Meldungen | Emerging Markets
13.09.2016

"Von einem Bullenmarkt kann man noch nicht sprechen"

Das Schwellenländer-Thema hat in diesem Jahr die Asset Manager beschäftigt. Derzeit sei ein Einstieg keine schlechte Idee, sagen nicht wenige Experten der europäischen Fondsgesellschaften.

von Thomas Müller

Foto: Monteux CC BY-SA 3.0

2016 lief es wieder vergleichsweise gut an den Aktienmärkten der Schwellenländer. Der MSCI Emerging Markets konnte immerhin einen Teil der Verluste des schwierigen Jahres 2015 wieder aufholen und steht um mehr als 10 Prozent besser da als noch zu Jahresanfang (siehe auch unser Interview zum Thema). Auch bei genauerer Betrachtung zeichnen sich positive Entwicklungen in den Ländern Asiens und Südamerikas ab, wie die Stellungnahmen aus den Fondsgesellschaften zeigen. „Das Gewinnwachstum der Schwellenlandunternehmen hat sich sowohl absolut sowie relativ zu den entwickelten Ländern verbessert“, analysiert Wojziech Stanislawski vom Aktien-Stockpicker Comgest. „Unter Berücksichtigung der niedrigen Bewertungen, der Untergewichtung der Investoren und des niedrigen Gewinnniveaus macht deshalb aufgrund unserer Analyse jetzt ein erhöhtes Engagement in den Schwellenländern Sinn.“ Von einem Bullenmarkt könne man aber noch nicht sprechen: „Hierfür müssten die Verschuldung abgebaut und die Produktivität gesteigert werden.“

Ähnlich auch die Diagnose von Sandra Crowl von Carmignac: „Insgesamt kann man sagen, dass sich die Gewinne der Schwellenlandunternehmen verbessert haben. Gleichzeitig bieten diese Aktien einen Abschlag von 25 Prozent gegenüber den entwickelten Märkten und die Währungen haben in der Vergangenheit stark abgewertet. Also keine schlechter Zeitpunkt um wieder einzusteigen.“ Bei den Branchen konzentrieren sich die Carmignac-Fonds auf Rohstoffe und auf Energieträger: "Wir haben relativ früh erkannt, dass die Energiepreise sich erholen und Positionen bei Schieferöl-Förderern und Goldminen aufgebaut. Vor allem bei Erdöl sehen wir eine zyklische Erholung, denn bei konstanter Förderung steigt die Nachfrage. In den USA etwa werden so viele Kilometer wie noch nie gefahren und das mit sehr ineffizienten Fahrzeugen wie SUVs." In China gäbe es außerdem Branchen, die noch unterentwickelt sind wie E-Commerce oder Versicherungen.

Goldene Mitte

Während in den Indizes und in den meisten Fonds die großen Konzerne dominieren, sieht Ross Teverson von Jupiter Asset Management größere Chancen bei Unternehmen mittlerer Größe . Beispiele für diese „Mid Caps“ würden sich sowohl über verschiedene Regionen wie auch Branchen in den Schwellenländern verteilen: „Eine Aktie, die wir im Jupiter Global Emerging Markets Equity Unconstrained SICAV halten, ist die des brasilianischen Bildungskonzerns für Privatuniversitäten Ser Educacional. Das Unternehmen ist gut aufgestellt, um vom strukturellen Wachstum bei Bildungsausgaben in Brasilien zu profitieren.“ Auch die Aktie des indonesischen Immobilienentwicklers Bumi Serpong ist von einem sehr niedrigen Preisniveau aus gestartet und das Unternehmen werde von Indonesiens extrem starken demographischen Daten begünstigt.

Weniger bekannt sind auch zuliefernde Unternehmen, die sich in Trend-Sektoren bewegen oder mit disruptivem Wandel beschäftigen. „Hierzu zählen beispielsweise das Wachstum bei Elektroautos, der Trend zu industriellen Automationssystemen oder die Umstellung auf erneuerbare Energien“, sagt Teverson. Hier werden bereits Gewinne geschrieben während „Promis“ wie Tesla davon noch weit entfernt sind.