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06.12.2017

Versicherungspflicht für NatKat: "Vielleicht schaffen wir es jetzt"

Peter Thirring, Chef der Donau Versicherung, hofft auf die neue Regierung: Eine Pflichtversicherung gegen Naturkatastrophen und eine neue Zukunftsvorsorge müssen her, so die Hauptforderungen.

Peter Thirring, Vorstand Donau Versicherung

Peter Thirring, Vorstand Donau Versicherung

Foto: Donau/Juhasz

Bei einem Pressegespräch aus Anlass des 150-Jahr-Jubiläums der Donau Versicherung richtete deren Vortandsvorsitzender Peter Thirring gleich auch Wünsche an die künftige Regierung: Er sprach sich dabei für die Einführung einer verpflichtenden Versicherung gegen Schäden aus Naturkatastrophen sowie für eine Stärkung der privaten Altersvorsorge. Die Forderungen der Versicherungswirtschaft dazu lägen schon lange auf dem Tisch. "Vielleicht schaffen wir es jetzt, zu Lösungen zu kommen", so Thirring. Bei den Naturgefahren - von Stürmen über Hagel bis zu Überschwemmungen - sieht er den Großteil nicht ausreichend versichert. Man brauche eine Lösung mit Erst- und Rückversicherern sowie im Worst Case mit einer Haftung des Staates kombiniert mit einer Versicherungspflicht. Das Modell würde nicht sehr viel kosten, die Risiken aber „atomisieren“. Die Kosten würden für einen durchschnittlichen Versicherten pro Monat im einstelligen Euro-Bereich liegen. Die Donau Versicherung beispielsweise hat regional unterschiedliche Preise. Der Katastrophenfonds sei keine ausreichende Lösung, denn der Kunde sei hier nicht Vertragspartner, sondern Bittsteller. „Das ist eines Landes wie Österreich nicht würdig. Auf Leistungen des Katastrophenfonds besteht kein Rechtsanspruch, sie sind freiwillig und schwanken“ kritisierte Thirring, der Mitte nächsten Jahres in den Vorstand der Vienna Insurance Group (VIG) wechselt. Die Versicherungspflicht bei Naturgefahren funktioniere in anderen Ländern. Ralph Müller, Finanzvorstand und ab Mitte nächsten Jahres neuer Donau-Versicherung-Chef, betonte, dass die Schäden aus Naturkatastrophen weltweit in Ansteigen seien. Die Häufigkeit und die Intensität von Ereignissen würden zunehmen, zudem seien mittlerweile mehr Sachwerte versichert als früher. Bei der Donau Versicherung sei der Gesamtaufwand für Schäden aus Hagel, Sturm, Blitz und Oberflächenwasser bei rund 50 Mio. Euro gelegen. Die Hälfte davon sei auf Juli und August entfallen. Bei den rund 33.500 Schadensfälle seien auf die beiden Sommermonate mehr als 13.500 entfallen. Mit 800 Mio. Euro Prämienvolumen ist die Donau Versicherung österreichweit unter den Allspartenversicherern die Nummer 5 am Markt. Rund die Hälfte des Prämienvolumens kommen aus dem Bereich KMU.

Vorsorge ohne Aktienquoten

Thirring forderte auch stärkere Anreize für die private Vorsorge. Die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge sei an und für sich ein attraktives Produkt, allerdings passten die verpflichtenden Aktienquoten und Garantien nicht zusammen. Die Aktienquote müsse daher weg. Er sprach sich außerdem für eine Öffnung der Investitionen in den Wohnbau sowie in Infrastruktur aus. Erhöht werden müsste auch der Betrag bei steuerbegünstigter Gehaltsumwandlung von derzeit 300 Euro, der seit Jahrzehnten nicht valorisiert worden sei. Ideal wären für Thirring eine Anhebung auf 1.200 Euro im Jahr, damit könne man bei längerem Ansparen auf eine spürbare Zusatzpension kommen. Zum Vergleich mit dem VKI puncto Lebensversicherungsrücktritten wegen mangelnder oder nicht erfolgter Belehrungen über das Rücktrittsrecht sagte Thirring. Die Donau Versicherung har sich der Branchenlösung angeschlossen und ist nicht stark - mit rund 100 Fällen - betroffen.“ Insgesamt geht es bei dem Vergleich um 7.000 Kunden. Für Thirring ist es absurd, dass jahrelange Verträge wegen eines Formalfehlers aufgelöst werden könnten. Er verwies auf unterschiedliche Rechtsmeinungen zu den Konsumentenschützern, man werde andere Fälle bekämpfen.

Vertriebsvorstand Harald Riener betonte schließlich die Bedeutung der Beratung als Schnittstelle zum Kunden. „Eine Selbstdiagnose essentieller Risken geht zu 95 Prozent in die falsche Richtung“, ist er überzeugt. Alle neun Landesdirektionen suchen Talente im Außendienst und im Stammvertrieb, 95 Stellen seien laut Riener frei. Im Maklervetrieb arbeiten derzeit 1200 Partner für die Versicherung.