Inhalt | Print-Ausgabe 03/2020
29.09.2020

Die klugen Wellenreiter

Die Corona-Krise ist längst nicht ausgestanden, weshalb Anleger wohl mit weiteren Kursschwankungen rechnen müssen. Der Blick auf Lösungen, mit denen sich ein solches Umfeld möglichst solide meistern lässt, kann sich deshalb lohnen. FONDS exklusiv hat sich drei interessante Strategien angesehen.

von Raja Korinek

Adobe Stock

Angesichts der weltweit steigenden Zahlen an Corona-Fällen wird schnell klar: Die Krise ist längst nicht überstanden. Dieser Umstand geht trotz Börsenhausse seit März auch an den Börsen nicht spurlos vorbei. Anleger müssen wohl weiterhin mit größeren Kursschwankungen rechnen. Umso mehr lohnt der Blick auf Anlagelösungen für turbulente Zeiten. FONDS exklusiv hat sich drei Ansätze angesehen, zu denen ausgewogene Multi-Asset-Fonds, aber auch Wandelanleihen sowie Long-Short-Strategien zählen.

Geschickte Asset-Aufteilung

Grundsätzlich wird bei allen Multi- Asset-Fonds das Vermögen vor allem auf Aktien und Anleihen aufgeteilt. Manche Anbieter mischen Gold und Alternative Investments bei. Das Vermögen breiter aufzustellen kann freilich im aktuellen Umfeld besonders vorteilhaft sein. Denn die Kursschwankungen nehmen nicht nur aufgrund der weiter steigenden Infektionszahlen zu. Zuletzt sorgte der wiederaufflammende US-Handelskrieg mit China für Verunsicherung. Und der Umstand, dass nunmehr auch die US-Notenbank eingestehen musste, dass es ihr vermutlich länger nicht gelingen werden, die Wirtschaft und damit auch die Inflation wieder anzukurbeln. Das ultratiefe Zinsniveau stellt vor allem Bondanleger vor eine wachsende Herausforderung.

Und da gilt es umso mehr, zahlreiche Anlageklassen gut im Auge zu behalten, um rechtzeitig zu reagieren. Einer, der dies erfolgreich tut ist Jan Kvapil, Portfoliomanager Lifecycle Solutions & Sustainable Multi Asset, bei dem niederländischen Vermögensverwalter NNIP. Er mahnt die Bedeutung einer vernünftigen Streuung nicht zu unterschätzen: „Die Aufteilung auf Aktien, Anleihen, aber auch auf andere Assets, trägt zu mehr als 80 Prozent des Gesamtertrags eines Portfolios bei“.

Kvapil meint, ein reines Aktienportfolio müsse deshalb nicht immer die bessere Wahl sein. „Es hat in der Vergangenheit einige Phasen gegeben, in denen Bonds eine bessere Wertentwicklung zurücklegten als Aktien.“ 2011, inmitten der griechischen Schuldenkrise, legten Euro-Staatsanleihen mit einer Top-Bonität um rund 5,5 Prozent zu, während globale Aktien das Jahr mit einem Minus beendeten.

 

Asset-Klassen im Vergleich

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Risikokosten beachten

Dennoch gibt es einige Feinheiten bei dieser Produktgruppe, die Anleger kennen sollten. Kvapil verweist etwa auf drei unterschiedliche Einstufungen, die es grundsätzlich bei Multi-Asset-Produkten gibt. Erstens „defensiv“, bei der die Anleihequote stets besonders hoch ist, zweitens „ausgewogen“ (oder balanced). Hier wird meist auf ein relativ ausgewogenes Verhältnis geachtet, außer in Extremsituationen, in denen der Fondsmanager zum Beispiel mit schweren Rücksetzern bei den Aktien rechnet. Und drittens die offensive Variante, bei der wiederum die Aktienquote am höchsten sein kann. Kvapil meint, Anleger sollten bei der offensiven Variante deshalb auch den längsten Anlagehorizont haben. So können Anleger zwischenzeitliche Schwankungen bei Aktien durchtauchen.

