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12.11.2018

Welche Folgen MiFid II und IDD haben könnten

Die Zielmarktbestimmungen seien zu abstrakt und oft unbrauchbar, Zertifikate könnten einen neuen Boom erleben und Investmentfonds in den Hintergrund drängen, warnt Hermann Stöckl, Geschäftsführer des Vermögensberaters VPI.

Hermann Stöckl, Geschäftsführer VPI

Hermann Stöckl, Geschäftsführer VPI

Foto: VPI

Ehrlich, redlich, transparent und im bestmöglichen Interesse des Versicherungsnehmers - so soll die Kundenberatung entsprechend der neuen Finanzvermittler-Richtlinien MiFid II und IDD erfolgen. „Das klingt eigentlich ganz simpel. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail“, warnt Hermann Stöckl, Finanzexperte und Geschäftsführer der VPI Vermögensberatung GmbH, vor weitreichenden Konsequenzen für Finanzberater und Kunden. Denn ab sofort steht der Beratungsprozess im Fokus von Finanzmarktaufsicht und Konsumentenschützern. In Zukunft spielen Angemessenheit und Geeignetheit von Wertpapieren sowie fondsgebundenen oder kapitalbildenden Lebensversicherungen eine bedeutende Rolle. Dabei müssen sich Vermittler fragen: Versteht der Kunde oder die Kundin das Produkt? Und ist die Anlage für den Kunden oder die Kundin persönlich zu empfehlen? Auf den Prüfstand müssen zudem die finanziellen Verhältnisse, einschließlich der individuellen Verlusttragfähigkeit des Einzelnen. Auch die Anlageziele inklusive Risikotoleranz sowie die Kenntnisse und Erfahrungen in Bezug auf den Produkttyp müssen hinterfragt werden. Und schließlich: Passt der Kunde oder die Kundin überhaupt in den Zielmarkt des Produkts? „Genau da wird es aber schwierig“, sagt Stöckl, denn „die Zielmarktdefinitionen bleiben meist derart abstrakt, dass Zielmärkte nahezu jeden miteinschließen.“

Zielmärkte sind viel zu abstrakt definiert

Beispielsweise finde man auf Produkt-Factsheets Empfehlungen wie: „Tendenziell befinden sich Kunden, die für dieses Produkt infrage kommen, in der Altersgruppe 50 plus. Es kann aber auch für jüngere Kunden, die die oben genannten Wünsche und Bedürfnisse haben, die passende Lösung sein.“ Somit ist das Produkt mehr oder weniger für jedermann geeignet. Aber auch Berater können ihren Zielmarkt nicht immer exakt bestimmen, meint Hermann Stöckl: „Wie soll ein Bankberater erkennen, ob ein Kunde, den er vielleicht zum ersten Mal sieht oder mit dem er eine Online-Beratung durchführt, in den Zielmarkt passt? Die Folge ist: Es kommt kein Compliance-konformes Geschäft zustande und der Kunde hat ein ewiges Rücktrittsrecht.“ Ein ähnliches Problem sieht der Finanzberater auf die Immobilienentwickler zukommen.

"Beratungsfreies Geschäft" wird boomen

Für Hermann Stöckl gibt es daher nur ein mögliches Szenario: „Die Banken werden sich in Zukunft auf das beratungsfreie Geschäft konzentrieren. Das heißt: Anstelle von Investmentfonds werden Bankberater ihren Kundinnen und Kunden in Zukunft nur noch Aktien- und Anleihenzertifikate mit Gewinnversprechen oder einer Umwandlungsoption am Ende der Laufzeit anbieten. Denn bei allen Anlageprodukten, die einen Tagespreis haben, kann im Nachhinein schwer argumentiert werden, dass sich der Kunde oder die Kundin dieses Investment ausgesucht hat.“ Dabei wollte der Gesetzgeber mit den strengeren Regelungen genau das Gegenteil erreichen: Berater und Kunde sollten ein Dauerschuldverhältnis eingehen, damit sichergestellt werden kann, dass Kundinnen und Kunden individuell passende Lösungen bekommen und diese im Laufe der Jahre auch an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden.