende Effekte durch Exporte in wachsende Regionen wie USA und UK berücksichtigt werden müssen.

Gewinne haben schon bisher wenig gelitten

Für Alexandre Dimitrov, Leiter der Osteuropa-Aktienfonds bei der Erste Asset Management, sind Positionen in Russland eher etwas für Anleger mit einiger Risikobereitschaft: „Investoren müssen sich kurz- bis mittelfristig auf erhöhte Volatilitäten und eher niedrige Erträge einstellen.“ Zwar gebe es die Chance auf kurzfristige, möglicherweise sogar starke Gegenbewegungen. Investitionen in russische Wertpapiere würden aber weiterhin von unvorhersehbaren politischen Entwicklungen beeinflusst sein. „Die Unsicherheit über den Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine sowie die Sanktionsfolgen werden auf den Kursen russischer Aktien lasten, obwohl die Gewinnentwicklung russischer Unternehmen bisher wenig gelitten hat“, so Dimitrov. Für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont, die an ein Wiedererstarken der russischen Wirtschaft zu einem späteren Zeitpunkt glauben, können die jetzigen Kursniveaus an der Börse aber interessant sein.

Ghadir Abu Leil Cooper, Head of EMEA and Frontiers Equity Team bei Baring Asset Management in London, geht in ihrer Analyse auf die globalen Auswirkungen ein: "Unserer Einschätzung nach dürften wir bis dahin ein gesteigertes Interesse des russischen Staates erkennen, Verbindungen mit asiatischen Regierungen und Volkswirtschaften herzustellen. Dies könnte neue Chancen für russische Unternehmen im Exportsektor schaffen und Russland darüber hinaus neue Finanzierungsquellen zur Entwicklung der inländischen Wirtschaftsbasis öffnen." Wie auch Wöhrmann sieht Leil Cooper die neuen Sanktionen als bereits von den Märkten eingepreist an. Ein weiteres Fallen der ohnehin niedrigen Aktienkurse sei daher unwahrscheinlich.