Inhalt | Print-Ausgabe 01/2017
20.04.2017

Die hei├čen Trends im Immobilienjahr 2017

Soviel steht fest: Auch in 2017 wird der Immobilienmarkt brummen. Vielleicht nicht mehr so laut, wie im Vorjahr; aber die Nachfrage übersteigt nach wie vor bei Weitem das Angebot – wenngleich die Käufer anspruchsvoller werden und genauer prüfen. Gut gehen werden heuer nach wie vor Zinshäuser sowie Mikrowohnungen. Anspruchsvolle Studentenwohnungen haben sich als wichtige Assetklasse etabliert.

von Linda Benk├Â

Foto: 6B47

Immobilien in ganz Europa bleiben stabil und eine als sicherer Hafen geltende Anlageklasse trotz politischer, wirtschaftlicher, demografischer, technologischer und störender Faktoren, die den Wandel und die Unsicherheit beeinträchtigen. So diagnostizierten die Experten von Colliers International, dem drittgrößten gewerblichen Immobilien-Dienstleistungsunternehmen der Welt, anlässlich der vor Kurzem zu Ende gegangenen Leitmesse MIPIM in Cannes.

Die Renditen gaben in Österreich zum Jahresende 2016 weiter nach. Die Spitzenrendite für Büroimmobilien lag zum Jahresende bei 4,0 Prozent und somit noch einmal 20 Basispunkte unter dem Wert per Jahresende 2015. Für Logistikimmobilien war die Spitzenrendite Ende 2016 bei 5,75 Prozent bzw. für Fachmarktzentren bei 5,70 Prozent, während die Spitzenrendite für High Street Retail bei 3,40 Prozent lag. „Das lediglich leichte Sinken der Renditen bestätigt den Ruf Österreichs eines sehr stabilen Investmentmarktes“, bestätigt Georg Fichtinger, Senior Director - Head of Investment Properties beim Immobiliendienstleister CBRE.

„Ungebrochener Kaufwille herrscht am gesamten Zinshausmarkt“, so formuliert es Markus Arnold, Geschäftsführer des Zinshausspezialisten Arnold Immobilien GmbH. Selbst wenn die Leitzinsen sich auch in Europa wieder nach oben bewegen sollten – dies „ändert nichts am Euro auf der Bank oder auf dem Kapitalmarkt – meine Kunden tauschen die Währung. Immobilien sind die neue Währung“, so Arnold. Dennoch hält er es für eine Mär, dass es keine Objekte mehr zu kaufen gebe, „es wird immer verkauft“, meint der Zinshausexperte.

Trend: Zurück in die Stadt

Für Valentin Winkler von Marlies Muhr Immobilien bleibt die Bundeshauptstadt als Wohnmarkt ungebrochen attraktiv: „Das Leben in der Stadt wird für viele wieder interessanter und spannender. Die Landflucht hat sich aufgehört. Die gute Anbindung in einem schönen Umfeld lässt viele wieder zurückkehren.“ Zumal Wien laut der regelmäßig vom internationalen Consultingunternehmen Mercer veröffentlichen Studie „Quality of Living“ sich zum achten Mal in Folge unter 231 untersuchten Metropolen auf Rang 1 behaupten konnte.

Trend: Mikrolagen entscheidend

Ein Trend in Wien sei, so Arnold, dass heute „eine bestimmte Mikrolage wichtiger ist als ein bestimmter Bezirk“. Wohl deshalb veröffentlicht JP Immobilien schon längere Zeit keine Marktberichte mehr, sondern in regelmäßigen Abständen einen Grätzelbericht in Form eines Magazins. Immobilienexperten sehen noch Chancen in Wien im Bereich rund um den Yppenmarkt und den Johann Nepomuk Berger-Platz, des Weiteren zum Beispiel das Servitenviertel und die Viertel rund um die neue Wirtschaftsuniversität (WU) in Wien 1020.

Das Gebiet um den neuen Hauptbahnhof hat auch noch immer Potenzial – die dort entstehenden, teils sehr exklusiven Wohnungen wie jene, die von Star-Architekt Renzo Piano konzipiert und von der Signa Gruppe errichteten Parkapartments am Belvedere, werden das Viertel weiter aufwerten. Auch das Sonnwendviertel südlich des Hauptbahnhofs entwickelt sich gut als Wohngebiet; die „Favoritenstraße Neu“ wird im Zuge umfassender Revitalisierungen noch hinzugewinnen.

Trend: Mikrowohnungen

Auf Nischenobjekte und Umnutzungen setzt der Developer Immobilienrendite AG. So werden etwa aus in die Jahre gekommenen Gewerbeflächen Mikrowohnungen. Der Baustart für das Wohnprojekt im 23. Bezirk ist nach Erhalt der Baugenehmigung für Sommer angepeilt. Aus einer Halle mit Bürofläche und angrenzendem Grundstück werden so an die 80 Wohnungen mit Flächen zwischen 30 und 60 m2. Rund ein Viertel der Einheiten soll nicht mehr als 99.000 Euro kosten.

„Wir wollen zeigen, dass leistbares Wohnen auch ohne die Verwendung von Steuergeldern möglich ist“, sagt Vorstand Markus Kitz-Augenhammer. Bei den kleinen Flächen um die 30 m2 komme es auf optimierte Grundrisse an. Für die Tiefgarage werde der Keller adaptiert. Möglich sei auch, dass ein Investor das gesamte Wohnprojekt kaufe und dann vermiete.

Mit Erstvermietungsgarantie

Dieser Trend zu Klein- und Kleinstwohnungen setzt sich nun ausgehend von der Bundeshauptstadt auch schön langsam in den Landeshauptstädten fort: So werden rund 50 der insgesamt 900 errichteten und noch entstehenden Wohnungen des Developers C&P Immobilien AG in Graz, Brauquartier Puntigam, eine kleinere Dimension aufweisen (bis 30 m2). „Siehe London: Dort gibt es z.B. Wohnungen mit nur 23 Quadratmetern Fläche“, erklärt Gründer Markus Ritter. Bei einem Verkaufspreis ab 73.000 Euro oder einer Miete – inklusive Küche, Heiz- und Betriebskosten – ab 380 Euro seien diese C&P Mietwohnungen (bezugsfertig ab Herbst 2017) erschwinglich und erfreuten sich großer Nachfrage. Daneben bietet C&P auch Vorsorgewohnungen an: in Graz, Klagenfurt, Wien und Berlin – mit Erstvermietungsgarantie; das bedeutet, der Eigentümer erhält ab einem festgelegten Termin die garantierte Miete für die Wohnung, gleich, ob sich das Objekt noch in Bau befindet, dieses schon vermietet ist oder nicht.

"Wirtschaftlicher" Wohnraum

Kleiner Exkurs zum – vor allem von Politikern jeglicher Couleur bemühten – Schlagwort des „leistbaren Wohnens“: Peter Ulm, CEO des Developers 6B47, spricht lieber von „wirtschaftlichem Wohnraum; denn leistbar ist ja immer sehr relativ“. Die speziell dafür gegründete 6B47 Wohnbauträger GmbH widmet sich dem Middle- und Low-Cost-Segment, die entstehenden Wohnungen sollen in der Preiskategorie von 3200 bis 3500 Euro liegen bzw. zu Nettomieten von 10,50 Euro je Quadratmeter zu haben sein. Aktuelles Projekt ist das Areal „Albatros“ (ca. 50.000 Quadratmeter in 1030 Wien), wo sowohl die 6B47 Wohnbauträger GmbH als auch die 6B47 Real Estate Investors AG bauen.

 

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