Inhalt | Print-Ausgabe 02/2015
11.06.2015

Die Meinungsmacher

Schon mit einfachen Zertifikatestrategien können Privatanleger ganz unterschiedliche Markterwartungen umsetzen – und dabei Garantien oder Puffer gegen Kursverluste nutzen. Vor einem Einstieg gilt es jedoch zu bedenken: Die Anlagen bieten nicht nur Chancen. Es gibt auch manche Tücken.

von Raja Korinek

Foto: Fotolia.de

Eines muss man bei der Entwicklung der globalen Finanzmärkte freilich festhalten: Inzwischen gibt es kaum ein Segment, das an den weltweiten Börsen nicht vertreten ist. Ein Trend, den offenbar auch die Zertifikateindustrie zunehmend für sich entdeckt – und entsprechend auf Anlegerinteresse stößt. Einzig ein Blick auf die Homepages der zahlreichen Zertifikateanbieter mag fast ein wenig abschreckend wirken, wenn man sich noch nicht näher mit diesem Bereich befasst hat. Für Anleger, die erstmals in die Welt der Zertifikate eintauchen, gibt es einfach gestrickte Produkte, sie bieten zum Teil einen Puffer gegen Kursverluste oder eine Garantie auf das eingesetzte Kapital.

 

 

Emittentenrisiko beachten

 

Grundsätzlich handelt es sich – wie bei allen Zertifikaten – um Schuldverschreibungen, man hat also ein Emittentenrisiko. Als Orientierungshilfe können Anleger das Rating der Banken heranziehen, die meisten verfügen schließlich über eine Bonitätsnote. Wobei, die simpelste Zertifikateform sind wohl Index- und Partizipations- bzw. Trackerzertifikate. Sie bilden die Kursentwicklung des Underlyings – so wird das jeweilige zugrunde liegende Investment im englischen Fachjargon genannt – 1:1 ab. „Gerade die einfache Funktionsweise macht sie für manche Anleger ebenso interessant. Zudem lassen sich mit diesen Produkten auch exotischere Märkte, wie etwa jener für Rohöl, abdecken“, zeigt Heike Arbter, Leiterin strukturierte Produkte bei der Raiffeisen Centrobank (RCB), auf.

 

Tatsächlich ist vor allem bei Rohstoffen ein Direktinvestment für Privatanleger praktisch nicht anders möglich. Wobei Indexzertifikate in diesem Segment in der Regel ETC (Exchange Traded Commodities) genannt werden. Die Besonderheit: „ETC etwa auf Metalle sind auch physisch mit dem jeweiligen Rohstoff besichert“, erklärt Bernhard Wenger, Leiter Europavertrieb bei ETF Securities. Geht der Emittent Pleite, gibt es damit also noch eine Besicherung. Anders bei ETC auf Rohöl, „hier werden keine prall gefüllten Ölfässer eingelagert“, so Wenger. Vielmehr wird das Anlegergeld in einen Sicherheitskorb mit Blue-Chip-Aktien sowie in Anleihen mit einer Top-Bonität veranlagt. Die Ölpreisentwicklung wird zugleich mittels einem Derivat – einem Swap – synthetisch abgebildet, wie etwa beim ETF Securities Oil Securities ETC (DE000A0KRKM5). Einzig: Weil Derivate immer wieder verlängert werden müssen, können die Kosten teilweise auch an der Performance nagen.

 

Wie speziell zudem einzelne Indizes sein können, zeigt allein die jüngste Emission der Société Générale mit em Trackerzertifikat auf den Solactive Japanese Buyback Index (DE000SG8YEN9). Hier sind jene Titel enthalten, die ein Aktienrückkaufprogramm gestartet haben. Weitere „Exoten“ finden Anleger unter Solactive.com, das Unternehmen hat sich auf zahlreiche „Nischen“ spezialisiert. Was Anleger grundsätzlich beachten sollten: Manche Emittenten verrechnen zudem eine jährliche Managementgebühr.

 

 

Auf Nummer sicher

 

Indexzertifikate haben weder ein Laufzeitende noch eine Kapitalgarantie. Und das ist freilich nicht allen Anlegern recht. Für sie könnten sich Garantiezertifikate eignen. Christian Glaser, Zertifikateexperte der BNP Paribas, zu einem der möglichen Kaufgründe: „Es gibt Anleger, die bei diesen hohen Marktniveaus nicht mehr ohne Kapitalschutz investieren wollen.“ Teils seien es aber auch „konservative Anleger auf der Suche nach Alternativen zu den aktuell niedrig verzinsten Anleihen“, so Glaser.

 

Zur Funktionsweise: Grundsätzlich wird eine Null-Kupon-Anleihe unter dem Tilgungskurs (in der Regel bei 100 Prozent des Nominales) emittiert, zahlt dafür aber keine jährliche Verzinsung (die Differenz zum Tilgungskurs ist quasi die interne Verzinsung). So wird zumindest das eingesetzte Kapital zu Laufzeitende sichergestellt. Damit Anleger aber auch von Chancen auf ausgewählten Märkten profitieren können, wird an das Garantiezertifikat grundsätzlich eine Call-Option angehängt. Mit der Kaufoption profitiert man gehebelt von steigenden Märkten. Sinken diese, verfällt die Option hingegen zu Laufzeitende. Dann bekommen Anleger nur das eingesetzte Kapital zurück – allerdings unverzinst, „was aber in Zeiten, in denen das allgemeine Zinsniveau ohnedies sehr niedrig ist, nicht wirklich ins Gewicht fällt“, so Glaser von der BNP Paribas.

 

Für Emittenten wird es damit aber zugleich schwieriger, eine Null-Kupon-Anleihe zu attraktiven Konditionen zu begeben (die interne Verzinsung – sie variiert je nach Emittent – schrumpft schließlich mit dem allgemein sinkenden Renditeniveau). „Daher gibt es bei Garantiezertifikaten kaum Laufzeiten unter sieben Jahren“, erklärt Frank Weingarts, Experte für Wertpapier-Anlagelösungen UniCredit onemarkets, und verweist zumindest auf einen positiven Aspekt:  „Immerhin sind die Call-Optionen preiswert darstellbar.“ Die Bank Austria etwa hat jüngst die MegaTrend Serie 91 Garantieanleihe (AT000B043633) begeben. Hier partizipieren Anleger am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent an der positiven durchschnittlichen Wertentwicklung des zugrunde liegenden Aktienkorbes. Er besteht aus insgesamt 20 Blue-Chip-Titeln.

 

Auch muss es nicht immer der Aktien­markt sein, der als Basiswert herhält. Die Erste Group hat etwa ein Garantiezertifikat auf Gold begeben (AT000B003900) mit einer maximalen Rückzahlung von 148 Prozent am 17. Januar 2016, falls sich der Goldpreis positiv entwickeln sollte.

 

 

Lesen Sie den ganzen Artikel in der Print-Ausgabe 02/2015 von FONDS exklusiv.