Meldungen | Beratung, Finanzierung
30.05.2018

Worauf Kreditnehmer achten sollten

Eine so weitreichende Entscheidung wie die Aufnahme eines Kredits sollte gut durchdacht sein. Sonja Ebhart-Pfeiffer und Gerfried Karner vom Österreichischen Verband Financial Planners geben Tipps für angehende Immobilien-Eigentümer.

Sonja Ebhart-Pfeiffer, Verband Financial Planners

Sonja Ebhart-Pfeiffer, Verband Financial Planners

Foto: Verband Financial Planner

Laufend steigende Mietkosten und das anhaltend niedrige Zinsniveau sorgen dafür, dass aktuell viele Mieter mit dem Gedanken spielen, ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Gerade die derzeit verhältnismäßig günstigen Konditionen für eine Kreditfinanzierung machen diese Überlegung für viele verlockend. Auf das dafür obligatorische Beratungsgespräch kann und soll sich jeder potenzielle Kreditnehmer gut vorbereiten. Auch wenn das Umfeld für Kreditnehmer derzeit attraktiv erscheint, sollten Interessenten bei der Entscheidung nichts überstürzen: „In der Regel sehen Banken gerne 20 bis 30 Prozent Eigenkapital, die restliche Summe kann über einen Kredit finanziert werden“, erklärt Sonja Ebhart-Pfeiffer, Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbands Financial Planners und Finanzberaterin bei der Finum.Private Finance AG. „Was die benötigte Kreditsumme anbelangt, so sollte man nicht den Fehler begehen, nur mit den reinen Anschaffungs- oder Baukosten zu kalkulieren. Wenn man von einer 80 Quadratmeter Wohnung in ein 160 Quadratmeter Haus zieht, ist es unrealistisch, keine Kosten für die Einrichtung anzusetzen.“ Im Sinne der Planungssicherheit rät die Expertin, eine längere Kreditlaufzeit zu vereinbaren – das senkt auch die monatliche Kreditrate. Wobei als Faustregel gilt, dass man mit dem Pensionsantritt weitestgehend schuldenfrei sein sollte. Darüber hinaus empfiehlt die Expertin, mit der Bank die Möglichkeit von Sondertilgungen zu vereinbaren, falls doch mehr Geld für die Rückzahlung übrig bleibt. Das verkürzt entweder die Laufzeit oder senkt die monatliche Rate.

Fixe oder variable Verzinsung?

Kredite können entweder mit einem Fixzinssatz oder mit variabler Verzinsung abgeschlossen werden – beides hat Vor- und Nachteile. Gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase lässt ein variabler Zinssatz die monatlichen Belastungen vermutlich überschaubar erscheinen. Allerdings steigen diese parallel mit einem etwaigen Anstieg der Zinsen. Wer einen fixen Zinssatz vereinbart, kann sich für diese Zeit gegen das Kreditnehmer-Risiko steigender Zinsen absichern. „Mit jeder Absicherung gehen grundsätzlich Kosten einher. Im Vergleich zu einer reinen variablen Kreditrate ist die monatliche Belastung bei einer Fixverzinsung in der Regel höher“, sagt Gerfried Karner, ebenfalls Vorstandsmitglied beim Österreichischen Verband Financial Planners und Gesellschafter bei der Finanzierungsplattform BIS Kredit Austria. Weitere Möglichkeiten zur Absicherung gegen steigende Zinsen stellen Zinsbandbreitenfinanzierungen oder auch Zinscaps dar – hier kann für eine gewisse Laufzeit gegen eine Einmalzahlung eine Zinssatzobergrenze fixiert werden. Viele Banken gewähren einen Fixzinssatz übrigens nicht für die gesamte Laufzeit, häufig geht er nach einigen Jahren in eine variable Verzinsung über.

Ein Beispiel eines Kunden mit sehr guter Bonität illustriert, wie so eine Vereinbarung in der Praxis aussehen kann und welche Szenarien denkbar sind. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren und einem Finanzierungsbetrag von 100.000 Euro wird ihm für die Hälfte der Laufzeit ein Fixzinssatz von 1,75 Prozent gewährt. Die monatliche Kreditrate beträgt dann, zehn Jahre lang und monatlich fix kalkulierbar, 494 Euro. Bei variablen Zinskonditionen wäre der Zinssatz mit 1,125 Prozent derzeit niedriger und die monatliche Rate für den Kunden günstiger – sie würde sich auf nur 466 Euro belaufen. Steigt allerdings der derzeit negative Euribor, der von vielen Bankinstituten als Referenzwert für Kreditzinsen herangezogen wird, sieht die Rechnung schon wieder anders aus. Denn bei einem Euribor von 0,25 Prozent würde die monatliche Kreditrate schon jener der Fixverzinsung entsprechen. Sollte der Euribor wie im Jahr 2008 auf 4,63 Prozent klettern, wäre der variable Zinssatz sogar bei 6,125 Prozent und die monatliche Belastung würde mit 724 Euro zu Buche schlagen.

Haushaltsrechnung glaubwürdig darstellen

Um sich abzusichern, prüft die Bank bei der Kreditvergabe naturgemäß, ob sich der Kunde die monatliche Kreditrate auch leisten kann. Dafür fordert sie eine Haushaltsrechnung. „Diese sollte die tatsächlichen Verhältnisse möglichst real darstellen. Die Situation für die Bank und auch für sich selbst mit unrealistischen Angaben zu beschönigen, dient letztlich niemandem“, gibt Ebhart-Pfeiffer zu bedenken. Variable Gehaltsbestandteile und Zulagen sollten etwa nur dann bei den Einnahmen angeführt werden, wenn sie wirklich regelmäßig auf dem Gehaltskonto eingehen. Banken wird auch interessieren, wie Kreditraten während vielleicht bevorstehender Karenzzeiten bedient werden, oder, falls aktuell eine Teilzeitbeschäftigung vorliegt, ob und wann wieder Vollzeit gearbeitet wird.

Bei bereits bestehenden Krediten Umschuldung prüfen

Wer in der Vergangenheit, als die Zinsen noch viel höher waren als zuletzt, einen Kreditvertrag abgeschlossen hat und einen Fixzinssatz vereinbart hat, wird sich angesichts der derzeit niedrigen Zinsen vermutlich ärgern. „Es empfiehlt sich, das Gespräch mit der Bank zu suchen, denn so lange das Zinsniveau noch so tief ist, kann es sich rentieren, eine bereits bestehende Kreditfinanzierung überprüfen zu lassen“, rät Karner. Eventuell bestehe die Möglichkeit, jetzt einen niedrigeren Fixzinssatz oder eine variable Verzinsung auszuhandeln. Generell sei es ratsam, gerade vor großen finanziellen Entscheidungen wie der Aufnahme eines Kredites professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. „Ein zertifizierter Finanzplaner mit entsprechender Erfahrung im Kreditbereich bereitet im Vorfeld alle wesentlichen Fragen mit dem Kunden strukturiert auf und holt so die für den Kunden individuell am besten passende Finanzierungslösung ein“, ist Karner überzeugt.