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04.08.2022

Was jetzt für Goldminenaktien spricht

Der Goldminensektor steht vor einem fundamentalen Wandel. Joe Foster, Goldstratege bei VanEck, geht auf die wichtigsten Entwicklungen ein und zeigt auf, welches Potential der Bereich Anlegern bietet.

Joe Foster, VanEck

Joe Foster, VanEck

VanEck

Nach den starken Rücksetzern hat der Goldpreis zuletzt wieder zugelegt. „Obwohl die Notierung noch weit von den im August 2020 erreichten Niveaus entfernt ist, hat er sich im Bereich von 1.800 US-Dollar pro Unze eingependelt“, sagt Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege bei VanEck, in seinem aktuellen Goldkommentar. „Unserer Meinung nach spiegelt dieser Preis die recht günstigen Wirtschaftsaussichten wider, bei denen die Inflation zu sinken beginnt, wenn die Fed ihren Zielzinssatz erhöht und die Wirtschaft nicht in eine Rezession gerät.“

Gold könnte auch für den Rest des Sommers um die Marke von 1.800 US-Dollar handeln, auch wenn auf diesem Niveau das Risiko besteht, dass der Goldpreis von Spekulanten und Leerverkäufer nach unten getrieben wird. Jedoch scheinen die meisten ‚negativen‘ Nachrichten für Gold (höhere Zinsen, starker Dollar, stabile Wirtschaft, kontrollierte Inflation) auf einem solchen Niveau im Preis enthalten zu sein, sodass Gold eine neue und stärkere Preisbasis bilden kann, so Foster. „Damit ist Gold in einer günstigen Position, um längerfristig auf eine Reihe potenziell ‚Gold-positiver‘ Nachrichten zu reagieren (Rezession, anhaltende Inflation, anhaltende Schwäche der Finanzmärkte, eine Pause bei der Zinserhöhung der Fed), die Gold und Goldaktien deutlich nach oben treiben könnten.“

Während der Goldpreis sich gut hält, war die Entwicklung der Goldaktien weitaus enttäuschender. Im bisherigen Jahresverlauf ist der NYSE Arca Gold Miners Index um 14 Prozent und der MVIS Global Juniors Gold Miners Index um 23 Prozent gesunken.

Gegenwärtig steht der Goldbergbausektor aber auch vor einer besonders großen Herausforderung: Sich als investierbarer Sektor über alle Marktzyklen hinweg zu etablieren, um eine breitere Anlegerbasis anzuziehen. Die Umgestaltung des Sektors begann in der zweiten Jahreshälfte 2012 mit weitreichenden Veränderungen in den Managementteams der Branche. Es folgte ein entscheidender Strategiewechsel. „Die Botschaft war klar und einheitlich für den gesamten Sektor: Wachstum war nicht mehr die einzige Priorität. Stattdessen lag der neue Schwerpunkt auf der Kostenkontrolle, der Erfüllung der Erwartungen und der Erzielung attraktiver Renditen für die Anteilseigner“, sagt Foster. Das Ergebnis sind Unternehmen mit wenig Schulden, viel freiem Cashflow, attraktiven Dividenden und Aktienrückkaufprogrammen sowie einem disziplinierten Wachstumsansatz.

„Um weiterhin Zahlungsmittel zu generieren, müssen die Unternehmen wachsen. Im Durchschnitt schätzen wir die Lebensdauer der bestehenden Bergwerke in diesem Sektor auf etwa 15 Jahre. Um die Produktion über die nächsten 15 Jahre hinaus aufrechtzuerhalten, müssen die Unternehmen mehr Gold finden“, so Foster. „Sie können dies organisch durch Erkundung des umliegenden Gebiets bestehender Betriebe oder neuer Gebiete tun, oder sie können das bereits von anderen entdeckte Gold erwerben.“ Organisches Wachstum ist billiger als akquiriertes Wachstum, aber jedes Wachstum ist mit Kosten verbunden für das Auffinden des Goldes und für die Entwicklung des Goldvorkommens zu einer produzierenden Mine.

Goldproduzenten sind finanziell stark und in der Lage, ihre Wachstumspläne zu finanzieren. Die Märkte scheinen es jedoch nicht zu mögen, wenn Unternehmen Ausgaben für die Suche, Entwicklung und den Bau von Minen tätigen und Goldaktien im Allgemeinen abzustrafen, wenn erhebliche Wachstumsausgaben angekündigt werden. Damit Unternehmen weiterhin Wert schaffen können, müssen sie jedoch in Wachstum investieren. „Wachstum um jeden Preis gehört der Vergangenheit an, aber Wachstum ohne Kosten ist ein Hirngespinst. Das derzeitige inflationäre Umfeld erschwert die Situation für den Goldsektor zusätzlich“, sagt Foster.

„Die Goldaktien scheinen sich in einer Übergangsphase zu befinden. Der Markt mag die Gesundheit der Branche anerkennen, aber es könnte länger dauern, zu zeigen, dass der Sektor langfristig und trotz der Entwicklungen des Goldpreises weiterhin gute, nachhaltige Ergebnisse liefern kann“, so Foster. „In dieser Übergangsphase müssen die Unternehmen unbedingt ihre Ziele erreichen, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten.“ Letztendlich sollte dieser disziplinierte Ansatz dazu führen, dass sich Goldunternehmen ihren Platz als attraktive Anlage innerhalb des breiteren Aktienuniversums verdienen.