Meldungen | Volkswirtschaft
09.08.2020

US-Arbeitsmarkt: Pandemiebedingte Entschleunigung

Der US-Arbeitsmarkt befinde sich nach wie vor in einer sehr prekären Situation und eine vollständige Erholung werde noch einige Zeit dauern, meint Christian Scherrmann, Volkswirt USA bei der DWS.

Christian Schwerrmann, DWS

Christian Schwerrmann, DWS

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Obwohl besser als erwartet, indiziert der heutige US-Arbeitsmarktbericht eine deutliche Verlangsamung der Erholung, betont Christian Scherrmann, Volkswirt USA bei der DWS, in seinem jüngsten Marktkommentar. Darüber hinaus ist es schwierig, die heutigen Daten abschließend zu bewerten, da einige Staaten im Laufe des Monats anlaufende Lockerungen wieder eingestellt oder gar rückgängig gemacht haben. Der Großteil der neugeschaffenen Arbeitsplätze konzentrierte sich auf den Dienstleistungssektor: Dort wurden rund 1,42 Millionen der insgesamt 1,46 Millionen neuen Arbeitsplätze im privaten Sektor geschaffen.

Vor allem die Entwicklung im Freizeit- und Gastgewerbe deutet auf eine erneute Schwäche hin. Während im Juni 1,98 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden, verzeichnet der Juli nur einen Anstieg um 0,59 Millionen. Höchstwahrscheinlich sind einige dieser Arbeitsplätze als Folge einer Wiedereinführung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie bereits wieder verloren gegangen. Die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe enttäuschte besonders, nur 26.000 neue Arbeitsplätze wurden registriert. Dies deutet, trotz eines moderaten Produktionsanstiegs in jüngster Zeit, auf erhebliche Überkapazitäten hin. Die Arbeitslosenquote sank von 11,1 auf 10,2 Prozent.

Noch immer sind in den USA rund 16 Millionen Menschen arbeitslos, verglichen zu 5,78 Millionen im Februar. Dies veranschaulicht, dass sich der Arbeitsmarkt nach wie vor in einer sehr prekären Situation befindet und eine vollständige Erholung durchaus noch einige Zeit in Anspruch nehmen könnte. Wir hoffen, dass die heutigen Zahlen, obwohl sie im Vergleich zu den Erwartungen solide sind, ihre Wirkung zeigen und den Entscheidungsprozess in Washington über weitere fiskalpolitische Hilfsmaßnahmen beflügeln.