„Spektakuläre Maßnahmen gegenüber Euroraum"
Für OeNB-Gouverneur Nowotny sind die Rating-Änderungen durch Standard & Poor's „ökonomisch schwer nachvollziehbar“.

Laut dem Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) sind die Rating-Herabstufungen mehrerer Euroländer durch Standard & Poor's (S&P) als spektakuläre Demonstration einer Rating-Agentur gegenüber dem Euroraum zu werten. Wie schon vor einiger Zeit angekündigt, will Standard & Poor's damit
betonen, dass aus Sicht dieser Agentur die Fortschritte zur Finanzstabilisierung im Euroraum noch ungenügend sind und die Umsetzung der Fiskalregeln zu langsam erfolgt. Diese Einschätzung ist ernst zu nehmen, sie berücksichtigt aber nicht die geldpolitischen Maßnahmen und wirtschaftspolitischen Fortschritte der letzten Wochen und Monate, welche seit Jahresbeginn auch auf den Kapitalmärkten sichtbar geworden sind.
Eine Sichtweise, die mit Ausnahme Deutschlands für alle AAA-Staaten des Euroraumes zu einer Rating-Verschlechterung führt, ist ökonomisch schwer nachvollziehbar und wird auch von den anderen Rating-Agenturen nicht geteilt. Österreich ist von der Runde der Rating-Verschlechterungen durch Standard & Poor's ebenfalls betroffen, obwohl gerade die Zinsdifferenz zu Deutschland (10-jährige Spreads) für Österreich sich in der letzten Woche von über 150
Basispunkte auf gut 100 Basispunkte deutlich verbessert hat.
Die Einzelmeinung von Standard & Poor's sollte daher in ihrer Wirkung nicht überschätzt, aber auch nicht ignoriert werden. Österreich weist eine ausgewogene und dynamische Wirtschaftsstruktur mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten, einem deutlichen Leistungsbilanzüberschuss sowie der niedrigsten Arbeitslosenrate der EU auf. Dennoch ist für Österreich grundlegend die Herausforderung gegeben, die Maßnahmen der Budgetkonsolidierung und der Sicherung der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells österreichischer Banken in Mittel- und Osteuropa fortzusetzen und zu intensivieren.
