Meldungen | Fondspolizzen, Versicherungen
06.12.2017

Standard Life will auch in Ă–sterreich "future-ready" werden

Die Vertriebspartner sollen 2018 mit Schulungen auf neue Vergütungsformen vorbereitet werden. Das angekündigte neue Produkt für Österreich kommt erst im neuen Jahr.

Christian Nuschele, Standard Life Deutschland und Österreich

Christian Nuschele, Standard Life Deutschland und Österreich

Foto: Standard Life

Der Markt für Lebensversicherungen ist weder in Deutschland noch in Österreich einfach, auch wenn es um die fondsgebundene Variante geht. Die Produkte haben sich zwar weiterentwickelt, von simplen Mischfonds zu dynamischen Multi-Asset-Fonds, die sich nicht mehr überwiegend auf sichere Staatsanleihen verlassen. Dennoch sind die Versicherungen mit der Kritik von Konsumentenschützern und Aufsichtsbehörden konfrontiert, wenn es um die Kostenstrukturen geht. Die für die Vorsorge beworbenen langfristigen Fondspolizzen dienen vor allem dem Vertrieb der eigenen Fondsprodukte und die enthaltenen Vertriebs- und Abschlusskosten seien zu hoch. Für die Versicherungen sei es von Vorteil, wenn sie Fonds mit hohen Gebühren bevorzugen und das zum Nachteil der Kunden, stellte die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA bei ihrem aktuellem Bericht zum Thema Gebühren fest.

Kostenwahrheit

Beim Versicherungskonzern Standard Life ist man schon seit 2013 mit dem Provisionsverbot in Großbritannien konfrontiert und in ganz Europa mit den aktuellen Änderungen durch die Richtlinien MiFID II und IDD. Ab 2018 wird die Kostentransparenz bei Finanzprodukten mehr als bisher auch gesetzlich eingefordert. Für die Unterstützung beim Produktvergleich holt man sich nun Know-How von einem Salzburger Start-up, das mit der Software „Fynup“ die komplexen Kostenberechnungen über die gesamte Laufzeit als einfachen Chart darstellt. Entscheidend sei dabei die so genannte Zillmerung, erklärt Wolfgang Staudinger, Versicherungsmakler und Mitentwickler von Fynup: „Dabei werden die Abschlusskosten bereits in den ersten fünf Jahren der Laufzeit abgezogen. In Österreich sind das bis zu 7,5 Prozent. Das macht dann oft 50 Prozent der ersten eingezahlten Beträge aus. Die Konsumenten verlieren Unsummen durch diese Berechnungsmethode, vor allem, weil sehr viele Verträge vorzeitig zurückgekauft werden.“ 2 Milliarden Euro wurden von den insgesamt 80 Milliarden Euro in Lebensversicherungen vorzeitig zurückgeholt, hat die FMA festgestellt. Um das zu vermeiden, sei es im langfristigen Interesse der Versicherungen, die Kosten möglichst transparenz zu machen, ist Staudinger überzeugt.

Fortbildungs-Offensive

Dem kann Christian Nuschele, verantwortlich für den Vertrieb in Deutschland und Österreich, weitgehend zustimmen, denn auch er hat kein Interesse daran, dass Kunden vorzeitig abspringen. Und vermutlich nie mehr wiederkommen. In Österreich galt es aber zunächst den Vertrieb nach dem Abgang von Bernhard Fasching neu zu organisieren. In Bearbeitung sind noch die Probleme im Service, die sich in langen Wartezeiten am Telefon oder gar keiner Erreichbarkeit ausdrücken. Diese will man bei Standard Life aber bald in den Begriff bekommen. 2018 wird der Versicherer auch in Österreich ein Fortbildungsprogramm namens „Future Ready“ ausrollen, dass dieses Jahr bereits in Deutschland angeboten wurde. Die Vertriebspartner sollen das nötige Rüstzeug erhalten, um laufende Beratungsdienstleistungen anbieten zu können, die dann auch laufend vergütet werden. Das Programm besteht aus sechs Modulen, die über zehn Monate absolviert werden. Die Inhalte umfassen u.a. Marketing, Kommunikation und Betriebswirtschaft. In Sachen IDD, der kommenden Versicherungsvertriebsrichtlinie, sei man vorbereitet, selbst wenn sie schon im Februar 2018 in Kraft treten sollte, betonte Nuschele. Allerdings verschiebe sich dadurch die Einführung eines eigens für Österreich ausgelegten Produkts um einige Monate. Relativ fix terminiert ist aber der Brexit und das bedeutet für den schottischen Versicherer, dass ab April 2019 das Europageschäft über die Filiale in Dublin abgewickelt wird. Der Zulassungsprozess in Irland laufe noch und man sei im Plan, so Nuschele. Der Standort in Graz werde auch in Zukunft bleiben und sogar personell verstärkt werden.