Inhalt | Printausgabe 04/2021
20.01.2022

Wie Anleger messbare Wirkungen mit Impact-Investments erzielen

Viele Anleger wollen neben einer finanziellen Rendite eine messbare Wirkung erreichen. Zwei Wege stehen ihnen dafür offen. Die Messung des Impacts erweist sich aber oft noch als schwierig. Vor einem Einstieg sollten Anlagestrategie, Wirkungskontrolle und Transparenz geprüft werden – damit Erwartung und Wirklichkeit zusammenpassen.

von Kay Schelauske

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Grünes Licht für Impact-Investments: Nach Angaben des Global Impact Investing Network ist der Markt für Impact-Investing weltweit bereits 715 Milliarden US-Dollar schwer. Im Vergleich zum Gesamtmarkt nachhaltiger Investments, den NN investment partners auf gut 35 Billionen US-Dollar beziffert, ist das Volumen zwar noch überschaubar. Das Wachstum von 209 Milliarden US-Dollar in 2019 lässt jedoch auf einen weiter wachsenden Markt schließen, ordnet das Forum Nachhaltige Geldanlagen in seinem aktuellen Impact-Report ein.

Wachstumstrend intakt

Die jüngste Entwicklung im DACH-Raum bestätigt diese Einschätzung: Das Marktvolumen hat sich 2020 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt (siehe Tabelle auf S. 28). Den Bärenanteil lieferte allerdings die Schweiz mit einem Anteil von umgerechnet fast 80 Milliarden Euro. Hinsichtlich des Wachstumspotenzials verweist das FNG aber auf eine eigens durchgeführte Umfrage zum Thema Impact. Danach räumen drei Viertel der Befragten bei der Gestaltung von Finanzprodukten ihrem sozial-ökologischen Impact einen sehr wichtigen oder wichtigen strategischen Stellenwert ein. Ebenso erwartet man bei der niederländischen Investmentgesellschaft ein „rasantes Wachstum“. Die Haupttreiber: staatliche Initiativen für „grünes“ Wachstum, die Regulierung und eine steigende Anlegernachfrage.

Investoren können Impact-Investments auf zwei Wegen vollziehen. Der erste ist eng gefasst und bezieht sich auf Kapitalanlagen, die eine unmittelbare Wirkung erzielen, eine Wirkung also, die es ohne das Investment nicht gegeben hätte. Masja Zandbergen, verantwortlich für ESG-Integration beim Fondsanbieter Robeco, verweist hierzu beispielhaft auf Beteiligungsprojekte in Bereichen wie Wasserversorgung, erneuerbare Energien, Mikrofinanz und Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Auch die Emission von Green Bonds ist hier zu nennen, sofern die Realisierung eines nachhaltigen Projekts direkt von der „grünen“ Anleihefinanzierung abhängt. Bei Impact-Aktien- oder Anleihefonds geht dieser direkte Bezug verloren, sodass sich Anleger hier auf den zweiten, breiter gefassten Weg begeben.

So verweist Amundi Asset Management bei ihren Impact-Lösungen auf eine Handvoll Fondsstrategien, bei denen es sich fast ausschließlich um Anleihefonds handelt. „Seit Ende 2020 bieten wir einen Amundi Social Bond an, der zumindest 75 Prozent in Social Bonds nach den International Capital Market Association (ICMA) Social Bond Prinzipien investieren muss“, sagt Andreas Steinert, Head of ESG Amundi Deutschland und ergänzt, dass die 25 Prozent übrigen Anleihen von Unternehmen stammen, die erhöhten sozialen Anforderungen genügen müssen. Die Investmentgesellschaft unterwirft die ökologischen oder sozialen Anleihen einer ESG-Analyse durch ein eigenes Analystenteam, sodass die nachhaltigen Zielsetzungen, deren Konsistenz mit der Unternehmensstrategie und die Einhaltung der ICMA-Prinzipien vorab analysiert werden. Steinert betont: „Das begrenzte Anlageuniversum und die Fokussierung auf Anleihefonds hilft, um die Berichtsanforderungen und damit die Wirkungsanforderungen kontrollieren zu können.“

Auf der Aktienseite wird dieser breitere Weg durch eine Wirkungsmessung in Bezug auf die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen beschritten – angefangen beim Ziel 1 „keine Armut“ bis hin zu Ziel 17 „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“. Dabei geht es um Fragestellungen wie: „In welchem Ausmaß erstellen Unternehmen Produkte und Dienstleistungen, die einen eindeutigen Beitrag zu einigen der Nachhaltigkeitsziele leisten? Und in welchem Umfang entwickeln sie neue Geschäftsmodelle und weiten ihre Geschäftstätigkeit auf bislang zu wenig abgedeckte Märkte, Länder oder Regionen aus“, erläutert Zandbergen. „Wir erstellen SDG-Reports für Portfolios, die in Sekundenschnelle genau aufschlüsseln, inwieweit jeder Portfoliotitel den SDGs Vorschub leistet oder ihnen schadet“, sagt Maximilian Horster, Head of ISS ESG bei dem Research-Anbieter Institutional Shareholder Services, kurz ISS. Im Mittelpunkt der Analysen, die aktuell für rund 10.000 Unternehmen möglich sind, stehen drei Wirkungsstränge: die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens, dessen operatives Management sowie seine Beteiligung an und Reaktionsfähigkeit auf Kontroversen.

Wie sich das Angebot solcher Impact-Investments in der Praxis darstellt, zeigen Beispiele von Fondsgesellschaften, die FONDS exklusiv befragt hat. Die Raiffeisen KAG hat innerhalb ihrer breiten Palette an Nachhaltigkeitsfonds zweien einen Impact-Fokus verpasst. „Unser Raiffeisen-GreenBonds investiert vornehmlich in Anleihen zur Finanzierung von Umweltprojekten im Bereich des Klimaschutzes, wie u. a. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“, beschreibt Wolfgang Pinner, Bereichsleiter Corporate Responsibility der Raiffeisen KAG, die Fondsausrichtung (siehe Interview auf Seite 28). Bei dem zweiten Nachhaltigkeitfonds mit Impact-Fokus handelt es sich um den Raiffeisen-SmartEnergy-ESG-Aktien, der auf Themen rund um die Energiewende setzt.

Mehr Impact auf SDGs

„Unsere Palette an Impact-Equity-Strategien umfasst derzeit drei Fonds, die sich jeweils auf die Bewältigung einer dieser Herausforderungen konzentrieren, und einen vierten Fonds, der in die Erreichung aller drei Ziele investiert“, sagt Marina Iodice, Senior Portfolio Managerin bei NN IP und verweist auf die Ziele 3 („Gesundheit und Wohlergehen“), 13 („Klimaschutz“) und 12 („Nachhaltiger Konsum und Produktion“). Angesichts der Tatsache, dass die Bewältigung der Klimakrise das drängendste Problem der Menschheit ist, geht Iodice davon aus, dass man den Schwerpunkt künftig verstärkt auf Investitionen legen werde, die Zugang zu erneuerbaren Lösungen wie Solar- und Windenergie und Energieeffizienzprodukten bieten.

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