Inhalt | Print-Ausgabe 01/2019
11.04.2019

Comeback der Deutschland-Fonds

Nach dem desillusionierend schwachen Börsenjahr 2019 sind die meisten großen Aktienindizes positiv ins neue Jahr gestartet. Auch der Deutsche Aktienindex (DAX) macht da keine Ausnahme. Schon der Januar endete mit deutlichen Kursgewinnen – ein gutes Omen für das Gesamtjahr 2019.

von Wolfgang Regner

Foto: Fotolia

Die deutsche Wirtschaft trübt sich weiter ein. Zum Jahresende 2018 war es bereits eng: Deutschland ist im Schlussquartal mit einem Miniwachstum nur knapp an einer sogenannten technischen Rezession vorbeigeschrammt, also zwei Minusquartalen in Folge. Im dritten Quartal waren es minus 0,2 Prozent. Für das Jahr 2019 rechnen Forschungsinstitute unter dem Strich mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von nur noch einem Prozent nach plus 1,5 im Jahr 2018.

In Deutschland bleibt die Binnennachfrage eine zentrale Konjunkturstütze. Zuletzt aber sank das Konsumentenvertrauen deutlich. Auch die Unternehmen haben eher enttäuschende Jahresausblicke gegeben. Wegen schwacher Auftragseingänge werden gerade mal die noch vollen Auftragsbücher abgearbeitet. Dennoch hat der DAX einen fulminanten Jahresstart hingelegt. Offenbar ist ein Teil der bekannten geo- und zinspolitischen Risiken bereits in den Aktienkursen eingepreist. Zum weiteren Jahresverlauf haben wir sechs Top-Manager deutscher Aktienfonds befragt.

Innovation und Exportstärke

Thomas Orthen, Fondsmanager des ältesten deutschen Aktienfonds Fondak, lässt sich auf mittlere Sicht gesehen seinen Optimismus nicht nehmen. „Der langfristige Investment-Erfolg für deutsche Aktien basiert in der Breite auf einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Das Fundament dafür legen die deutschen Firmen mit ihrer Innovationskraft, ihrer Exportstärke und mit ihrer Fähigkeit, sich auf strukturelle Veränderungen anzupassen. Ich bin überzeugt, dass dies bei den gegenwärtigen Herausforderungen auch gelingen wird. Trotz vieler Schwierigkeiten in wichtigen Absatzländern wurde 2018 ein weiterer Exportrekord vermeldet – zum fünften Jahr in Folge. Allerdings mehren sich nun die Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung, und diese werden verstärkt durch Sonderthemen wie etwa dem Handelskonflikt zwischen USA und China oder dem Brexit. Die Unsicherheiten, die sich daraus ergeben, reflektieren sich in vorsichtigeren Gewinnerwartungen“, erklärt Orthen.

Manche Analysten sehen strukturelle Schwächen im DAX. Zu viele Zykliker, kaum echte Wachstumswerte, sowie vergleichsweise schwaches Gewinnwachstum der Unternehmen (vor allem gegenüber den USA). Ein „harter Brexit“ könnte diese Schwächen schonungslos offenlegen. „Großbritannien ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU mit einer Wirtschaftskraft, die jener der 19 kleinsten EU Ländern zusammen entspricht. Das bedeutet, dass der Brexit für die Exportnation Deutschland nicht folgenlos sein wird. Und je weniger der Ausstieg geregelt ist, umso größer ist die Unsicherheit, besonders im wichtigen deutschen Automobilsektor“.

Die deutsche Automobilindustrie befindet sich seit längerem in einem Transformationsprozess. Die gestiegenen Erwartungen an eine schnelle Verbreitung von Elektromobilität, neue Entwicklungen rund um das Thema autonomes Fahren und neue Formen der Mobilität wie Carsharing sind die Zukunftsthemen der Branche. In seinem Portfolio hat Orthen Zulieferer gegenwärtig höher gewichtet als Automobilhersteller. Zudem sieht er in Bereichen, die von einem steigenden privaten Konsum in Deutschland profitieren, Chancen für 2019. Eine steigende Beschäftigung und gute Lohnabschlüsse sollten hier weiterhin ein positives Umfeld begünstigen.

Mittelgroße Unternehmen mit starkem Wachstum

Markus Turnwald, Fondsmanager des Deka-Deutschland Nebenwerte, hat naturgemäß eher die kleineren und mittelgroßen Unternehmen im Fokus, und für diese Segmente ist er positiv gestimmt: „Die deutsche Volkswirtschaft ist ein einzigartiges Erfolgsmodell: Die hiesigen Unternehmen sind hochgradig wettbewerbsfähig und verfügen über eine überzeugende Produktpalette. Zudem haben sie sich rechtzeitig auf die Herausforderungen der Globalisierung eingestellt und profitieren so von der Wachstumsdynamik in den Schwellenländern. Ergänzt wird die Exportstärke der deutschen Wirtschaft von einer kräftigen Binnennachfrage. Ursächlich dafür sind das geringe Zinsniveau, höhere Lohnabschlüsse und eine hohe Beschäftigungsquote,“ meint Turnwald.

