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14.01.2022

US-Verbraucherpreisinflation: Erhöht die FED im März die Zinsen?

Silvia Dall’Angelo, Senior Economist bei Federated Hermes, meint, da die Inflation weiterhin hoch ist und der Arbeitsmarkt angespannt erscheint, könnte die FED die lockere Geldpolitik früher als bislang angenommen beenden.

Silvia Dall’Angelo, Federated Hermes

Silvia Dall’Angelo, Federated Hermes

Federated Hermes

Nach einem neuen Hoch der US-Verbraucherpreisinflation im Dezember ist ein Abflachen wahrscheinlich erst im zweiten Quartal 2022 zu erwarten, meint Silvia Dall’Angelo, Senior Economist bei Federated Hermes. Wird die FED daher bereits im März die Zinsen erhöhen und ein früheres Ende ihres Programms zur quantitativen Lockerung anstreben?

Die Verbraucherpreisinflation in den USA setzte im Dezember ihren Anstieg fort und erreichte mit 7 Prozent einen neuen Höchststand seit 40 Jahren. Während die Gesamtinflation den Erwartungen entsprach, war die Kerninflation (ohne Lebensmittel und Energie) stärker als erwartet - sie stieg von 4,9 auf 5,5 Prozent im November und erreichte damit einen Höchststand seit Anfang 1991. Die Kerngüter verzeichneten weiterhin die größten Zuwächse (+1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat und 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat), aber die meisten Teilkomponenten wiesen über dem Trend liegende Steigerungen auf, darunter vor allem Unterkünfte (die mehr als 30 Prozent des VPI-Warenkorbs ausmachen).

Die VPI-Inflation könnte in den USA in den nächsten Monaten ihren Höhepunkt erreichen, bevor sie im zweiten Quartal allmählich zurückgeht. Basiseffekte, eine Stabilisierung (oder sogar Abschwächung) der Energiepreise und vor allem eine Lockerung der Angebotsbeschränkungen dürften dazu beitragen, die Inflation in der zweiten Jahreshälfte zu senken. Dennoch sind die Inflationsaussichten nach wie vor mit großer Unsicherheit behaftet. Kurzfristig könnte die Kombination aus Omikron und Chinas Nullzins-Politik die Unterbrechungen der globalen Lieferketten verstärken und verlängern, was zu einem anhaltenden Inflationsdruck führen könnte.

Der gestrige Inflationsbericht ist eine weitere Bestätigung für den jüngsten Kurswechsel der Fed. Wie der Fed-Vorsitzende Powell bei seiner Anhörung bekräftigte, wird die Inflation nun als die größte Bedrohung für die Wirtschaftsaussichten angesehen. Die FED ist daher bereit, die Geldpolitik bei Bedarf früher oder schneller zu straffen. Da die Inflation weiterhin hoch ist und der Arbeitsmarkt angespannt erscheint, könnte die FED die Option nutzen, die ein früheres Ende ihres Programms zur quantitativen Lockerung bietet, und bereits im März die Zinsen erhöhen. Darüber hinaus wird die FED wahrscheinlich in der zweiten Hälfte dieses Jahres auf eine quantitative Straffung zurückgreifen - viel früher als im letzten Zyklus.