Meldungen | Rohstoffe
09.04.2021

Was passiert mit dem テ僕preis?

Obwohl die OPEC+ die Förderquote zuletzt erhöhte, zeigt sich der Ölpreis erstaunlich robust, meint Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Er geht auf die Hintergründe der Entwicklung ein.

Eugen Weinberg, Commerzbank

Eugen Weinberg, Commerzbank

Commerzbank

Das Treffen der OPEC+ vergangenen Donnerstag versprach im Vorfeld keine Überraschung, erklärt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Schließlich hatte das Gemeinsame Technische Komitee der Allianz zuvor die Nachfrageschätzung nach unten revidiert. Auch hatte Saudi-Arabien angesichts der Nachfragerisiken vor einer vorschnellen Angebotserhöhung gewarnt. Deshalb rechneten die meisten Marktbeobachter mit einer Beibehaltung der bisherigen Produktionskürzungen und der freiwilligen Kürzungen seitens Saudi-Arabiens.

Doch das Treffen endete mit einer faustdicken Überraschung. Denn die Gruppe hat sich auf eine deutliche (wenngleich schrittweise) Erhöhung der Produktion in den kommenden drei Monaten geeinigt. Im Mai soll sich das Ölangebot der OPEC+ um 350 Tausend Fass täglich erhöhen, im Juni nochmals um 350 Tausend und im Juli um weitere 450 Tausend Fass. Gleichzeitig will Saudi-Arabien die seit Februar bestehende freiwillige zusätzliche Produktionskürzung von 1 Million Fass täglich zurücknehmen und seine Produktion im Mai um 250 Tausend, im Juni um 350 Tausend und im Juli um 400 Tausend Fass täglich erhöhen. Insgesamt wird das Angebot der OPEC+ also bis Juli um 2,15 Millionen Fass täglich steigen. Damit würde sie für einen erneuten Angebotsüberschuss am Ölmarkt sorgen und das erklärte Ziel des Abbaus der überschüssigen Rohölbestände zunächst aufgeben.

Was passierte beim Treffen?

Darüber, was auf dem Treffen passiert ist, kann man nur spekulieren. Es hatte allerdings kurz zuvor ein Telefonat zwischen den Energieministern Saudi-Arabiens und der USA gegeben. Möglich ist auch, dass sich genauso wie vor einem Jahr die zwei wichtigsten Länder der Allianz, Russland und Saudi-Arabien, nicht einigen konnten.

Einen Hinweis darauf, ob dies zu einem erneuten „Preiskrieg" führt, könnte es eventuell schon diese Woche geben, sollte Saudi-Arabien die Preisaufschläge für Mai-Lieferungen an asiatische und europäische Kunden senken. Die Marktreaktion auf diese Entwicklungen am Donnerstag war erstaunlich, wobei die Preise für Brent und WTI um 2-3 Prozent nach oben schossen. Gestern wurde dies wieder korrigiert, wobei der Brentölpreis von über 64,5 US-Dollar zeitweise unter 61,5 US-Dollar je Fass sank. Das Geschehen am Ölmarkt dürfte sehr spannend bleiben.