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08.01.2021

US-Technologieaktien bleiben auch 2021 interessant

Warum der digitale Wandel diese Pandemie überdauern wird, erklärt Jonathan Curtis von der Franklin Equity Group.

Jonathan Curtis, Franklin Equity Group

Jonathan Curtis, Franklin Equity Group

Franklin Equity Group

Für US-Technologieaktien war 2020 erneut ein ausgezeichnetes Jahr. Die COVID-19-Pandemie hat einen digitalen Transformationstrend beschleunigt, der keinerlei Anzeichen auf Abkühlung erkennen lässt. Jonathan Curtis von der Franklin Equity Group erklärt, warum die Pandemie seiner Meinung nach für viele Unternehmen den Beginn ihrer digitalen Reise markiert. Zudem verrät er seine Gedanken darüber, was der Branche bevorstehen könnte, sobald ein Impfstoff verteilt wird, und welche Themen er im Auge behält, wenn im Januar eine neue US-Regierung die Zügel in die Hand nimmt.

Mit dem Ende des Jahres 2020 wird mehr als deutlich, dass Technologie im täglichen Leben immer wichtiger geworden ist. Das Coronavirus hat die Menschen dazu gezwungen, sich für das Arbeiten im Homeoffice, das Lernen von zu Hause aus, E-Commerce, die Fernversorgung im Gesundheitswesen, die kontaktlose Zustellung und vieles mehr auf Technologie zu verlassen. Für viele von uns sind diese Technologien während des vergangenen Jahres sehr viel allgegenwärtiger geworden. Diese beschleunigte Akzeptanz technologiebezogener Themen hat dazu geführt, dass sich viele Unternehmen im Informationstechnologiesektor (IT-Sektor) über weite Strecken des Jahres 2020 hinweg hervorragend entwickelt haben. Zudem hat der Sektor während der letzten vier Jahre das beste Wachstumsprofil des gesamten S&P 500 Index geboten.

Ein Blick auf die Bewertung von Technologiefirmen

Anleger haben uns gefragt, ob die Bewertungen von Technologieunternehmen gerechtfertigt sind. Unserem Research zufolge wurde der IT-Sektor während der letzten 30 Jahre, gemessen am Verhältnis des Kurses zu dem in den kommenden zwölf Monaten erwarteten Gewinn, zu einem Aufschlag von durchschnittlich 13 Prozent auf den S&P 500 Index gehandelt. Zum 30. November beträgt der Aufschlag des Sektors rund 9 Prozent, was unserer Meinung nach angesichts des stärkeren Wachstums und der hohen Qualität der darin vertretenen Unternehmen angemessen ist.

Die Bewertungen im Technologiesektor erscheinen zwar erhöht, als langfristige Anleger halten wir diesen moderaten Aufschlag jedoch für sowohl gerechtfertigt als auch tragbar. Wir sind der Ansicht, dass die Coronavirus-Krise eine langfristige, strukturelle Beschleunigung des digitalen Wandels und eine verbesserte Qualität der Unternehmen in diesem Sektor mit sich gebracht hat. Zudem haben wir festgestellt, dass weiterhin neue Anleger aufgrund des strukturellen Wachstums und des im Vergleich zu anderen Marktsegmenten relativ stabilen Ertragsprofils in diesen Sektor investieren. Unserer Analyse zufolge erscheinen Informationstechnologiewerte bei Berücksichtigung dieses Wachstumsprofils angemessener bewertet, und das Verhältnis von KGV zu Wachstum liegt in diesem Sektor allgemein über dem des breiteren Marktes.

Warum der digitale Wandel noch in den Kinderschuhen steckt

Wir sind davon überzeugt, dass der digitale Wandel langfristig positive Auswirkungen auf den breiteren Markt haben wird und dass sich dieser Trend in Zukunft nur noch weiter beschleunigen wird. Unternehmen, die auf digitale Transformation setzen und diese weiterhin als wichtige Säule ihres Geschäfts betrachten, sollten auf lange Sicht eine stärkere Leistung erzielen. Das dürfte sich aus unserer Sicht nicht ändern, denn der digitale Wandel und die damit verbundenen Unterthemen werden auch nach der Pandemie immer mehr an Bedeutung gewinnen. Unser Research zeigt, dass der digitale Wandel eine enorme, viele Billionen Dollar schwere und über Jahre andauernde Chance darstellt, die sich noch in der Frühphase befindet. Sie hilft Unternehmen dabei, Software und Daten einzusetzen, um ihre Kunden und Geschäftsprozesse besser zu verstehen. Zudem sind Unternehmen durch den digitalen Wandel in der Lage, die Arbeitsweise ihrer Branche mit Technologie radikal zu verändern und damit den Druck auf etablierte Firmen zu verstärken.

