Inhalt | Print-Ausgabe 01/2021
27.03.2021

Erhöhte Transparenz und „grüne“ Chancen für Berater und Anbieter

Finanzberater und Anbieter nachhaltiger Finanzprodukte müssen im Zuge regulatorischer Vorgaben der Europäischen Union vielfältige Transparenzanforderungen erfüllen. Die schrittweise Umsetzung eröffnet den Akteuren aber auch Handlungsoptionen.

von Kay Schelauske

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Im Rahmen des Aktionsplans der Europäischen Union (EU) zur Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums ist am 10. März 2021 die EU-Offenlegungsverordnung in Kraft getreten. Das Regelwerk, das aufgrund seiner englischen Bezeichnung „Sustainable Finance Disclosure Regulation“ auch als SFDR abgekürzt wird, hat vor allem ein Ziel: Transparenz schaffen und zwar in mehreren zeitlich aufeinanderfolgenden Stufen. Denn die Regelungen sind sehr umfangreich und die „technischen Regulierungsstandards“, kurz RTS, wurden erst Mitte Februar dieses Jahres final veröffentlicht.

Folglich steht erst seit einigen Wochen fest, wie betroffene Finanzmarktakteure die Transparenz im Hinblick auf „grüne Finanzprodukte“ verbessern sollen. Union Investment hat sich mit anderen Stakeholdern für eine Verschiebung eingesetzt, heißt es vonseiten der Investmentgruppe mit Blick auf die Umsetzung der RTS. Zudem sei dies notwendig, weil auch bei anderen Rechtsakten des EU-Aktionsplans klare Umsetzungsvorgaben ausstehen. Da nun die Umsetzung der RTS auf den 1. Januar 2022 verschoben wurde, halten sich die seit wenigen Tagen geltenden Informationspflichten nach Einschätzung der Fondsverbände in Deutschland und Österreich noch in Grenzen.

„In der EU-Offenlegungs-VO geht es in erster Linie darum, dass die Berater ihre Kunden transparent über ihren Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken aufklären. Die Anforderungen sind aber für Berater sehr leicht umzusetzen“, sagt Christian Nuschele. Der Head of Sales & Marketing bei Standard Life Deutschland und Österreich verweist auf die Musterformulierungen der hiesigen WKÖ, die ebenso auf der eigenen Webseite bereitgestellt werden wie Aufzeichnungen von Online-Seminaren und Präsentationen zu dem Thema. „Finanzberater müssen dem Kunden gegenüber die Art und Weise erläutern, wie Nachhaltigkeitsrisiken in die Beratung einbezogen werden. Die jeweiligen Nachhaltigkeitsrisiken sind freilich sehr veranlagungsspezifisch und somit produktabhängig“, sagt Manfred Bartalszky, Vorstands-direktor bei der Wiener Städtischen.

Die Versicherer müssen ebenso wie Investmentgesellschaften und Finanzberater auf ihrer Homepage in den vorvertraglichen Informationen ihrer Produkte sowie den Jahresberichten über bestehende Nachhaltigkeitsrisiken aufklären. Ein Beispiel: Vermehrt auftretende Extremwetterlagen führen zu negativen Aktienkursentwicklungen bei Zielunternehmen aus einem Anlageprodukt und beeinflussen somit auch die Rendite des Anlegers negativ. Nuschele ergänzt auch mit Blick auf eigene Veröffentlichungen: „Dazu gehören unter anderem Fact-sheets, aus denen Informationen über Nachhaltigkeitsrisiken (Artikel 6 TVO), Informationen zur Bewerbung ökologischer oder sozialer Merkmale in den Investments (Artikel 8) sowie Informationen über nachhaltige Investitionen (Artikel 9) hervorgehen müssen.“

Die Wiener Städtische hat neben den Informationen von Kapitalanlagegesellschaften bezüglich ihrer Fondspolizzen eine Beschreibung ihres Sicherungsvermögens vorgenommen und in die Vertragsgrundlagen integriert. „Der vorgenommene Ausstieg aus Kohleinvestitionen und ähnliche Investitionsentscheidungen werden beschrieben und offengelegt“, sagt der Vorstandsdirektor. Bartalszky fügt zudem hinzu, dass man auch entsprechende Informationen zu den folgenden Themen auf der eigenen Homepage veröffentlicht: Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen (Art. 3 TVO), die Berücksichtigung von nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen bei Investitionsentscheidungen (Art. 4) sowie die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken bei der Vergütungspolitik (Art. 5).

Den zweiten Schwerpunkt der Informationspflichten bilden die „negativen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren“. Sie werden nach dem englischsprachigen Begriff „Principal Adverse Impact Indicators“ auch als PAIs abgekürzt. Finanzunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern müssen zwingend über die PAIs berichten. Betriebe der Branche mit geringerer Personalstärke brauchen nur eine Erklärung abgeben, ob sie PAIs berücksichtigen bzw. müssen es begründen, falls sie dies nicht tun. „PAIs fordern Investoren auf, ihre eigenen Auswirkungen, z. B. auf die Umwelt oder die Gleichstellung der Geschlechter, zu berücksichtigen und diese Auswirkungen anhand von vordefinierten Metriken sichtbar zu machen“, sagt David Czupryna, Head of ESG Development beim europäischen Asset Manager Candriam.

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