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19.12.2019

Warum Immo-Kleinanleger manchmal eine gro├če Rolle spielen

Die Summen die im Crowdinvesting in Österreich bewegt werden, sind in absoluten Zahlen noch nicht spekttakulär. Für kleinere, mittelständische Bauträger können die Crowdinvestoren eine Finanzierungslücke füllen.

An der Kammergarn, Möllersdorf

An der Kammergarn, Möllersdorf

Foto: Landhaus Holding

Seit 2015 ist das Investieren im Kleinformat vom nationalen Gesetzgeber reguliert und verzeichnet als Nische jedes Jahr ein dynamisches Wachstum bei den Anlegergeldern. Immobilienprojekte erfreuen sich dabei besonders großer Beliebtheit bei Kleinanlegern, die über Crowdinvesting kleinere drei- und vierstallige Summen investieren wollen. Es winken fixe 6 bis 7 Prozent p.a. Rendite, die sonst mit Anleihen oder großen Immobilienfonds nicht zu verdienen sind. Auf der anderen Seite können die Immobilienentwickler das Geld gut gebrauchen: Um die Investitionskosten ihrer Projekte stemmen zu können, müssen die meisten Bauträger Banken ins Boot holen. Die strenger gewordenen Basel-Richtlinien erschweren es aber, an das notwendige Fremdkapital zu kommen. Zumindest 20 bis 30 Prozent Eigenmittel sind dafür Pflicht. „Durch Crowdinvesting wird die Bankfinanzierung deutlich leichter“, sagt Alexander Ringhofer, Geschäftsführer der Landhaus Holding aus Maria Enzersdorf. 2016 wurde er zum ersten Mal auf dieses Finanzierungsinstrument aufmerksam, im Herbst des Vorjahres ging sein Immobilienprojekt „An der Kammergarn“ im Heurigenort Möllersdorf bei der Plattform dagobertinvest online. Dabei wurde die Errichtung von 25 Wohneinheiten südlich von Wien durch über 300 Crowdinvestoren co-finanziert. In Summe holte sich die Landhaus Holding auf diesem Weg fast 400.000 Euro. Jeder Investor beteiligte sich im Durchschnitt mit knapp 1.300 Euro. „Speziell in Wien sind die Grundstücks- und Baupreise in den letzten Jahren exorbitant gestiegen, man kann von fast 20 Prozent sprechen. Daher spezialisieren sich viele Bauträger auf den Wiener Speckgürtel“, weiß der Baumeister.

Höherer Umschlag durch Crowdinvesting

Für viele Immobilienentwickler und Bauträger ist Crowdkapital deswegen so interessant, weil sie finanzielle Mittel schneller aus einem Projekt herauszulösen können, um damit weitere Aufträge in Angriff zu nehmen. "Ohne Co-Finanzierungen würde mein Unternehmen rund 25 Prozent weniger Projekte realisieren können. Die Alternative zu Crowdinvesting sind private Großinvestoren, doch auch da sind manche Projekte zu groß, um nur einen Investor miteinzubeziehen", sagt Ringhofer. Der Crowdinvesting-Plattform kommt sowohl vor der Kampagne als auch während der Projektlaufzeit eine wichtige Rolle zu. Denn es gilt auch darauf zu achten, dass die Crowdinvestoren regelmäßig über den aktuellen Fortschritt des Projekts informiert werden. „Grundsätzlich eignet sich Crowdinvesting für Bauträger und Immobilienentwickler dann, wenn die Gesamtinvestitionskosten eines Projekts zwischen zwei und zehn Millionen Euro betragen“, sagt Andreas Zederbauer, Geschäftsführer von dagobertinvest. Üblich seien 20 Prozent von der Crowd, 10 Prozent Eigenkapital und der Rest als Bankkredit. Für den Anleger entstehen dabei keine Kosten, denn die Bauträger zahlen die Management-Gebühren beim Crowdinvesting. Letztlich zahlen diese also die Käufer der Immobilien. Für größere Bauträger mit 100-Millionen-Projekten in der Pipeline ist die Crowd hingegen nicht interessant, denn sie können sich günstiger über den Kapitalmarkt finanzieren.

Während dagobertinvest und rendity die Platzhirschen bei den Immobilien sind, bieten andere Plattformen wie Conda, Greenrocket und viele kleinere Anbieter auch riskantere Darlehen für Startups an. Deren Erfindungen oder Geschäftsmodelle müssen sich erst bewähren, was bei einem Misserfolg auch mit dem Totalverlust enden kann. Von der bunten Blumenwiese an heimischen Plattformen dürfte aber bald nicht mehr viel übrigbleiben, denn ein neue EU-Verordnung zum Crowdinvesting befindet sich derzeit in der finalen Phase.