Für viele Unternehmen war die Pandemie der Beginn ihrer digitalen Reise. Unternehmen, die ihre digitalen Kompetenzen bereits ausgeweiteten hatten, verstärkten ihr Engagement in diesem Bereich, während diejenigen, die digitale Optionen bislang vernachlässigt hatten, zu einem Kurswechsel gezwungen wurden. Unserer Meinung nach müssen Unternehmen nun das, was sie während der Krise gelernt haben, operationalisieren. Das, was gut funktioniert hat, müssen sie ausweiten, und was sich als nicht hilfreich erwiesen hat, muss aufgegeben werden. Diese Prozesse müssen immer wieder aufs Neue untersucht weiter verbessert werden.

Was ein COVID-19-Impfstoff für die Technologiebranche bedeutet

Meldungen über vielversprechende COVID-19-Impfstoffe und ein mögliches Ende der Pandemie haben Fragen aufgeworfen, ob Unternehmen außerhalb des IT-Sektors nun auf relativer Basis attraktivere Bewertungen bieten als IT-Firmen. Wir gehen davon aus, dass kurzfristig orientierte Anleger eine Rotation weg von Technologiewerten und hin zu anderen Sektoren vornehmen könnten, die gut aufgestellt sind, um im Zuge der Verteilung von Impfstoffen von der Rückkehr zu einem gewissen Grad an Normalität zu profitieren.

Allerdings sind wir davon überzeugt, dass eine langfristige Ausrichtung immer erfolgreicher ist als eine zyklische Vorgehensweise und dass langfristige Anleger schlecht beraten wären, dem Technologiesektor den Rücken zuzukehren. Unternehmen, Studenten, Verbraucher und Patienten haben in der Krise viele neue digitale Fähigkeiten und Erwartungen aufgebaut. Sie haben gelernt, diese neuen Technologien zu nutzen, und haben erkannt, dass sie ihr Leben und ihre Rentabilität verbessern können. Die Produktivitätsgewinne aus diesen digitalen Lösungen sind schlichtweg zu überzeugend, um sie aufzugeben. Wir glauben, dass COVID-19 einen langfristigen positiven Wandel im Technologiesektor angestoßen hat.

Risiken für unseren Ausblick

Trotz unseres insgesamt optimistischen langfristigen Ausblicks für Technologiewerte gibt es zweifellos Fragen darüber, welche Auswirkungen der Machtwechsel in Washington auf den Technologiesektor haben wird, wenn die neue Regierung Ende Januar die Zügel in die Hand nimmt. Wir legen besonderes Augenmerk auf Schlüsselfragen hinsichtlich der Regulierung von Technologien sowie der Beziehung zwischen den USA und China. Antworten zur Regulierung des Technologiesektors wird es erst geben, wenn klar ist, welche politische Partei den US-Senat kontrolliert. Wir sind jedoch der Meinung, dass eine geteilte Regierung wahrscheinlicher ist als eine Regierung unter der vollen Kontrolle einer einzigen Partei. Im Fall einer geteilten Regierung haben die Technologiegiganten wohl wenig zu befürchten, denn die Parteien werden sich in den wichtigen Fragen der Unternehmensregulierung kaum einigen können. Sollte eine einzige Partei die Kontrolle erlangen, würde dies das aufsichtsrechtliche Risiko für die großen Technologiefirmen erhöhen. Allerdings sehen wir erhebliche rechtliche Hürden für umfassende Veränderungen. Darüber hinaus hat der neu gewählte Präsident Biden kein ausgeprägtes Interesse an aufsichtsrechtlichen Änderungen im IT-Sektor oder im technologieverbundenen Kommunikationsdienstleistungssektor signalisiert, abgesehen vielleicht von einer gründlichen Prüfung von Section 230 des Communications Decency Act, der Tech-Unternehmen rechtlichen Schutz in Bezug auf Inhalte von Dritten und Nutzern einräumt.

Gegenüber China erwarten wir von einer Regierung Biden einen freundlicheren Ton, aber auch keine Rücknahme wichtiger Erfolge der Regierung Trump. Daher wird China aus unserer Sicht im Hinblick auf den Schutz geistigen Eigentums sowie den Marktzugang für US-Technologiekonzerne, die derzeit größtenteils vom chinesischen Markt ausgeschlossen sind, Verhandlungsbereitschaft zeigen müssen.