Meldungen | Aktien, Marktanalyse, Marktkommentar
17.01.2022

Solides Fundament für Aktien

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE, sieht gute Gründe, die für ein Aktieninvestment im neuen Börsenjahr 2022 sprechen, zu denen er die positiven Gewinnaussichten für Unternehmen zählt.

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

Olivier de Berranger, CIO bei LFDE

Massive Geldströme, geringe Volatilität, Wertentwicklungen von mehr als 20 Prozent bei den meisten großen Indizes: 2021 war für Aktien ein Erfolgsjahr. Nach einer solchen Euphorie stellt sich zu Beginn des neuen Jahres die Frage: War es das oder gibt es noch Luft nach oben?

Die Fundamentaldaten sprechen für solide Konjunkturaussichten mit einem erwarteten weltweiten Wachstum von 4,4 Prozent im Jahr 2022. Bei den Gewinnen und Gewinnaussichten der Unternehmen herrscht heiter Sonnenschein, zumal die Nachfrage hoch bleibt und die seit 18 Monaten angesammelten Ersparnisse eine beachtliche Rücklage für Konsum und Investitionen bieten. Nur ein Schatten trübt diese herrlichen Aussichten: die Inflation. Aufgrund der Gesundheitsmaßnahmen und einer durch Konjunkturpakete angeregten Konsumbereitschaft sind die Produktionsketten gestört. Infolgedessen ist ein großes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entstanden. Dies führt bei vielen Waren und Dienstleistungen zu Engpässen – und wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, ziehen die Preise an.

Inflation struktureller Natur – Lohn-Preis-Spirale droht

Zunächst stuften die Währungshüter die Inflation als „vorübergehend“ ein. Inzwischen hat sie jedoch strukturelle Wirtschaftssegmente erreicht und das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale wird immer realer. Deshalb haben die meisten Zentralbanken – allen voran die mächtige US-Notenbank – nun nach langem Zögern doch den Weg einer Straffung der Geldpolitik eingeschlagen. Beendigung der Wertpapierkäufe, Anhebung der Leitzinsen und sogar eine Verringerung der Bilanzsumme: Kein Mittel wird ungenutzt bleiben, um der Inflation entgegenzuwirken.

Das ist nur logisch, denn eine Zentralbank hat in erster Linie die Aufgabe, die Preisstabilität zu wahren. Doch die an eine lockere Geldpolitik gewöhnten Märkte stehen nun vor einer großen Veränderung. Die letzte Straffung der Geldpolitik, die 2018 beendet wurde, hat zwar schmerzhafte Erinnerungen hinterlassen, doch führt eine solche zwangsläufig zu einem Rückgang der Aktienmärkte? Nein, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. Allerdings lässt sich dies nur unter zwei Voraussetzungen abwenden: Zentralbanken, die mit einem klaren Zeitplan jede böse Überraschung vermeiden, und Unternehmen, die ihre angestrebten Ergebnisse erreichen. Angesichts der Zinsanhebungen können Aktienkurse nicht mehr durch steigende Bewertungskennzahlen zulegen, die tendenziell eher sinken werden, sondern vielmehr durch einen Anstieg des Gewinns pro Aktie.

Vernünftige Bewertungen und Gewinne werden 2022 entscheidend

Aktienanleger stehen 2022 demnach unter anderem vor der Herausforderung, Wertpapiere aufzuspüren, die vernünftige Bewertungen haben, wodurch sie vor einem allzu starken Einbruch der Kennzahlen geschützt sind, und zugleich hinreichend solide Fundamentaldaten aufweisen, um nicht hinter den Ergebniserwartungen zurückzubleiben. Eine weitere Herausforderung wird darin bestehen, die Volatilität zu nutzen, die nach einer 18-monatigen Marktrallye attraktive Einstiegsmöglichkeiten bietet. Für Anleger in Anleihen sind die Aussichten trüber. In Anbetracht der steigenden Zinsen sollten sie keinesfalls auf die Duration setzen und ihre Performancequellen unbedingt streuen. Im Übrigen sollten wir alle im Hinterkopf behalten, dass die Rückkehr der Inflation zwar eine Straffung der Geldpolitik bewirkt, eigentlich aber eine gute Nachricht ist – solange sie durch eine starke Nachfrage entsteht. Für Unternehmen, die auf einem soliden Fundament stehen und ihre Preise anpassen können, ist das bei Weitem nicht das schlechteste Marktumfeld.