Meldungen | Anleihen, Marktkommentar
25.03.2020

Vorsicht bei High-Yield-Bonds

Der Markt befinde sich in unbekanntem Fahrwasser, was die Einschätzung erschwere, heißt es bei Columbia Threadneedle. Der Abverkauf erscheine zunehmend wahllos.

Roman Gaiser, Columbia Threadneedle

Roman Gaiser, Columbia Threadneedle

Columbia Threadneedle

Am Markt für Hochzinsanleihen dürfte es der Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Investments zufolge zu weiteren Verwerfungen infolge des Corona-Virus kommen. „Die jüngsten Handelstage haben gezeigt, dass der Markt unter hohem Stress steht und Anzeichen von Zerrissenheit zeigt“, schreibt Roman Gaiser, Leiter Hochzinsanleihen in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) bei Columbia Threadneedle, in einem aktuellen Kommentar. Der Markt befinde sich in unbekanntem Fahrwasser, was die Einschätzung der Lage erschwere.

Columbia Threadneedle verweist darauf, dass der jüngste Abverkauf bei Hochzinsanleihen zwar nach dem typischen Muster begonnen habe, demzufolge Anleger Papiere schwächerer Schuldnerqualität eher veräußern als solche mit höherer Bonität. „Dies hat sich nun in Richtung eines eher wahllosen Abverkaufs entwickelt, der alle Branchen und Rating-Klassen innerhalb des Hochzins-Segmentes betrifft“, schreibt Gaiser. Branchen, die üblicherweise recht stabil seien, wie etwa Freizeitparks, erlebten gerade einen strukturellen Schock. Wie lange die Erholung davon dauern werde, sei schwer zu sagen.

Cashanteil erhöht

In diesem Umfeld setzt Gaiser, der unter anderem Portfoliomanager des Threadneedle (Lux) European High Yield Bond Fund ist, vermehrt auf Cash. „Zu unseren jüngsten Aktivitäten gehörte, den Cash-Anteil zu erhöhen, indem wir einige kurzlaufende Anleihen verkauft haben, die sich gut entwickelt hatten und allmählich teuer wirkten.“ Damit habe der Portfoliomanager vorgesorgt für den Fall, dass kurzfristig Bedarf an Liquidität bestehe. „Zudem haben wir einige Titel in den Bereichen Transport, Energie und Freizeit heruntergefahren.“

Bereits seit Jahresanfang sei das Portfolio in zyklischen Branchen wie Automobil, Transport und Grundstoffe untergewichtet. Gleichzeitig seien Werte aus den Bereichen Gesundheit, Technologie, Medien und Finanzdienstleister übergewichtet. Unter dem Strich ist das das Portfolio dem Experten zufolge so positioniert, dass es die Entwicklungen des breiten Marktes weniger stark mitmache.

Gaiser gewinnt dem aktuellen Marktumfeld auch etwas Positives ab. „Bestimmte Branchen und Unternehmen, die zuvor wegen ihrer niedrigen Risikoaufschläge als teuer galten, sehen nun allmählich wieder interessanter aus, weil die Bewertungen attraktiver geworden sind.“