Inhalt | Print-Ausgabe 04/2016
16.12.2016

Bulle oder Bär – Wer bleibt oben?

Trump ist Trumpf. Nach einem kurzen Rücksetzer spielen die US-Börsen die Trump-Karte. Die Kursbarometer stiegen kräftig an. Eine Momentaufnahme oder erklimmen die Bullen neue Höhen? Die günstiger bewerteten Aktienmärkte Europas könnten die bessere Anlageperspektive bieten. Wo werden Bulle und Bär im Jahr 2017 heimisch werden? FONDS exklusiv fragte bei Fondsanbietern und Vermögensverwaltern nach.

von Kay Schelauske

Foto: Fotolia.de

"Schauen Sie, alles was ich heute sage … alles sind nur Vorschläge. … ich bin total flexibel bei vielen, vielen Themen und glaube, das muss man auch sein." Diese Worte Donald Trumps aus dem Frühsommer dieses Jahres scheinen symptomatisch für den Mann zu sein, der vor wenigen Wochen die Präsidentschaftswahlen in den USA gewann. „Es ist zurzeit sehr schwer abzuschätzen, was Donald Trump erreichen möchte und erreichen kann. Wenn bei Trump etwas berechenbar ist, dann doch, dass nichts berechenbar ist“, meint Elmar Peters, Fondsmanager und Co-Leiter des Multi-Asset-Teams bei der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. Das zeigte sich schon bei seinen ersten Gehversuchen als neu gewählter US-Präsident, sei es im Gespräch mit dem derzeitigen Amtsinhaber im Weißen Haus, im TV-Interview oder in seiner Video-Botschaft via YouTube. Bei dem Thema Abschiebung von illegalen Einwanderern ruderte er ebenso zurück wie bei „obamacare“. „Manchmal braucht man eine bestimmte Rhetorik, um die Leute zu motivieren“, sagte Trump in die laufende Kamera. Eines scheint jedoch Bestand zu haben, das Credo seines Handelns: America first.

Am ersten Tag seiner Amtszeit als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – es wird der 20. Januar 2017 sein – will er den Ausstieg der USA aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP verfügen. Trump hält das noch nicht ratifizierte Abkommen für ein „potenzielles Desaster“ und will stattdessen bilaterale Handelsabkommen abschließen. So sollen amerikanische Interessen gewahrt, Jobs im Land geschaffen bzw. zurückgeholt werden. Mit derselben Stoßrichtung will der künftige US-Präsident die vielfach marode amerikanische Infrastruktur modernisieren, die Unternehmenssteuern senken sowie die Kohle- und Ölindustrie von staatlichen Klima-Auflagen befreien. „Es ist sehr gut vorstellbar, dass die von Trump angekündigten Infrastrukturinvestitionen zu einem schuldenfinanzierten Wirtschaftswachstum beitragen werden. Auch die angekündigten Steuersenkungen sowohl bei den Unternehmens- als auch bei den Einkommenssteuern dürften das Wirtschaftswachstum ankurbeln“, sagt Christoph Bruns, Fondsmanager und Vorstand des Vermögensver walters Loys. Auch bei Flossbach von Storch rechnet man dann zumindest mit vorübergehend positiven Auswirkungen auf das amerikanische Wirtschaftswachstum.

 

 

 

Demokraten schlagen Republikaner (bitte auf das Bild klicken um zu vergrößern)

 



Trump’scher Gewinnsprung

Die US-Aktienmärkte hatten den ersten Schock nach der unerwarteten Niederlage von Hillary Clinton schnell überwunden und kennen seitdem nur eine Richtung: gen Norden. Mit deutlichen Zuwächsen kletterte der Dow Jones seither über 1000 Punkte und der S&P 500 über 100 Punkte nach oben. Für Peters weist der nur kurze und begrenzte Rücksetzer an den Aktienmärkten direkt nach der Wahl auf einen „Anlagenotstand“ in Zeiten expansiver Geldpolitiken mit historisch niedrigen Zinsen hin. „Sehr viele Investoren sitzen auf hohen Cash-Beständen und möchten Kursschwächen für Käufe nutzen. In den USA ist der Dow Jones Index sogar auf einen neuen Höchststand geklettert. Aber das ist nur eine Momentaufnahme“, ergänzt der Co-Teamleiter bei Flossbach von Storch. Wie geht es also weiter? „Die US-Indizes haben neue Rekordstände erreicht. Wir haben aufgrund des Wahlausgangs keine größeren Veränderungen an unseren Kurszielen gemacht“, sagt Thomas Schüssler. Für den zukünftigen Co-Head Global Equities bei der Deutsche AM sind dafür die möglichen positiven wie negativen Implikationen des Politikwechsels in den USA noch zu wenig greifbar.

 

So könnten US-Aktien zwar von Deregulierung und einem Fiskalprogramm profitieren, gleichzeitig aber unter einem starken Dollar und weiterem Lohndruck leiden. Steigende Zinsen würden zudem gegen eine Erhöhung der Bewertungsmultiplikatoren sprechen. Allerdings könnte der Trump-Schub dazu führen, dass sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) noch ein weiteres Jahr auf dem hohen Niveau von rund 18 halten wird (siehe Grafik auf der nächsten Seite). „Sollte Trump die Unternehmenssteuern wie angekündigt von heute 37 auf 15 Prozent senken, dann folgt daraus ein Gewinnsprung für die Unternehmen und die Bewertung ame rikanischer Aktien wäre dann beim jetzigen Niveau angemessen“, sagt der Loys-Vorstand. Wenn nicht, wirken US-Aktien teuer, ergänzt Bruns, zumal die US-Zinsen nach oben zu drehen scheinen. Schüssler sieht aber keinen Grund, das Ziel-KGV anzuheben, da den höheren Bewertungen einiges entgegensteht, wie der Margendruck durch Lohnsteigerungen, steigende Zinsen und insgesamt maues organisches Wachstum. Ganz zu schweigen von der politischen Unsicherheit, die der Wahlausgang mit sich bringt.

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