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04.06.2020

Warum solide Banken reizen

Weil Banken nicht die Ursache der aktuellen Krise seien, sieht Marc Stacey, Senior Portfolio Manager bei Blue Bay Asset Management, solide Banken als Krisengewinner.

Marc Stacey, Blue Bay Asset Management

Marc Stacey, Blue Bay Asset Management

Blue Bay Asset Management

Die Corona-Krise hat auch Folgen für die globale Finanzwirtschaft. „Aufgrund der Pandemie wird die Schere innerhalb des Bankensektors weiter auseinanderklaffen lassen. Wir werden große robust aufgestellte Banken als Gewinner sehen, andere Institute verschwinden vom Markt“, so Marc Stacey, Partner und Senior Portfolio Manager bei Blue Bay Asset Management, in seinem jüngsten Marktkommentar. Doch anders als in der Finanzkrise im Jahr 2008 sind Banken diesmal nicht das Problem, sondern sie sind Teil der Lösung, um eine Konjunkturerholung zu erreichen.

Banken sind streng reguliert

„Aufgrund der aus der Finanzkrise gezogenen Lehren haben die Aufsichtsbehörden die Banken streng reguliert. Die Häuser mussten ihre Liquidität erhöhen, mehr Eigenkapital vorhalten und Geschäftsrisiken zurückfahren. Das Ergebnis: Die Banken gerieten in einer robusten Verfassung in die Corona-Krise. Während große Teile der Wirtschaft die vergangenen Jahre mit niedrigen Zinssätzen und reichlich Liquidität genutzt haben, um Übernahmen zu tätigen und ihre Bilanzen aufzustocken oder sogar überzustrapazieren, haben die Banken das Gegenteil getan – sie haben Schulden abgebaut und Kapital aufgestockt. Daher kommt im Verlauf dieser Krise den Banken eine entscheidende Rolle zu, um im Verbund mit Politik und Geldpolitik die Wirtschaft anzukurbeln. Die Banken sind aufgefordert, staatliche Garantien in Anspruch zu nehmen und Kredite an Unternehmen zu vergeben, die dringend Liquidität benötigen.

Wir beobachten die Bankenlandschaft genau: Interessant ist die Frage, wie es jetzt im Hinblick auf Dividenden und Additional Tier 1 (AT1)-Kuponzahlungen weitergeht. Die Europäische Zentralbank unterscheidet klar zwischen Aktiendividenden und AT1-Kupons für Banken. Das stärkt unser Vertrauen in die Auszahlung dieser Kupons. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass eine etwaige Aussetzung der AT1-Kupons infolge der neuen Beschränkungen bei Dividenden und Aktienrückkäufen unwahrscheinlich ist, weil die Kapitalpuffer der Banken um mehr als 100 Milliarden Euro anwachsen dürften – wodurch sich der Spielraum erhöht, bevor eine Kuponbeschränkung greifen könnte.

Kupon oder Dividenden?

Außerdem sind sich die Regulierungsbehörden darüber im Klaren, dass AT1-Kupons im Gegensatz zu Dividenden in der Kapitalstruktur Vorrang haben und für die Anleger einen dauerhaften Wertverlust bedeuten würden, wenn sie abgeschafft würden.

Mit Blick auf die Pandemie bleiben die Risiken hoch und unwägbar. Dennoch erwarten wir, dass gut aufgestellte Banken der Politik als Transmissionsriemen ihrer Initiativen dienen werden. Für Anleger bietet der Sektor daher auf kurze und mittelfristige Sicht gute Chancen. Risiken entstehen dadurch, dass die Auswirkungen des Covid-19-Virus möglicherweise viel länger andauern als erwartet. Denkbar ist auch, dass die zur Beruhigung der Märkte angekündigten Maßnahmen von Politik und Zentralbanken nicht oder nur unzureichend umgesetzt werden. Wir gehen daher davon aus, dass die Märkte volatil bleiben werden. Dennoch gilt: Die risikobereinigten Renditen im Bankensektor erscheinen uns im Vergleich zu vielen anderen Anlageklassen als überzeugend und aussichtsreich.