„Wir haben Vertrauen in europäische Unternehmen“
Olivier Huet, ist Aktienfondsmanager bei Edmond de Rothschild Asset Management in Paris, setzt auf Unternehmen, die nicht von der schwachen Konjunktur in Europa abhängen.

Olivier Huet, Aktienfondsmanager bei Edmond de Rothschild
EdR Asset Management
Die Ängste sind zurückgekehrt. Griechenland ist wieder in den Schlagzeilen, und Spanien muss seine angeschlagenen Banken retten. Trotz der krisenhaften Zuspitzung in Europa zeigen die Märkte etwas mehr Aufwärtsdynamik als im Vorjahr. Das könnte darauf hindeuten, dass die Marktbereinigung vorüber ist und jetzt wieder rationaler gehandelt wird. Die Erwartungen sind vernünftig und erreichbar, so lange die Katastrophe ausbleibt und Griechenland die Eurozone nicht verlässt. Europas Politiker scheinen zudem inzwischen eine größere Bereitschaft zu entwickeln, neben dem Schuldenabbau auch das Wachstum zu fördern. Das werten wir als positives Zeichen. Was wir brauchen, sind Wachstumsprojekte in der Eurozone. Die Lage bleibt zwar kompliziert, aber wenn die großen Bedrohungen etwas abklingen und das griechische Problem gelöst wird, können wir etwas ruhiger in die Zukunft blicken.
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es in den nächsten zwölf Monaten innerhalb der Eurozone kein Wachstum geben wird. Doch auch wenn diese Aussichten wenig Grund für Optimismus bieten, sehen wir aktuell keinen Anlass für Schwarzmalerei an den Märkten. Global rechnen wir mit einem Wachstum von rund 3,5%, angetrieben von den Schwellenländern. Dieses weltweite Wachstum reicht für viele europäische Unternehmen völlig aus, um Gewinne zu erzielen.
Wir haben großes Vertrauen in europäische Unternehmen und sind von ihren Ergebnissen nach wie vor angenehm überrascht. Es zahlt sich aus, dass viele Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren massiv Kosten gesenkt haben. Diese Firmen glänzen auch dann mit guten Ergebnissen und starken Bilanzen, wenn der Umsatz nur wenig steigt. Unsere Analysen fallen aber weiterhin deutlich zugunsten der Unternehmen aus, die ihre Geschäfte außerhalb Europas machen und nicht von der schwachen europäischen Konjunktur abhängig sind. Aufgrund einer hohen Präsenz in wachstumsstarken Märkten dürften sie von der globalen wirtschaftlichen Dynamik am meisten profitieren. Wichtig erscheint aber auch, dass jene Firmen eine echte und nachhaltige Stärke in den strukturellen Wachstumsmärkten aufweisen. Deshalb konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die zu langfristigem Projektengagement entschlossen sind, sodass sie ihre Wettbewerbspositionen in diesen Regionen ausbauen können.
Unser Augenmerk gilt auch solchen Unternehmen, die keinerlei Finanzierungsprobleme haben. Bei europäischen Unternehmen mit einem hohen Fremdkapitalanteil, die komplexe Umstrukturierungen benötigen und deren Refinanzierung durch die Banken nicht sicher ist, ist Vorsicht geboten. Die Kreditvergabe der Banken ist derzeit gering und bringt einige Konzerne in Schwierigkeiten.
Exportstarke europäische Unternehmen profitieren vom schwächeren Euro-Wechselkurs
Ein schwacher Euro stützt nicht nur die Luftfahrt- und Luxusgüterbranche, er hilft auch Investitionsgüterunternehmen aus Frankreich und Deutschland. Allerdings sollte man die Exportchancen auch nicht überbewerten. Die großen europäischen Player sind immer stärker vor Ort präsent, um Währungsschwankungen langfristig besser umgehen zu können.
Der vielversprechendste Sektor sind für uns derzeit Konsumgüter. Für sinnvoll halten wir eine Übergewichtung von europäischen Luxusgüterwerten sowie Getränke- und Nahrungsmittelherstellern. Auch Pharmawerte sind trotz der bereits sehr guten Entwicklung in 2011 nach wie vor attraktiv. Zwar ist der Bereich aktuell in Wartestellung, hat jedoch ein sehr attraktives Wachstumsprofil. Grundsätzlich ist ein hoher Marktanteil aufgrund der Preismacht der Unternehmen für uns entscheidend.
In China beispielsweise gab es wegen unzuverlässiger lokaler Unternehmen viele Skandale in der Nahrungsmittelindustrie und in der Pharmabranche. Derartige Entwicklungen geben europäischen Unternehmen einen Trumpf in die Hand, denn die Unternehmen vor Ort haben keine vergleichbare Qualität und Breite des Produktangebots sowie eine geringere Marktmacht. Wir sind zudem überzeugt, dass sich zyklische Aktien in den nächsten Monaten überproportional gut entwickeln könnten, wenn wir aus China gute volkswirtschaftliche Zahlen erhalten. Wir denken aber dann an Gewinnmitnahmen, wenn defensive Papiere von zu vielen Anlegern als sichere Häfen eingestuft werden.
