Meldungen | Anlagestrategie, Private Banking
06.08.2020

Spagat zwischen Rendite und Risiko richtig meistern

Die Ermittlung der Risikobereitschaft ist der erste Schritt, um eine stringente Anlagestrategie zu entwickeln, sagt Christian Nemeth, Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. Er erklärt, worauf es noch ankommt.

Christian Nemeth, Zürcher Kantonalbank Oe

Christian Nemeth, Zürcher Kantonalbank Oe

Zürcher Kantonalbank Oe

Sicherheit, Rendite und Liquidität (Verkaufsmöglichkeit) sind die drei miteinander konkurrierenden Ziele der Vermögensanlage. Alle Anlageentscheidungen werden innerhalb dieses Spannungsverhältnisses getroffen. Die Maximierung aller Größen zugleich – vor allem von Sicherheit und Rendite – ist unmöglich. In der Vermögensverwaltung steht die Frage des angestrebten Risiko-Rendite-Verhältnisses daher am Anfang der Kundenberatung. „Ziel ist eine Abschätzung der Risikobereitschaft“, erklärt Christian Nemeth. „Hier werden die Höhe des anzulegenden Kapitals, der gewünschte Zeithorizont, der Vermögens- bzw. Schuldenstand und die Einkünfte aus der Arbeitstätigkeit miteinbezogen. Kurz gesagt wird anhand der vorliegenden Lebenssituation gemeinsam erarbeitet, wie viel zwischenzeitlichen Verlust bzw. Kursschwankungen der Kunde hinnehmen kann und auch will.“

Die Erkenntnisse aus den ersten Beratungsgesprächen über die Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit des Anlegers müssen dann mit seinen Renditezielen in Einklang gebracht werden. Zentral in diesem Zusammenhang ist dabei die Portfolioarchitektur. Gerade im aktuellen Tiefzinsumfeld ist das nicht immer einfach. „Die sogenannte strategische Asset Allocation ist der erste und wichtigste Schritt in einem klar strukturierten Anlageprozess. Das Portfolio wird unter Berücksichtigung der Risikobereitschaft mit Fokus auf Langfristigkeit nach Anlageklassen, Währungen, Ländern/Regionen, Branchen oder Laufzeiten ausgerichtet. Eine robuste Struktur ist notwendig, damit auch plötzlich hereinbrechende Ereignisse, wie die Covid-19-Pandemie einigermaßen abgefedert werden können“, unterstreicht Nemeth. Innerhalb des so aufgestellten Rahmens gibt es dann weitere Steuerungsmöglichkeiten durch eine Änderung der Gewichtungen der einzelnen Anlageklassen im Rahmen der taktischen Asset Allocation, die der kurzfristigen Wahrnehmung von Chancen bzw. der Nachjustierung in wirtschaftlich turbulenten Zeiten dient.

 

Vier Anlegertypen

Anhand der Risikobereitschaft, dem Renditeziel, aber auch häufig zu beobachtendem Verhalten lassen sich folgende Anlegertypen idealtypisch ableiten, erklärt Christian Nemeth:

Konservative Anleger: „Sicherheit und daneben möglichst garantierte Erträge stehen im Vordergrund. Diese Anleger halten sich von Aktien fern und nehmen eine geringe Rendite in Kauf. Diese Ausrichtung war früher aufgrund der Attraktivität von Sparbüchern oder Bausparverträgen vertretbar, ist jedoch heute bei Weitem zu konservativ. Angesichts der gegenwärtigen Zinslandschaft muss mit realen Vermögenseinbußen gerechnet werden, ein Inflationsausgleich ist hier nicht mehr möglich. In den letzten Jahren hat diese Anlegergruppe bei der Zürcher Kantonalbank Österreich AG zahlenmäßig stark abgenommen. Gerade im gehobenen Private Banking haben zahleiche Anleger, ihre langfristige Allokation an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst und begonnen ihr Risikoprofil anzuheben. Kleinanleger hingegen dürften sich jedoch wesentlich strukturkonservativer verhalten und ihren Wertpapieranteil bzw. Wertpapiermix nur geringfügig verändern. Die regelmäßig veröffentlichten Statistiken der österreichischen Nationalbank belegen eine nach wie vor hohe Affinität der Haushalte zu täglich fälligen Einlagen.“

Ertragsorientierte Anleger: „Das Sicherheitsbedürfnis spielt auch in dieser Anlegerkategorie eine große Rolle, geschätzt wird jedoch neben dem Kapitalerhalt auch die Chance auf einen Vermögenszuwachs. Daher nimmt dieser Anlegertyp auch gewisse Kursrisiken und Zinsschwankungen in Kauf. Eine breite Asset Allocation und die Nutzung des Diversifikationseffektes sind hier besonders wichtig. Die Anleger erwarten sich hier eine ansprechende Rendite, wollen aber mit ihrem Portfolio weiterhin gut schlafen können.“

Wachstumsorientierte Anleger: „Diese Anleger setzen stark auf Aktien, Aktienfonds und ETFs. Interessant ist dabei, dass viele Vertreter dieses Typs Aktieninvestments als den eigentlich sicheren Hafen betrachten. Die Unternehmenssubstanz bietet ihnen Schutz, daher wird bei der Auswahl der Investments sehr stark auf Qualität Wert gelegt. Sie handeln aus diesem Grund auch nicht spekulativ und sind sich darüber bewusst, dass höhere Chancen mit einem höheren, jedoch kalkulierbaren Risiko verbunden sind. Diese Strategie kann sehr zielführend sein. Entscheidend ist ein langfristiger Anlagehorizont, um kurzfristige Schwankungen ausgleichen zu können.“

Spekulative Anleger: „Im Fokus stehen hier rasche und hohe Kurs- bzw. Währungsgewinne. Gerade volatile Zeiten locken diesen Anlegertyp auf den Plan. Indem er sich einem hohen Risiko aussetzt, versucht er, maximale Gewinne zu generieren. Neben Aktien werden Derivate und Optionen eingesetzt. Sehr häufig wird hier die Portfolioarchitektur gänzlich vergessen, die Anleger verlieren sich in zahlreichen Einzelideen ohne Konzept. Diese Strategie ist aufgrund der Neigung zur Spekulation für den langfristigen Vermögensaufbau ungeeignet.“

Risiko der Zinslosigkeit ist auch ein Risiko Jeder Anlegertyp setzt sich einem gewissen Risiko aus. „Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben. Risiko ist nicht per se zu verurteilen, sofern es richtig kalkuliert und eingeordnet wird und die richtigen Maßnahmen, wie etwa Diversifikation, gesetzt werden. Jeder Aktienbesitzer und in Fonds investierte Anleger geht ein gewisses Risiko ein, um eine vernünftige Rendite in einem Umfeld ohne ausreichende attraktive Anlagealternativen erwirtschaften zu können. Denn das Risiko, sich mit einer zu konservativen Ausrichtung in der Zinslosigkeit wiederzufinden, ist tatsächlich real. Durch die individuelle Betreuung der Kunden auf Beraterseite und einer engen Zusammenarbeit mit dem Asset Management können wir unsere Kunden davor schützen“, so Christian Nemeth abschließend.