Meldungen | Marktkommentar, Währungen
26.06.2020

Was treibt die Devisenmärkte an?

Die Währungsmärkte teilen bislang den Optimismus anderer Anlageklassen, meint man bei der DWS. Allerdings führt die globale Nullzinspolitik zu einer Verschiebung der Treiber der Devisenkurse.

Stefanie Holtze-Jen, DWS

Stefanie Holtze-Jen, DWS

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So furchterregend der Absturz der Märkte in der Coronakrise ist, so beeindruckend und in ihrem Tempo für viele unerwartet verläuft bisher die Erholung, meint Stefanie Holtze-Jen, Devisenstrategin bei der DWS. Dass sie zu großem Teil den rekordhohen fiskalischen und monetären Hilfspaketen geschuldet war, hat die Anleger zunächst einmal wenig gestört. Vielmehr stellen sich viele die Frage, ob es für die Performance einen Unterschied macht, wie nah eine Anlageklasse an den massiven Eingriffen der Zentralbanken dran ist.

Zwei Extreme, die sich hier anbieten, sind europäische Unternehmensanleihen, die die Europäische Zentralbank (EZB) direkt kaufen kann, und der Wechselkurs zwischen dem japanischen Yen und dem australischen Dollar. Der Yen ist ein beliebtes Absicherungsinstrument, das typischerweise in Phasen steigender Risikoaversion im Wert zulegen kann. Demgegenüber steht mit dem australischen Dollar ein Instrument, das wegen der hohen Rohstoffabhängigkeit der australischen Wirtschaft als ein guter Gradmesser für die Weltkonjunktur gilt. Eine anziehende Weltkonjunktur und die damit verbundene Nachfrage nach Rohstoffen sollten ihn also stützen. Dieses Währungspaar kann also gleichermaßen von fundamentalen Faktoren wie auch von Stimmungslagen der Anleger geprägt sein.

Offensichtlicher Gleichlauf

Der Gleichlauf zwischen Yen gegenüber dem australischen Dollar einerseits und dem Risikoaufschlag Euro-denominierter Unternehmensanleihen andererseits seit Ausbruch der Krise ist sehr deutlich geworden. Andere Anlageklassen, nicht zuletzt Aktien, spiegeln diese Beobachtung: Auch wenn die Zentralbanken in einigen Segmenten gezielt eingreifen, strahlen ihre Interventionen letztlich auf alle Anlageklassen durch. Ob diese starke Korrelation aber bestehen bleibt, falls sich zeigen sollte, dass die wirtschaftliche Erholung trotz großzügiger Geldpolitik an Schwung verliert, ist fraglich. Holtze-Jen stellt dazu fest, dass sich die Währungspaare wie selten zuvor von fundamentalen Gesichtspunkten losgelöst haben. „Durch die Nahe-Nullzinspolitik fast aller großen Zentralbanken ist das Zinsdifferenzial als Treiber der Devisenkurse vorerst entfallen. Die Risikowahrnehmung tritt damit in den Vordergrund. Als Gradmesser für die Risikoneigung der Anleger funktioniert unserer Meinung nach derzeit der Yen sehr gut, vor allem gegenüber dem australischen Dollar. Anders gesagt: An schwachen Markttagen ist man im Yen weiter gut aufgehoben."