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17.05.2017

Wie die Aktienkultur f├Ârdern?

Zum Auftakt des 4. Finanzplaner Forum Österreich in Wien am 8. und 9. Mai 2017 fand eine Podiumsdikussion zum österreichischen Kapitalmarkts statt. Dabei ging es um Steuern, die Altersvorsorge und kleine AGs.

Adam Lessing (VAIÖ), Christoph Boschan (Börse Wien)

Adam Lessing (VAIÖ), Christoph Boschan (Börse Wien)

Foto: FPF/Kovic

Der CEO der Wiener Börse, Christph Boschan, hielt das Impulsreferat zur Diskussion, in dem er auf die Stärken aber auch die Probleme der Wiener Börse hinwies. Wer in den letzten 15 Jahre im ATX investiert gewesen ist, habe immerhin eine jährliche Rendite von 6% erwirtschaftet. "Leider ist die Aktienkultur nicht so ausgeprägt wie es wünschenswert wäre", so der Börse-Chef. Als Gegenmaßnahme schlug er vor, die Kapitalertragssteuer abzusenken, insbesondere für Bezieher niedrigerer Einkommen.

In der folgenden von Presse-Redakteur Jakob Zirm moderierten Diskussion kamen neben Christoph Boschan auch Adam Lessing, Vorstandsmitglied der VAIÖ, Matthis Köchl, Nationalratsabgeordneter der Grünen, und Andreas Zakostelsky, Nationalratsabgeordneter der ÖVP, zu Wort. Nach ganz grundsätzliche Fragen des Kapitalmarkts, ging es um die Einstellung der Politik zu Vermögensbildung und Kapitalmarkt sowie um Altersvorsorge. Adam Lessing räumte dabei ein, dass die Wiener Börse selbst sehr gut arbeite, dass aber das Kapitalmarktumfeld wenig freundlich sei. Für große internationale Investoren wie Fondsgesellschaften sei die Wiener Börse zu wenig liquid, man könne daher dort kaum investieren.

Neue Unternehmensfinanzierung

Andreas Zakostelsky meinte, dass die Erhöhung der KESt nicht gut gewesen sei, aber im Rahmen eines poltischen Kompromisses ausgehandelt wurde. Breiten Raum nahmen neben den Möglichkeiten, in der Bevölkerung einen Stimmunsgumschwung herbeizuführen, auch zwei weitere Fragen ein: Neue Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung und die Verbesserung der Altersvorsorge. Matthias Köchl plädierte dafür, als neue Unternehmensform die kleine AG (wie in Deutschland) einzuführen. Boschan bedauerte, dass das Einstiegssegment der Wiener Börse wegreguliert worden sei. Zakostelsky forderte zur Hebung der Aktienkultur bereits in den Schulen mehr Finanzbildung. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass neben der staatlichen Altersvorsorge dringend die 2. und die 3. Säule der Pensionsvorsorge gestärkt werden müssten. Als es allerdings wieder um steuerliche Anreize für die private Altersvorsorge ging, meinte Adam Lessing, man solle nicht wieder in den Fehler verfallen, mit steuerlichen Anreizen die Wirkkräfte des Marktes aushebeln zu wollen: "Das ist noch nie gut gegangen."