Meldungen | Aktien, Marktausblick
11.01.2021

Sind Aktien zu teuer?

Angesichts der kräftigen Aktienmarktrally seit dem Crash vom vergangenen März blickt Alexander Eberan, Leiter Private Banking Wien Steiermärkische Sparkasse, auf die weitere Entwicklung und durchleuchtet auch die Alternativen.

Alexander Eberan, Steiermärkische Sparkasse

Alexander Eberan, Steiermärkische Sparkasse

Steiermärkische Sparkasse

Weil das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der weltweit notierenden Aktien auf einem historischen Höchststand liegt, kommt es derzeit in Finanzkreisen und bei Anlegern bisweilen zu bangen Überlegungen, ob Aktien zu „teuer“ geworden seien, konstatiert Alexander Eberan, Leiter Private Banking Wien Steiermärkische Sparkasse. Berücksichtigt man jedoch das Umfeld wie etwa das Zinsniveau und andere Anlageklassen relativiert sich das KGV rasch als der Situation angepasst. Auch den Rendite-Vergleich mit Immobilien müssen Aktien nicht scheuen, schreiben die Anlageexperten der Steiermärkischen Sparkasse Private Banking.

November 2020: historische Kursrally

Im Jahr 2020 hatte der Ausbruch der Corona-Pandemie zunächst verheerende Auswirkungen auf die Börsen. Die Aktienkurse erholten sich allerdings schnell, besonders nach dem Bekanntwerden wirksamer Impfstoffe gegen das Virus. Anders als in früheren Krisen war nicht nur der Kursrückgang, sondern auch das Tempo der Erholung beispiellos, wodurch sich wieder einmal bestätigte, dass an der Börse nicht Tatsachen, sondern Erwartungen für die kommenden Monate gehandelt werden. Im November bescherte die Ankündigung von Impfstoffen dem internationalen Aktienmarkt die größte Wertsteigerung in einem Monat seit mehr als 15 Jahren. Mit der Kursentwicklung hielten aber die Gewinne der Unternehmen nicht Schritt. Die Auswirkungen: Die im weltweiten Aktienindex MSCI World gelisteten Unternehmen haben aktuell ein auf den ersten Blick „teures“ KGV von ca. 33. Der Durchschnitt über die letzten 10 Jahre liegt bei knapp 19.

Aktien sind Ertragsbringer

Obwohl der Blick auf die Historie tatsächlich den Schluss einer Überbewertung nahelegt, hinkt dieser Vergleich. Betrachtet man die Ertragssituation am Anleihenmarkt vor zehn Jahren, so konnten die Zeiten damals durchaus als „rosig“ bezeichnet werden. 2010 betrug beispielsweise die Rendite einer österreichischen Bundesanleihe mit fünfjähriger Laufzeit knapp 2,7 Prozent p.a.; heute liegt die „Rendite“ dieser österreichischen Bundesanleihe bei ca. minus 0,70 Prozent p.a. Auf die Finanz-, Schulden- und Währungskrise hatten die Notenbanken mit einem expansiven geldpolitischen Kurs geantwortet. Das Resultat sind die bekannt niedrigen bis sogar negativen Zinsen für Anleihen und Sparbücher.

Die Rolle des Ertragsbringers nehmen daher in den letzten Jahren mehr und mehr Aktien ein. Diese Entwicklung dürfte sich infolge noch länger zu erwartender negativer (Real)zinsen auch weiter fortsetzen. In diesem Umfeld sollte es also keine Frage der Bewertung sein, ob sich der Ein- oder Umstieg in Aktien noch lohnt.

Gute Immobilien mit „KGV“ von 48

Auch gegenüber anderen Anlageklassen relativiert sich das Bewertungsthema von Aktien relativ rasch, so die Analyse der Steiermärkischen Sparkasse. Niedrige Zinsen sorgten gepaart mit günstigen Finanzierungsbedingungen in den letzten Jahren für einen regelrechten Boom auf dem Immobilienmarkt. Eine Art „KGV“ für den Immobilienmarkt zeigt jedoch, dass Betongold teurer als Aktien ist: Laut Immobilienpreisspiegel von Dezember beträgt der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung im 8. Wiener Gemeindebezirk ca. 8900 Euro/m², die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter liegt bei ca. 15,5 Euro.

Stark vereinfacht lässt sich also sagen, dass bei Kauf und zeitgleicher Vermietung einer 100-Quadratmeter-Wohnung in der Josefstadt jährliche Mieteinnahmen von 18.600 Euro Anschaffungskosten in Höhe von 890.000 Euro gegenüberstehen. Betrachtet man die Mieteinnahme als „Gewinn“ und den Anschaffungspreis als „Kurs“ der Immobilie, so würde man in dieser Rechnung ein heutiges KGV von fast 48 Jahren erhalten, das heißt man braucht 48 Jahre, um den Kaufpreis zu „verdienen“. Diesen Vergleich brauchen also Aktien mit einem KGV von rund 33 nicht zu scheuen. Darüber hinaus sind in dieser vereinfachten Rechnung mögliche Mietausfälle in Folge von Leerstand oder Zahlungsverzug und zukünftige Instandhaltungskosten für die Wohnung noch gar nicht mit eingerechnet.

Bewertungen werden noch steigen

Im Idealfall setzt man beim Aktienkauf auf eine breite, globale Streuung. Damit ist nicht nur das Einzeltitelrisiko deutlich minimiert, sondern man kann damit auch bestmöglich an den Entwicklungen der globalen Wirtschaft partizipieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Aktien aufgrund des wohl noch länger andauernden Niedrig-Zinsumfelds in den nächsten Jahren noch deutlich höher bewertet werden.