Tabelle: Die besten Deutschland-Fonds


Zur Struktur des deutschen Aktienmarktes ergänzt Turnwald: „Der deutliche Umsatzanteil der DAX-Unternehmen außerhalb Deutschlands ist grundsätzlich als positiv einzuschätzen, da deren Produkte wettbewerbsfähig sind. Allerdings ist der DAX besonders geprägt von der Automobil- und der Chemieindustrie und entsprechend zyklisch. Wachstumswerte finden sich verstärkt in der zweiten Reihe des MDAX und des SDAX. Diese überwiegend mittelständischen Unternehmen haben ein höheres Gewinnwachstum,“ weiß Turnwald. Daher lässt sich die strukturelle Schwäche durch Engagements in wachstumsstarken Mid Caps einigermaßen kompensieren.

Und wie schätzt der Deka-Fondsmanager die Risiken des Brexits ein? „Das Thema Brexit begleitet uns schon seit fast drei Jahren. Inzwischen haben sich viele Unternehmen aber darauf eingestellt. Neben einem höheren Vorratsaufbau haben die meisten von ihnen nun auch ihre Lieferketten optimiert. Für die überwiegende Anzahl der börsennotierten mittelständischen Unternehmen ist das Vereinigte Königreich zudem nur eines von vielen Exportländern. Daher sind hektische Maßnahmen im Fonds nicht notwendig. Vielmehr dürften sich bei einem immer noch möglichen Deal-Szenario attraktive Chancen ergeben,“ meint Turnwald. Und wie sieht er den Ausblick? „Während in der Vergangenheit gute mittelständische Unternehmen tendenziell ambitioniert bewertet waren, hat sich dies nun deutlich verändert. Bei einigen Maschinenbauunternehmen ist die Auftragslage unverändert stark, weil sie von der zunehmenden Automatisierung profitieren,“ so Turnwald.

Gewinnmomentum sinkt

Hansjörg Pack, Manager des DWS Aktien Strategie Deutschland, ist etwas kritischer gestimmt. „In den letzten Wochen hat sich das Gewinnmomentum für die meisten deutschen Unternehmen deutlich abgeschwächt. Sowohl der Brexit als auch der Handelsstreit werden von den unmittelbar betroffenen Unternehmen wahrgenommen, die Erwartungen für zukünftiges Wachstum werden vorsichtiger formuliert und die offensichtlichen Schwachstellen so gut es geht in der Planung für das Jahr 2019 und folgende adressiert“. „Für uns ist der Ifo-Index ein sehr guter Indikator für die zukünftige Entwicklung der Unternehmensgewinne in Deutschland. Man kann durchaus sagen, dass der Index eine ‚Gewinnrezession‘ vorwegnimmt, denn nur eine Minderheit der Unternehmen werden im Jahr 2019 ein höheres Ergebnis als 2018 ausweisen können. Eine Rezession für die gesamte Volkswirtschaft auszurufen wäre zu früh. Dazu bräuchte es eine dauerhafte, sich verschlechternde Kapazitätsauslastung, was bisher nicht zu beobachten ist. Dennoch: Wegen der eher zyklischen Ausrichtung des DAX versuchen wir in unseren Deutschland-Aktienfonds mit unterschiedlicher Gewichtung wachstumsstarke Mid- und Small Caps beizumischen (im DWS Aktien Strategie Deutschland teilweise bis zu 50 Prozent)“.

Und was den Brexit anbelangt: „Wir sind insgesamt weniger zyklisch aufgestellt als noch vor 18 Monaten. Bei den offensichtlichen Kandidaten haben wir Positionen reduziert. Die größten Einzelrisiken für die deutsche Wirtschaft sehen wir kurzfristig in der schwer einzuschätzenden konjunkturellen Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Gerade die Autoindustrie hat in den letzten Jahren zweistellige Zuwachsraten in China verzeichnen können“.

„Das sieht in den nächsten zwei bis drei Jahren ganz anders aus. Wir setzen verstärkt auf strukturelle Wachstums–themen. So sind im zweiten Halbjahr 2018 viele kleinere und mittelgroße Unternehmen deutlich abverkauft worden und die Bewertungen haben sich normalisiert. Hier sehen wir selektiv Kaufgelegenheiten. Ein wesentliches Selektionskriterium wird für uns sein, welche Unternehmen in der Lage sein werden, ihre Preise zu erhöhen. Der DWS Aktien Strategie Deutschland hat einen wesentlich stärkeren Fokus auf Wachstumstitel und damit auch eine höhere Toleranz für höher bewertete Aktien als der DWS Deutschland,“ erläutert DWS-Manager Pack.

 

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