Inhalt | 02/2021
02.07.2021

Comeback der Dividende

Die schwere ökonomische Krise im Pandemiejahr 2020 traf weite Teile der Weltwirtschaft hart. Dividenden wurden deshalb stark gekürzt oder ganz gestrichen. Das dürfte sich nun ändern. Mit der Konjunkturerholung werden die Gewinne – und damit die Ausschüttungen - wieder anziehen, äußern sich Experten überzeugt. Dennoch achten Top-Fondsmanager auf einige Selektionskriterien sehr genau.

von Raja Korinek

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Die Suche nach stabilen und regelmäßigen Erträgen war in den vergangenen Jahren ein zunehmend kniffliges Unterfangen. Grund sind die historisch niedrigen Renditen bei soliden Schuldnern, weshalb viele Anleger stattdessen immer öfters auf „Dividendenzahler“ in der globalen Aktienwelt setzen. Hans-Jörg Naumer, Leiter Global Capital Markets bei der Allianz Global Investors (AllianzGI) und Autor der jüngsten Dividendenstudie „Die Jagd nach Kapitaleinkommen geht weiter“, konstatiert: „Wenn Bankeinlagen und Staatsanleihen eher Geld kosten, als bringen, wird die Jagd nach Kapitaleinkommen noch weiter verschärft.“

Dabei leisten Dividenden bereits seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zum Gesamtertrag eines Aktieninvestments, fügt Naumer hinzu. Er verweist auf ein Studienfazit und sagt, vor allem Investoren europäischer Aktien konnten sich in der Vergangenheit über hohe Ausschüttungen freuen. „Diese halfen die Gesamtperformance in Jahren negativer Kursentwicklungen zu stabilisieren. Dividenden konnten Kursverluste teilweise oder sogar ganz kompensieren“. Der Blick auf die vergangenen Jahrzehnte liefert dabei interessante Details: Von 1975 bis Ende 2020 lag die jährliche durchschnittliche Dividendenrendite im MSCI Europa bei 3,8 Prozent, das Plus bei den Aktienkursen betrug im Schnitt 7,2 Prozent.

Anders ist das Bild beim MSCI Nordamerika: Hier betrug in jenem Zeitraum die Dividendenrendite im Schnitt 3,2 Prozent, während der Kurszuwachs bei jährlich 9,0 Prozent lag. Auch für den MSCI Pazifik gibt es eine entsprechende Auswertung. Hier lag die durchschnittliche Dividendenrendite bei 3,3 Prozent und der Kurszuwachs bei 5,8 Prozent. (siehe Grafik: „Solides Zubrot“ auf der nächsten Seite). Zur AllianzGI-Studie geht es hier:

Dividendenkürzungen als Folge der Krisenjahr

Gerade weil Dividenden langfristig ein wichtiger Stabilisator in einem Gesamtportfolio sind, waren die Entwicklungen im vergangenen Jahr besonders bitter. „Auch Dividenden konnten dem Konjunkturrückgang nicht trotzen. Wenn es zu Einbrüchen bei den Firmengewinnen kommt, bleiben Dividenden als ausgeschütteter Anteil der Unternehmensgewinne davon nicht unberührt“, sagt Naumer. Tatsächlich erreichten 2019 die Dividendenzahlungen noch ein Rekordhoch in Höhe von 1,43 Billion US-Dollar. Im Krisenjahr 2020 wurden sie laut Columbia Threadneedle um rund acht Prozent gekürzt, gemessen am MSCI All Country World Index. Am härtesten traf es den Bereich Basiskonsum, gefolgt von Finanztiteln.

Helge Skibeli, Fondsmanager des JPMorgan Investment Funds - Global Dividend Fund, meint in diesem Zusammenhang, „in Europa wurden beispielsweise Banken und Versicherer von den Aufsichtsbehörden aufgefordert, in 2020 kein Kapital auszuschütten, das ansonsten in Form von Dividenden und Rückkäufen an die Aktionäre zurückgeflossen wäre. In den USA hatten sich mehrere große Banken verpflichtet, Rückkäufe zu stoppen, und der politische Druck auf die Banken, Dividenden zurückzuhalten, nahm zu.“ Im Energiesektor wiederum setzte der dramatische Rückgang der Ölpreise – von fast 70 US-Dollar pro Barrel im Januar 2020 auf ein Tief von rund 20 US-Dollar pro Barrel Ende März 2020 – die Cash-flows der Energieunternehmen unter Druck, zeigt Skibeli auf.

Doch das Blatt wendet sich angesichts des Konjunkturaufschwungs, die Unternehmensgewinne sollten laut AllianzGI-Einschätzung in diesem Jahr kräftig steigen. Bereits im ersten Quartal 2021 war solch eine Entwicklung deutlich sichtbar. Ein Großteil der Unternehmen konnte in dem Berichtsquartal allein in den USA und Europa positiv überraschen. Bei Columbia Threadneedle ist man deshalb überzeugt: Im Gesamtjahr dürften im Schnitt die Dividendenrenditen um zehn Prozent wachsen, gemessen am MSCI All Country World Index.

Dividenden werden wieder steigende

Auch Oleg Schantorenko, Senior Account Manager Institutional Clients bei der DJE Kapital AG, ist sich sicher: „Im Zuge einer Markterholung erwarten wir wieder steigende Dividenden und werden diverse Opportunitäten nutzen“. Mitbewerber verweisen ebenso auf die positive Aussichten. Mathew Page, Co-Fondsmanager des Guinness Global Equity Income Fund, meint, Ende April hatten bereits 24 der 35 Titel im Fonds ein Update zu ihrer Dividendenpolitik gegeben: „20 dieser Unternehmen kündigten an, ihre Ausschüttungen für 2021 zu erhöhen.“ Dazu zählen beispielsweise Konzerne wie der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble sowie der Pharmakonzern Johnson & Johnson, aber auch der Aufzughersteller Otis, ebenfalls aus den USA.

Dennoch bleibt eine sorgfältige Titelauswahl unerlässlich. Schantorenko von der DJE Kapital AG verweist auf den Zugang in seinem Haus. Dort fokussiere man sich nicht auf Unternehmen mit den höchsten Dividendenrenditen, sondern auf diejenigen Titel, die im Schnitt zwei bis vier Prozent Dividende zahlten, dafür wiederkehrend und somit nicht an ihrer Substanz zehrten. „Jene Unternehmen, die für die Porfolioallokation in Frage kommen, generieren idealerweise stabile und positive Free Cashflows, die eine Dividendenrendite mehr als abdecken“, so Schantorenko.

Auch andere Vermögensverwalter erläutern ihre Selektionskriterien. Thomas Kühne, Fondsmanager bei der LLB Asset Management über den Ansatz im LLB Aktien Dividendenperlen Global ESG: Dort beginne man mit einer Titelselektion nach der ESG-Komponente. ESG steht für „Environmental“ (Umwelt), „Social“ (sozial) und „Governance“ (gerechte Unternehmensführung). Die nachhaltigsten Aktien werden dann nach Aktionärsrendite (Dividendenrendite und Rückkaufrendite, die sich durch Aktienrückkäufe ergibt) selektiert. Sowohl die höchste Rendite als auch die niedrigste Volatilität werden unter die Lupe genommen.

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