Damit bildet die ausgewogene Variante so etwas wie die goldene Mitte, die sich im diesjährigen turbulenten Umfeld bislang im Übrigen am besten schlagen konnte. Überhaupt sieht Phil Gronniger, Client Portfoliomanager für Rentenstrategien bei Janus Henderson Investors, einige Vorteile in der ausgewogenen Variante und verweist auf den Janus Henderson Capital Funds plc - Balanced Fund (IE0009514989). Er sagt, „dieser stellt ein Kernportfolio aus einer Hand dar, das die Flexibilität bietet, sich in unsicheren und volatilen Märkten zu bewegen“. Ziel sei es, sich dann defensiv zu positionieren, ehe die Marktvolatilität steigt. „Wenn wir hingegen von einem Bullenmarkt bei Aktien ausgehen, reduzieren wir die Rentenallokation“.

Der Spielraum, den Fondsmanager bei den jeweiligen Quoten haben, ist je nach Anbieter ein wenig unterschiedlich ausgeprägt. Beim Balanced-Fonds von Janus etwa kann der Aktienanteil zwischen 35 und 65 Prozent schwanken. Die festverzinslichen Komponenten können sich jeweils im umgekehrten Verhältnis im selben Korridor bewegen. Im langfristigen Durchschnitt beträgt die Aktienquote 58 Prozent und die Anleihequote 42 Prozent im Fonds.

Ausgewogenes Risiko-Rendite-Verhältnis

Dass sich solch eine Strategie bislang bewährt hat, verdeutlicht die historische Entwicklung. Gronninger betont, der Balanced-Fonds habe in den vergangenen Jahren ein Rendite-Risiko-Profil erzielt, das ähnliche Renditen wie der S&P 500 mit rund der Hälfte des Risikos – gemessen an der Standardabweichung – liefere. Auch ein Vergleich mit regional gestreuten Indizes, wie etwa dem MSCI World Total Return, verdeutlichen die Vorteile einer Streuung.

Dabei konnte der Janus-Fonds allein in den vergangenen zehn Jahren um jährlich knapp sieben Prozent auf Eurobasis zulegen. Ähnlich erfolgreich ist auch der NN (L) Patrimonial Balanced (LU0119195963) auf zehn Jahre. Dieser hatte zuletzt die größten Fondspositionen in globale Qualitätsaktien sowie in Anleihen aus der Eurozone investiert. Einfach ist die aktuelle Anleihenselektion angesichts des Zinstiefs freilich nicht.

Dazu macht man sich auch bei der Kepler Fonds KAG reichlich Gedanken. Durch die völlig veränderte Zinslandschaft hat sich die Risikobetrachtung im Anleiheteil verändert, gibt Kurt Eichhorn, Fondsmanager des Rententeils des Kepler Vorsorge Mixfonds (AT0000722640), zu bedenken. Er sagt, heute komme es in Mischfonds risikotechnisch nicht mehr nur auf den Aktienanteil an, sondern auch darauf, in welche Anleihen mit welchem Risiko investiert werde.

Freilich, klassische Staatsanleihen haben dennoch stets einen fixen Platz als solider Anker, wie auch im Kepler Vorsorge Mixfonds. Zusätzlich setzt Eichhorn auf inflationsgeschützte Anleihen. Doch nicht nur. Chancen nutzt der erfahrene Profi auch in der Ferne bei Anleihen aus den Schwellenländern so- wie bei Bankanleihen. Er meint, „unser Ansatz ist betont mittel- bis langfristig ausgerichtet. Kurzfristige Nachteile werden in Kauf genommen. Wir legen den Fokus auf effizientes Abgreifen von Risikoprämien für Zinsänderungs- und Kreditrisiken und lukrieren Prämien aus der Beimischung von kleineren Emissionen mit interessanten Zinsaufschlägen“. Die unterschiedlichen Chancen-Risiko-Profile verdeutlicht auch die Grafik „Stufen des Ertrags“.

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